Kaiserdom

Heilendes Wasser im Frankfurter Dom

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Gläubige im Frankfurter Kaiserdom benetzen sich mit dem Nass aus Lourdes und bewundern einen Reliquienschrein mit Hautpartikeln der Heiligen Bernadette.

In langen Schlangen stehen Gläubige am Sonntagnachmittag vor dem Altar des Kaiserdoms. Die Katholiken warten darauf, sich mit Wasser aus einer Grotte der Marienwallfahrtsstätte bei Lourdes benetzen zu können. In der Grotte von Massiabelle soll vor mehr als 160 Jahren, von Februar bis Juli 1858, der jungen Bernadette Soubirous mehrfach die Jungfrau Maria erschienen sein.

Das Mädchen aus dem südwestfranzösischen Städtchen am Rande der Pyrenäen war in einfachen Verhältnissen groß geworden. Die 14-Jährige soll von Maria aufgefordert worden sein, aus einer verborgenen Quelle zu trinken, die bis heute sprudelt und heilende Wirkung haben soll. Mit heute fünf bis sechs Millionen Pilgern jährlich entwickelte sich Lourdes zu einem der bekanntesten Wallfahrtsorte Europas. Vor 85 Jahren sprach der damalige Papst Pius XI. Bernadette Soubirous, die „Seherin von Lourdes“, heilig.

Am Sonntag wird nicht nur das Wasser aus Lourdes aus unscheinbaren Plastikkanistern in Glas- und Messingschüsseln gefüllt. Daneben wird auch ein Reliquienschrein mit feinen Hautpartikeln der Heiligen gezeigt. Möglich gemacht hat das die „Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes“, eine Vereinigung von Ehrenamtlichen, die einmal jährlich für eine Woche zu dem Wallfahrtsort reist und dort kranke sowie alte Pilger unterstützt.

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens präsentiert die Vereinigung den Reliquienschrein in diesem Jahr bundesweit in Bistümern. „So sollen auch Menschen, die nicht nach Lourdes reisen können, Gelegenheit bekommen, sich in Gebet und Meditation mit der französischen Heiligen zu verbinden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtkirche.

Unter den Kirchenbesuchern sind am Sonntag zahlreiche ältere Menschen mit Gehhilfen oder in Rollstühlen, denen Helfer beim Benetzen mit dem Weihwasser aus Lourdes helfen. Die meisten anderen knien sich vor den Wasserschüsseln hin und tauchen ihre Finger oder Hände in die Schüsseln. Einige verstreichen das Wasser auf ihrem Gesicht, den Augen, Mund und Zunge. Viele aber machen mit den benässten Händen lediglich das Kreuzzeichen auf Stirn und Oberkörper und lesen ein Gebet, das auf einem Zettel neben den Wasserschüsseln steht.

Stadtdekan Johannes zu Eltz, der den Limburger Weihbischof Thomas Löhr aufgrund eines Bandscheibenvorfalls entschuldigt, spricht von „hohem Besuch aus Frankreich“, der in Augenschein genommen werden müsse. „Bernadette wäre ihr ganzes kurzes Leben lang nicht auf die Idee gekommen, sich bedeutend vorzukommen“, sagt zu Eltz. Soubirous, die als Ordensschwester den Namen „Marie Bernarde Soubirous“ annahm, wurde nur 35 Jahre alt. Ihr einfaches Leben sei von harter Arbeit geprägt gewesen, so zu Eltz: „Deshalb hat die Dame, wie die Jungfrau Maria von Bernadette genannt wurde, sie ausgesucht, damit sie nichts für sich behält, sondern alles weitergibt.“ Für den „Wasser-Ritus“ hätten Aktive des Malteser-Hilfsdienstes genug Wasser für alle aus Lourdes mitgebracht, berichtet der Stadtdekan.

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