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In der Thomasgemeinde wurde gegen Rassismus gesungen. Und nicht nur das.

Heddernheim

Kultur gegen Rassismus

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Die Deutsch-Bengalische Gesellschaft will Vorurteile abbauen. Sie versucht das unter anderem mit Musik, Büchern und Gedichten.

Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen sind wichtig, um Vorurteile abzubauen. „Das gilt besonders für die heutige Zeit, in der in Europa ein Rechtsruck stattfindet“, meint Hamidul Khan. Er ist Vorsitzender des Frankfurter Vereins „Deutsch-Bengalische Gesellschaft“. Seit über 15 Jahren setzt er sich für die friedliche Koexistenz aller Kulturen in Frankfurt ein. Am Sonntag lud der Verein zur Veranstaltung „Literatur, Tanz und Musik für Integration – gegen Populismus und Rassismus“ in die Thomasgemeinde in Heddernheim ein.

Auf der Bühne im Gemeindesaal haben die Veranstalter am Mittag bereits Instrumente aufgebaut. Einige Frauen tragen traditionelle bengalische Gewänder. Das Programm beginnt am frühen Nachmittag mit bengalischer Volksmusik. Eine deutsch-bengalische Gruppe singt, einer spielt das Harmonium, ein anderer trommelt dazu. In der Küche neben dem Saal bereitet Khan unterdessen bengalische Speisen zu. Am Abend serviert er den Gästen Eintopf, Reis und Gemüse. Der Duft von asiatischen Gewürzen liegt in der Luft.

Nicht nur Frankfurter sind zu der interkulturellen Veranstaltung gekommen. Ahm Abdul Hai zum Beispiel ist extra aus Bonn angereist. Er trägt am Nachmittag dem Publikum eines seiner Gedichte vor. Es handelt von Integration in eine neue Gesellschaft. „Integration bedeutet nicht, dass man Teile seiner eigenen Kultur verliert“, sagt der Journalist. Vielmehr könnten Migranten durch den Integrationsprozess neue Erfahrungen und Perspektiven dazugewinnen. Auch die deutsche Gesellschaft könne von den kulturellen Einflüssen der Zugezogenen profitieren. „Solange sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, ist Migration eine Chance für alle“, findet der Bengale.

Auch Zabeda Yeasmin nutzt die Bühne, um ein Gedicht vorzulesen. Der Titel heißt „Herz nicht Schwarz“. Es soll darauf hinweisen, dass im Inneren alle Menschen gleich sind – unabhängig von ihrer Hautfarbe. Für die Frankfurterin ist es ein Weg, ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus zu verarbeiten. Auch, wenn sie in den 30 Jahren, in denen sie in Deutschland lebt, mit Anfeindungen umgehen musste: „Die meisten Menschen begegnen mir freundlich und ich mag Deutschland.“

Auf einem langen Tisch hat der Verein Bücher ausgelegt. Die Autoren haben meist selbst Migrationserfahrung. Die Idee, Besucher mit Literatur von migrierten Schriftstellern vertraut zu machen, kommt nicht von ungefähr. Khan ist ebenfalls Organisator der jährlichen Immigrationsbuchmesse. Dort stellen Verlage Werke von Migranten über Migration und unterschiedliche Kulturen vor.

Das Ziel seiner Veranstaltungen ist dabei immer gleich. „Wir brauchen einen menschenwürdigen Umgang miteinander“, sagt Khan. Migration sei nicht die Ursache aller Probleme in Deutschland. „Um einem solchen Bild entgegenzuwirken, müssen wir am Ball bleiben und uns weiter für ein friedliches Miteinander einsetzen.“

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