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Zeitdruck in Nida

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Von: Pia Henderkes-Loeckle

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Grabungsleiter Rolf Skrypzak vom Denkmalamt bei der Arbeit auf der Fläche in der Rämerstadt 126 - 134.
Grabungsleiter Rolf Skrypzak vom Denkmalamt bei der Arbeit auf der Fläche in der Rämerstadt 126 - 134. © Michael Schick

Das Denkmalamt drängt auf eine Entscheidung, welche Flächen der früheren römischen Stadt für eine museale Erhaltung geschont werden sollen. Erste Vorschläge seitens des Archäologischen Museums liegen bereits vor. Eine endgültige Festlegung könne aber nur erfolgen, wenn alle Funde gesichtet worden seien. Der Kulturausschuss der Stadt Frankfurt bemüht sich um eine einvernehmliche Lösung.

Derzeit gräbt ein Team des Denkmalamts auf dem Grundstück In der Römerstadt 126-134 nach Resten der ehemaligen römischen Stadt Nida. Für ihre weitere Arbeit fordert Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts, vom Archäologischen Museum schnellstmöglich einen Vorschlag vorzulegen, welche Flächen aus Gründen einer musealen Erhaltung in Originallage zu schonen seien. Die Fraktionen im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) wehren sich gegen diesen, aus ihrer Sicht plötzlich auftretenden Zeitdruck.

„Wir sind über den Zeitdruck irritiert“, sagt Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU). In der Septembersitzung vergangenen Jahres sei besprochen worden, dass erst die Grabungen abgeschlossen und bewertet werden, um danach zu entscheiden, was vor Ort erhalten bleiben soll.

Wolfgang David, Leiter des Archäologischen Museums, ist mit dem musealen Konzept zur Präsentation der römischen Funde beauftragt. „Von unserer Seite gibt es erste Vorschläge“, sagt David. Dazu gehören die Töpferöfen und der derzeit noch verfüllte Keller. Eine weitere Festlegung könne erst nach der Sichtung aller Befunde erfolgen.

Der Ortsbeirat setzt sich seit vielen Jahren für eine öffentlich zugängliche Präsentation der ehemaligen römischen Stadt Nida vor Ort ein. Gleichzeitig will die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding auf dem Grundstück rund 190 Wohnungen und eine Tiefgarage bauen.

Vor kurzem hat sich der Kulturausschuss der Stadt Frankfurt ein Bild vor Ort gemacht. „Neben den bisher gesicherten Funden haben wir einen anschaulichen Einblick von den Grabungen bekommen“, erklärt Sylvia Momsen (Grüne) vom Ausschuss. Sie sei besonders von den Querschnitten durch die verschiedenen Erdschichten beeindruckt, sagt sie. Nun müsse mit allen Beteiligten gemeinsam eine Lösung gefunden werden. Das sei keine leichte Aufgabe, räumt sie ein, denn neben dem Bau- und Kulturdezernat seien auch die unterschiedlichen Positionen von Denkmalamt, archäologischem Museum und ABG zu berücksichtigen.

Denkmalamtsleiterin Hampel indes drängt auf eine baldige Entscheidung, auf welchen Flächen was erhalten werden soll. Wenn etwa gewünscht werde, den Kultkeller zu erhalten, dann würde dort die vollständige wissenschaftliche Erfassung enden, erklärt sie. Die Mauern des Kellers würden dann erhalten bleiben, alles was sich in tieferen Erdschichten darunter befindet, nicht mehr erforscht werden.

Den Verdacht des Ortsbeirats, dass der Druck eigentlich seitens des Bauherrns aufgebaut werde, weist ABG-Geschäftsführer Frank Junker entschieden zurück. „Es ist doch lange bekannt, dass ein museales Konzept gebraucht wird“, sagt er. Das müsse jetzt geliefert werden. Das Grundstück werde erst nach Beendigung der Grabungen an die ABG übergeben. „Wir müssen innerhalb von fünf Jahren mit dem Bau beginnen, sonst werden Strafzahlungen fällig“, ergänzt Junker. Hintergrund: Ein Teil des Grundstücks hat die ABG Ende 2019 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) gekauft, der andere Teil gehört der Stadt.

Sylvia Momsen, die als Vertreterin des Kulturausschusses am „Runden Tisch Nida“ teilnimmt, gibt sich gelassen. Bevor nicht alle relevanten Fakten vollständig auf dem Tisch liegen, könne nichts entschieden werden, sagt sie. Neben einem inzwischen bestehenden Grobkonzept des Archäologischen Museums gehöre dazu auch der erste Entwurf zu einer geplanten Bebauung der ABG. Dieser Entwurf läge dem Kulturausschuss bisher nicht vor.

Trotz der Notwendigkeit, Wohnungen zu bauen, wäre es nicht richtig, dieses letzte Stück römische Geschichte im Ortsbezirk einfach aufzugeben, beteuert Momsen. Sie ist sich sicher, eine gangbare Lösung mit allen Beteiligten zu finden. „Nur Römerpark geht nicht, alles zubauen geht auch nicht“, umreißt sie den Kompromissrahmen.

Der Ortsbeirat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause bereits vorsorglich einen Antrag beschlossen. Darin wird der Magistrat aufgefordert, in Gesprächen mit dem Denkmalamt, dem Archäologischen Museum und der ABG erste konkrete Flächen, die nicht bebaut werden sollen, auf dem Areal in der Römerstadt 126-134 festzulegen.

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