Der Bunker in der Hadrianstraße konnte einst 1300 Menschen fassen.
+
Der Bunker in der Hadrianstraße konnte einst 1300 Menschen fassen.

Beispiel Heddernheim

Proberäume für Musiker

  • vonPia Henderkes-Loeckle
    schließen

Der Bunker in der Heddernheimer Hadrianstraße wird umgebaut. Auch Aufnahmestudios sind geplant.

Monumental und unnahbar steht der ehemalige Luftschutzbunker in der Hadrianstraße zwischen jeweils zwei Fahrbahnen der Rosa-Luxemburg-Allee. Auf vier Etagen erstrecken sich leere Räume und kahle Gänge. Bis zum Sommer wird sich das ändern. Der Immobilieninvestor Stefan Maag von der gleichnamigen GmbH hat das Gebäude 2018 von der Bundesanstalt für Immobilien gekauft und baut es zu einem Musikbunker mit 43 Übungsräumen um.

Für Maag ist es der erste Bunker in seinem Portfolio. „Ich mag die Beton-Ungetüme und möchte, dass sie erhalten bleiben“, sagt er. Den Umbau und die zukünftige Nutzung bezeichnet er als Hobby. „Da sind keine großen Gewinne zu erwarten“, gibt sich Maag realistisch. Die Baugenehmigung hat er inzwischen erteilt bekommen – „mit hohen Auflagen zur Energieeffizienz und zum Schallschutz“. Mit der musiktechnischen Ausstattung, Verwaltung und Vermietung hat er den Festivalveranstalter Born Meißner beauftragt. „Proberäume sind Mangelware“, weiß Meißner. Der Schlagzeuger hat vor 15 Jahren selbst händeringend nach geeigneten Räumen gesucht, inzwischen vermietet er geeignete Probenräume im Rodgau.

In Heddernheim existieren noch insgesamt drei Luftschutzbunker: in der Heddernheimer Kirchstraße, in der Brühlstraße und in der Hadrianstraße. Alle sind aus der Zivilschutzbindung entlassen. Der Luftschutzbunker in der Hadrianstraße wurde im Jahr 1941 für rund 1300 Personen gebaut. 1987 wurde er dann zum Nato-Bunker für den atomaren Ernstfall aufgerüstet. Davon zeugen im Keller in Betonkammern noch 160 Tonnen feinster Sand. Dieser sollte im Falle eines atomaren Schlages die Druckwelle mindern, die Außentemperatur runterkühlen und die Luft reinigen. Die derzeit noch vorhandene alte Lüftungsanlage konnte sowohl elektrisch als auch mit einer Handkurbel bedient werden. Damit sollte im Falle eines Stromausfalles die Versorgung mit Frischluft gewährleistet werden.

Musikalisches Leben im Bunker

Spätestens im Sommer sollen die Umbaumaßnahmen abgeschlossen sein und musikalisches Leben einziehen. Das Gebäude mit einer Mauerstärke von 1,10 Metern bekommt eine moderne Belüftungsanlage. „Damit soll verhindert werden, dass die Türen zur Lüftung aufstehen und Lärm nach außen dringt“, erklärt Maag. Ebenso werden auf jeder Etage die sanitären Anlagen und die Elektrik erneuert sowie der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht.

Die derzeit bestehenden Räume werden zum Teil zusammengelegt. Dadurch entstehen Probenräume ab 20 Quadratmeter Fläche. „Neben zehn komplett ausgestatteten Übungsräumen, die sich mehrere Bands teilen, wird es auch modernste Aufnahmestudios geben“, erklärt Meißner. Die restlichen Räume werden exklusiv zur Alleinnutzung an Musikgruppen vermietet. Das große Equipment der Bands wie Verstärker, Mischpult oder Schlagzeug verbleibt in den angemieteten Räumen. Damit soll ein verstärktes Verkehrsaufkommen verhindert werden. „Ich wünsche mir, dass die Musiker die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen“ sagt Maag. Die U-Bahn-Haltestelle Römerstadt liegt direkt gegenüber. Auch durch die Umbaumaßnahmen wird es keine größere Beeinträchtigung der Umgebung geben, versichert er.

An Probenräumen interessierte Musiker können sich melden unter www.progressiverecords.eu

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare