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Blasinstrumente sind in Corona-Zeiten nicht ungefährlich.
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Blasinstrumente sind in Corona-Zeiten nicht ungefährlich.

Frankfurt

Heiligabend in der Paulskirche

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Erster Weihnachtsgottesdienst in der Paulskirche seit 77 Jahren.

Kurz vor Beginn des Gottesdienstes zählt Martin Hunscher im kaum besetzten, weiten Rund rasch durch. „Zwei Drittel der Angemeldeten sind da“, sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstands der Evangelischen Paulsgemeinde. 75 seien das etwa. Bedeutend weniger Gläubige als sich angemeldet hatten, sind damit an diesem Heiligabend zum Gottesdienst in die Paulskirche gekommen.

Knapp zwei Wochen zuvor hatte die Gemeinde noch von maximal 180 Plätzen gesprochen, die innerhalb einiger Tage ausgebucht gewesen seien. Die Platzzahl hat die Kirchengemeinde offenbar aufgrund von Diskussionen im Vorfeld und angesichts der weiterhin hohen Corona-Fallzahlen reduziert.

Nach den „Aufrufen und Empfehlungen an den Vortagen, nur zu gehen, wenn das Bedürfnis ganz groß“ sei, habe er schon mit weniger Besucher:innen als angemeldet, gerechnet, berichtet Hunscher. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte sich die Gemeinde, die sonst in der benachbarten Nikolaikirche beheimatet ist, nach langer Zeit entschieden, zu Heiligabend für einen Gottesdienst am Nachmittag und einen am Abend wieder in die Paulskirche umzuziehen. Dafür musste sich anmelden, wer kommen wollte.

Hinter dem Eingang im Erdgeschoss werden am Nachmittag an Stehtischen die Namen der Angemeldeten geprüft. Desinfektionsmittel steht in Standspendern bereit. Oben im großen Saal bekommen die Besucher:innen von Gemeindemitgliedern Plätze zugewiesen. Nur jede zweite Reihe ist besetzt. Mindestens drei Stühle bleiben frei zwischen Personen, die alleine sitzen, Paaren und Gruppen. Eine siebenköpfige Familie, die zusammensitzt, macht ein Selfie mit dem Handy. Die Großmutter raunt ihren Enkeln zu: „Ihr wisst, dass ihr nicht singen dürft“. Sie fügt hinzu: Trotzdem sei dieser Kirchgang etwas „ganz Besonderes“.

Pfarrerin Andrea Braunberger-Myers sagt zur Begrüßung, „wie gut, dass Sie hier sind, zum ersten Weihnachtsgottesdienst seit 77 Jahren“. Der letzte fand zu Weihnachten 1943 statt. Im Frühjahr des Folgejahres wurde die Kirche zerstört. Seit sie wieder aufgebaut ist, gab es den letzten Gottesdienst in dem Symbol deutscher Demokratie an Silvester vor der Jahrtausendwende. Braunberger-Myers sagt: „Ob analog wie hier, im Radio, im Netz oder im Fernsehen zu Hause, wo viele geblieben sind“, über verschiedene Kanäle würden Christen in der ganzen Welt Weihnachtsgottesdienste verfolgen. „Heute feiern wir ohne Singen und großes Stadtgeläut“.

So ganz stimmt das jedoch nicht. Zwar sind die Besucher:innen aufgefordert, nicht zu singen, was auch niemand hörbar tut. Allerdings hat sich über der Kanzel und unterhalb der Orgel ein kleiner Chor aus je zwei Frauen und Männern mit gebührendem Abstand zueinander und zum Publikum aufgestellt. Ein junges Horntrio, „mit rund sechs Metern“ Abstand zu den ersten Reihen, wie Kirchenvorstand Hunscher berichtet, begleitet Chor und Orgel.

„Die Corona-Pandemie hat das Leben in unserer Gesellschaft stark beschnitten“, sagt der evangelische Stadtdekan Achim Knecht in seiner Predigt: „Das Virus setzt dem Zusammenleben eine bittere Grenze.“ Daneben erinnert er an das Schicksal „Geflüchteter in der Ägäis“ und spricht im Zusammenhang mit den „Querdenker“-Demonstrationen von „Egoismus statt Solidarität“.

Vor dem Segen erklärt Pfarrerin Braunberger-Myers den Gläubigen, wie sie nach dem Ende des Gottesdienstes die Kirche verlassen sollen: die hinteren Reihen zuerst und dann nach und nach alle weiteren.

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