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Die Skulptur Engel der Kulturen wurde 2008 von Gregor Merten und Carmen Dietrich entworfen.

Heddernheim

Kultur-Engel rollt durch die Nordweststadt

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Der Engel der Kulturen soll den interkulturellen Dialog fördern. Die Skulptur des Künstlerpaares Carmen Dietrich und Gregor Merten rollt seit Jahren durch deutsche Städte. Jetzt soll sie nach Frankfurt kommen.

Bislang gibt es ihn in Frankfurt nicht, den „Engel der Kulturen“. Das soll sich jetzt ändern. Die Skulptur, die für ein respektvolles und gleichberechtigtes interreligiöses Miteinander steht, soll ab September das Kleine Zentrum in der Nordweststadt bereichern. „Hier leben Menschen aus verschiedensten Nationen friedlich zusammen“, sagt Quartiersmanagerin Janina Korb. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Um die Gemeinschaft zu stärken will sie zusammen mit der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde die Idee hinter dem „Engel der Kulturen“ aufgreifen.

„Ich bin in Vorbereitung auf den Weihnachtsgottesdienst darauf gestoßen“, sagt Ullrich Schaffert, Pfarrer der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Das Kunstprojekt zur Förderung des interkulturellen Dialogs passe gut in die Nordweststadt, etwa zur „Tafel der Vielfalt“. Seit fünf Jahren kommen am ersten Septemberwochenende unterschiedliche Kultureinrichtungen im Kleinen Zentrum in der Thomas-Mann-Straße zusammen, um gemeinsam zu essen, sich auszutauschen und kreativ zu werden. „Das wollen wir in diesem Jahr mit dem neuen Projekt verknüpfen“, sagt Schaffert. „Wir wollen die gelegte Basis für ein gutes Miteinander festigen.“

Der „Engel der Kulturen“ soll die Gemeinschaftlichkeit bildlich darstellen. Das Burscheider Künstlerpaar Carmen Dietrich und Gregor Merten hat die Skulptur 2008 entworfen. In einem Ring aus Stahl haben sie die drei abrahamitischen Weltreligionen – den Islam, das Juden- und Christentum – symbolisch durch einen Halbmond, einen Stern und ein Kreuz verbunden. „Wenn eines der Symbole herausgelöst wird, werden auch die anderen beschädigt“, erläutert Gregor Merten. „Es zeigt, dass wir alle trotz unserer Verschiedenheit zusammengehören.“ Passenderweise ergab die kreisförmige Anordnung der Symbole zufällig das Bild eines Engels, der sich international zu einem Sinnbild für ein friedliches interreligiöses Zusammenleben etabliert hat.

Das Symbol ist in Böden von 129 Städten zu sehen.

Tel Aviv, Brüssel, Hamburg – in insgesamt 129 Städten gibt es den Engel bereits in Form einer Bodenintarsie. Auf Anfrage der Gemeinden verlegen die Künstler eine Kopie ihrer Skulptur auf einem öffentlichen Platz. Zugleich trennen sie mit den Anwesenden mittels eines Schneidbrenners eine Intarsie für den nächsten Verlegort aus einer Stahlplatte heraus. „Dadurch werden alle teilnehmenden Städte miteinander verbunden“, erklärt Merten. Für die Realisierung des Projekts in der Nordweststadt braucht es noch Mitstreiter, Menschen die vorab über die Hintergründe informieren. „Wir wollen möglichst viele erreichen, um die Idee zu verbreiten“, sagt Pfarrer Ullrich Schaffert. Vorgesehen sind Besuche in Schulen und Kindergärten sowie spezielle Workshops. „Es soll eine kreative Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden“, erklärt der Pfarrer. Das Projekt soll erstmals kommenden Donnerstag vorgestellt werden, um Bewohner, Einrichtungen und Gemeinden der Nordweststadt ins Boot zu holen.

Insbesondere die Arbeit mit jungen Menschen ist den Projekterfindern ein Anliegen. Sie haben 2016 eine „Engel der Kulturen“-Stiftung gegründet und zertifizieren seither teilnehmende Schulen und andere Institutionen für ihr interkulturelles Engagement. „Es geht darum, die jungen Leute über eine künstlerische Umsetzung des Engelzeichens an die Thematik heranzuführen“, erklärt Merten. Das müsse über eine „sinnliche Erfahrung“ laufen, da der „interkulturelle Dialog, die Sprache komplex sind. Über die Kunst wird das greifbarer.“

In der Nordweststadt soll das Projekt am Samstag, 7. September, realisiert werden. „Wir steuern mit der Originalskulptur einige Stationen an“, kündigt Merten an. Der 1,50 Meter hohe Stahlhohlring soll für alle sichtbar durch den Stadtteil gerollt werden. An ausgewählten Orten wie öffentlichen Einrichtungen und Gemeindeplätzen wird je ein temporärer Sandabdruck des Engels angefertigt. Anschließend soll das für die Stadt erstellte Exemplar (65 x 65 Zentimeter) dauerhaft in den Boden zwischen der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und dem Kindergarten in der Thomas-Mann-Straße eingelassen werden.

Der genaue Standort muss noch festgelegt werden. „Am besten dort, wo sich die Wege der Kulturen kreuzen“, meint Schaffert. Auf dem Platz zwischen der Bonhoeffer- und der benachbarten St.-Matthias-Gemeinde ist auch die Moschee des Islamischen Kulturvereins As-Salam beheimatet, „daher eignet sich die Stelle gut“, findet Schaffert. Zur Einweihung soll zudem ein interreligiöser Gottesdienst stattfinden, „zu dem auch Vertreter einer jüdischen Gemeinde eingeladen werden“, sagt Schaffert.

Die Projektvorstellungfindet am Donnerstag, 21. März, um 18 Uhr in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, Thomas-Mann-Straße 8, statt. Weitere Infos unter www.engel-der-kulturen.de

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