Kantor Tobias Koriath kümmert sich um die Orgelpfeifen. 
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Kantor Tobias Koriath kümmert sich um die Orgelpfeifen.  

Heddernheim

Heddernheim: Ton um Ton verstummt

  • vonPia Henderkes-Loeckle
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Ein Restaurator nimmt die Orgel der Thomasgemeinde auseinander. Nach Reparatur und Modernisierung soll das Instrument ab Juni 2021 wieder vor Ort erklingen.

Wer die Thomaskirche an der Heddernheimer Kirchstraße 5 betritt, kommt nicht weit. Ein Schild „Baustelle betreten verboten“ und ein rot-weißes Absperrband verhindern das. Auf den Bänken liegen Eisenstangen, Vierkanthölzer und Bauhelme. Von der Empore herunter schallen Scheppern und Hammerschläge, anstelle von lieblichem Orgelklang. Das 1952 erbaute Instrument zerlegen Mitarbeiter der Firma Förster & Nicolaus aus Lich gerade. Auf der Seitenempore lehnen die Klangkörper wie, nun, Orgelpfeifen an der Wand.

Die Fachleute reinigen und reparieren nicht nur, sie nutzen auch die Gelegenheit, die Orgel auf den neusten technischen Stand zu bringen. Die veraltete Elektrik wird an heutige Sicherheitsstandards angepasst. Der Einbau von Wippmagneten ermöglicht Kantor Tobias Koriath in Zukunft die Einzeltonansteuerung. Dafür ist auch ein neuer, mit aktueller Technik ausgestatteter Spieltisch – das Herzstück einer jeden Orgel – erforderlich.

„Darauf freue ich mich sehr“, sagt Koriath. An dem Original aus den 1950er Jahren habe er sich ziemlich gequält. Neue Pfeifen und Register sollen dem Instrument mehr Flexibilität bei der Klangkombination und mehr Ausdruckskraft geben. Bis zur Einweihung im Juni 2021 muss sich Koriath vorerst mit einer „Baby-Orgel“, im Fachjargon Truhenorgel, begnügen. „Ich habe aber auch noch ein elektrisches Piano“, ergänzt er.

Reinigung vor Ort

„Ein Teil der alten Pfeifen bleibt hier und wird vor Ort gereinigt“, erklärt Orgelbauer und technischer Koordinator Stephan Danier. Der Abbau selbst sei eine logistische Herausforderung. Spezielle Teile müssten nummeriert werden, um sie später an der richtigen Stelle wieder einbauen zu können.

Bei einem Gewicht von etwa 3,5 Tonnen wird auch einiges an Masse bewegt. Die größte Pfeife hat ein Gewicht von 150 Kilo, die Kleinste wiegt 20-25 Gramm. „Bis Ende der Woche haben wir hier erst einmal alles erledigt“, sagt Orgelbaumeister und Restaurator Daniel Starke. Dann kann er sich an die abschließende Planung setzen. „Die Details der Unterkonstruktion werden erst beim Abbau sichtbar.“

„Das Interesse an dem Projekt ist sehr groß“, freut sich Cornelia Rost, die ehrenamtlich die Öffentlichkeitsarbeit macht. Eine öffentliche Baustellenbesichtigung Mitte der Woche sei sehr gut angenommen worden. „Bis Sonntag ist die Kirche wieder aufgeräumt und der Gottesdienst findet wie gewohnt statt“, versichert sie.

Nur der Spieltisch der alten Orgel steht dann noch in der linken Ecke des Altarraumes. „Das Denkmalamt möchte, dass wir ihn er- und behalten“ sagt Koriath. „Die Kirchengemeinde weiß nicht, wohin damit“ sagt Cornelia Rost. „Im schlimmsten Fall muss er entsorgt werden“, bedauert Stephan Danier.

Info zum Projekt „Neue Thomasorgel“ unter www.thomasorgel.info

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