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Florian Baumann und Alexander Gottwald (v.l.) übernehmen die Speisekammer von Dieter Schreuer (Mitte) und Sohn Alexander Schreuer mit klein Justus auf dem Arm.
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Florian Baumann und Alexander Gottwald (v.l.) übernehmen die Speisekammer von Dieter Schreuer (Mitte) und Sohn Alexander Schreuer mit klein Justus auf dem Arm.

Heddernheim

Speisekammer gibt den Bembel weiter

  • VonJudith Dietermann
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In der zweitältesten Traditions-Wirtschaft im Stadtteil Heddernheim steht zum Jahresende ein Pächterwechsel an. Dieter und Alexander Schreuer übergeben ihren Bembel an die beiden Gastronome Alexander Gottwald und Florian Baumann aus Sossenheim.

Es war keine Herzens-, sondern eine Kopf-Entscheidung, die Dieter Schreuer und sein Sohn Alexander getroffen haben: Nach 15 Jahren ziehen sie sich aus der Speisekammer zurück, zum Jahreswechsel wird die Traditions-Wirtschaft im Herzen des Stadtteils, unweit der Gemaa Bumb, an die neuen Pächter übergeben.

„Das ist emotional wirklich schwierig“, sagt Dieter Schreuer. Er sitzt im Gastraum der zweitältesten Wirtschaft in Heddernheim. An einem der massiven Tische aus dunklem Holz. Eigentlich, sagt der 65-Jährige, sei er bereits seit mehr als einem Jahr im Ruhestand. 2020 hatte er das Lokal an seinen Sohn, der ebenfalls wie er gelernter Koch ist, übergeben. Doch dann kam Corona, viele Mitarbeiter:innen konnten nicht gehalten werden. Sso musste der Vater wieder einspringen. Erst zwei, dann drei Tage und irgendwann wieder sechs Tage die Woche. „So hatte ich mir meinen Ruhestand nicht vorgestellt“, sagt er. Es sei aber keine Frage gewesen, seinem Sohn „in dieser schwierigen Zeit“ zu helfen.

Trotzdem sei er froh gewesen, als Alexander sich im Sommer entschied, die Gaststätte zu verpachten. „Rational gesehen war das die richtige Entscheidung“, sagte er. Sein Sohn nickt. Er lehnt an der Theke, auf dem Arm hat er Justus, seinen jüngsten Sohn. Vier Kinder, im Alter zwischen zwei und sieben Jahren, haben er und seine Frau. Zudem wohnt die Familie in Karben. Was viel Fahrzeit bedeutet. „Das war auf Dauer alles nicht mehr machbar“, sagt er. Die Kinder freuten sich schon, dass ihr Papa künftig mehr Zeit für sie haben wird.

Übernehmen werden die Wirtschaft mit gutbürgerlicher Küche Alexander Gottwald und Florian Baumann. Sind sie seit knapp acht Jahren Pächter des Lokals „Zum Löwen“ in Sossenheim. Lange, sagt Baumann, seien sie auf der Suche nach einer zweiten Gaststätte gewesen. Im Internet seien sie auf die Speisekammer gestoßen, nach dem ersten Treffen habe das Bauchgefühl gestimmt, drei Tage später war man sich einig.

Viel ändern wollen die neuen Pächter nicht, drei Tage lang haben sie nach dem letzten Öffnungstag am 27. Dezember Zeit zum Aufräumen und Putzen. „Das Konzept soll erhalten bleiben. Wir wollen hier nichts auf den Kopf stellen, denn das Lokal läuft, wir wollen niemanden vergraulen, sondern den Stammgästen ihr gewohntes Ambiente bieten“, sagt Baumann.

„Wir geben unsere Speisekammer in gute Hände ab“, ist Dieter Schreuer überzeugt. Ein Gefühl, das für ihn wichtig ist, hängt an der Wirtschaft doch sein Herz. 2006 hatte er sie übernommen und aus dem Dornröschenschlaf erweckt, vier Jahre später gar das Gebäude gekauft. Das für ihn ein Teil seiner Kindheit ist. Dieter Schreuer wuchs nebenan auf, seine Eltern hatten dort eine Schreinerei. Immer freitags holte er in der Speisekammer einen gefüllten Bembel.

Eine von wenigen Traditionen, die nicht nur er, sondern viele Heddernheimer:innen mit dem Lokal verbinden. War es doch einst eine von rund 25 Apfelweinwirtschaften im Viertel, von denen es heute nur wenige gibt. 1740 wurde das Fachwerkhaus als Wohngebäude mit Weinkeller, in dem bis zu zwölf große Fässer lagerten, errichtet. Erstmalig als Gaststätte erwähnt wurde das Gebäude um 1877, Ende 1912 wurde das damalige Gambrinus von Ludwig Gülden übernommen. Sein Enkel Klaus Gülden lebte bis 1956 im ersten Stock, Oma Maria und Mutter Paule bewirtschafteten die Gaststätte. Zur Speisekammer wurde es 1990, als Heinz Mussel das Gebäude kernsanierte und die Wirtschaft fortführte. 2006 übernahmen die Schreuers das Lokal und machten es mit viel Leidenschaft zu einer Institution mit Tradition, die bleibt.

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