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Lothar Kilian, der Vorsitzende des Bürgervereins Heddernheim, hat sich intensiv mit der Historie des Heddernheimer Schlosses beschäftigt - und sogar ein Buch über dessen Geschichte herausgegeben.

Heddernheim

Pläne fürs Schloss

  • vonPia Henderkes-Loeckle
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Der Förderverein wünscht sich einen Bürgertreffpunkt in dem Anwesen. Das historische Gebäude in Heddernheim ist renovierungsbedürftig.

Der zweistöckige Bau im klassizistischen Stil in Alt-Heddernheim 30 hat seinen Glanz verloren. Nur das steinerne Wappen an der Straßenseite und über dem Eingang zeugt noch von einer ehemals herrschaftlichen Residenz: Es ist das Heddernheimer Schloss. Der Förderverein Heddernheimer Schloss setzt sich deshalb für die Renovierung des geschichtsträchtigen Gebäudes ein und möchte es zu einem lebendigen Ort für Bürger und Vereine machen.

„Uns fehlen ein Bürgertreffpunkt, Vereinsräume und ein geeigneter Mehrzweckraum für kulturelle und stadtteilbezogene Veranstaltungen“, sagt Lothar Kilian, Vorsitzender des Bürgervereins und des Fördervereins. Mit einem detaillierten Nutzungskonzept, das den Namen „Ein Schloss für Heddernheim“ trägt, soll das historische Gebäude aus dem „Dornröschenschlaf“ erweckt und die dringend benötigten Räume geschaffen werden.

Blick zurück

Im Jahr 1740 lässt Philipp Wilhelm von Riedt das kleine Schloss mit Schlosskapelle erbauen. 1764 wechselt das Anwesen durch Heirat in den Besitz der Freiherren von Breidbach-Bürresheim, die das Schloss bewohnen.

Anfang des 19. Jahrhunderts fallen Schloss und Ländereien an das Fürstentum Nassau-Usingen (ab 1806: Herzogtum Nassau). 1840 wird die Schlosskapelle zu Wohnungen umgebaut. Es entstehen eine repräsentative Eingangshalle sowie ein großer Salon.

Die Besitzer nutzen das Anwesen nach 1878 nicht mehr selbst. 1889 pachtet es der Verein „Auguste-Victoria-Stift“. 1908 verkauft Freiherr Hubert Anton von Breidbach Gebäude und Ländereien an Frankfurt. Die Stadt nutzt das Schloss als Krankenhaus. In den 20er Jahren wird es zu Wohnzwecken umgebaut, die ehemalige Remise wird zum Kindergarten.

Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt zieht von 1934 bis 1945 ein; 1944 brennt bei einem Bombenangriff das Dach vollständig ab. 1954 wird es wieder aufgebaut. Ende der 80er wird der Kindergarten vergrößert. 2006 zieht das Heimatmuseum ein, zwölf Jahre später das Fastnachtsmuseum. phl

Das Anwesen wurde 1908 von der Stadt Frankfurt gekauft und hat seither eine wechselvolle Umbau- und Nutzungsgeschichte erlebt. In den ehemaligen Nebengebäuden wurde 1924 ein Kindergarten eingerichtet, das Haupthaus 1922 zu Wohnzwecken umgebaut. Von einst 14 Wohneinheiten existieren noch sechs. In einer ehemaligen Wohnung im Erdgeschoss befinden sich inzwischen das Fastnachtsmuseum und eine Ausstellung von römischen Funden aus der alten Stadt Nida. „Eine Leihgabe des historischen Museums“, erklärt Kilian. Dafür mussten die Exponate des Heimatmuseums eingelagert werden. Im ersten Stock sind die Geschäftsstellen der Heddemer Käwwern und des Bürgervereins und das Depot des Heimatmuseums untergebracht.

„Das Schloss ist dringend renovierungsbedürftig“, sagt Kilian. Der Keller sei feucht, die Nässe steige nach oben, weshalb die Museumsräume durchgängig beheizt werden müssten. Heizung und Sanitäranlagen seien veraltet das Dach teilweise undicht. Der Außenputz zeige sich stark verschmutzt und beschädigt. „Schön wäre eine äußere Renovierung nach historischen Vorlagen von 1908“, sagt Kilian. Auch im Inneren hofft der Förderverein auf eine teilweise Erneuerung: die Wiederherstellung der Eingangshalle und des großen Salons. „Damit hätten wir einen wunderbaren Mehrzweckraum“, schwärmt Kilian.

Der Förderverein wünscht sich, dass ihm die Stadt das Schloss mietfrei überlässt. Im Gegenzug bietet er sich als Betreiber an, der die Umlagekosten übernimmt. Diese sollen durch Mieteinnahmen von den zukünftigen Nutzern gedeckt werden. Den zuständigen Baubehörden als auch den Stadtfraktionen von CDU und SPD hat Kilian das Konzept bereits vorgestellt. Ebenso bemüht sich der Förderverein um Sponsoren und Fördergelder. Bei der Bürgerstiftung Citoyen ist das Nutzungskonzept unter den zehn nominierten Projekten. „Die Entscheidung, ob wir einen Geldpreis erhalten fällt am 19. Oktober“, sagt Kilian.

In dem jüngst erschienenen Buch „Das Heddernheimer Schloss“ ist die historische Bedeutung des Anwesens und der Familien von Riedt und Breidbach-Bürresheim dokumentiert. „Selbst in Heddernheim ist vielen nicht bekannt, dass es sich hier um ein Schloss handelt“, sagt Kilian. Im Volksmund werde das Anwesen das „Stift“ genannt, der ehemalige Schlossgarten als Stiftsgarten bezeichnet. Der Grund: Ende des 19.Jahrhunderts wurde das Anwesen für viele Jahre an den Verein „Auguste-Victoria-Stift“ verpachtet.

Der Bürgerverein und Lothar Kilian haben das Buch „Das Heddernheimer Schloss und die Familien von Riedt und Breidbach-Bürresheim“ herausgegeben. Es kostet 10 Euro und kann über schloss@heddernheim.de bestellt oder im Stadtteilbüro, Heddernheimer Landstraße 32, gekauft werden.

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