Die Sweet Diamonds der Krätscher aus Eckenheim. Foto: Rolf Oeser
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Die Sweet Diamonds der Krätscher aus Eckenheim. 

Frankfurt-Heddernheim

Heddernheim: Üben für die große Fastnacht

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die Kinder- und Jugendsitzung des großen Rates hält zwischen Tanz und Helau auch eine Spielecke bereit.

Kaum hat die Sitzung am Samstagnachmittag begonnen, gibt es auch schon eine Pause. Nach Einmarsch der Akteure und zwei Tanzvorführungen wird bei der „Kinder- und Jugendsitzung“ des Großen Rates der Frankfurter Karnevalsvereine im Saalbau Titus-Forum die erste Unterbrechung angesagt. „Nun ist es Zeit für unsere Spielecke, ihr habt 15 Minuten Zeit euch auszutoben“, sagt Nachwuchs-Moderatorin Shanice Mezger.

Im vorderen Teil des etwa halb gefüllten Saals sitzt das Publikum an Tischen mit Blick zur Bühne. Im hinteren Teil ist auf einem Podest die Spielecke aufgebaut. Dort wird Dosen- und Schokokusswerfen, Bobby-Car-Rennen und Basteln angeboten. Claudia Wolff, Mitarbeiterin des Großen Rates, die seit fünf Jahren für die Kinder- und Jugendsitzungen verantwortlich ist, sagt: „Die Konzentrationsspanne der Kinder ist geringer, deshalb gibt es den Spiele-Zirkel“.

Damit die jungen Zuschauer die Auftritte der ebenfalls jungen Aktiven von insgesamt acht Frankfurter Karnevalsvereinen entsprechend „würdigen können“, gebe es das Ausgleichsprogramm. Die 47-Jährige trägt einen bunt-karierten Anzug mit Ballonmütze. Obwohl, so fügt sie mit zwinkernd hinzu, „Raucher-Pausen“ gebe es bei Sitzungen der Erwachsenen ebenfalls.

Knapp 300 Kinder und Jugendliche machen bei der Sitzung mit, berichtet Wolff. Von der Werbung, etwa in sozialen Medien oder beim Plakate aufhängen über die Programmgestaltung und die Dekoration des Saales bis zur Vorführung der einzelnen Beiträge – an diesem Nachmittag fast ausschließlich Tänze – seien die Mädchen und Jungen involviert. Das Engagement der Jugend wird von närrisch-royaler Seite gewürdigt. Sandra I. und Jonas I., das aktuelle Frankfurter Prinzenpaar, lassen sich kurz auf der Bühne blicken und beklatschen, ehe sie schnell wieder verschwinden. Anna I. und Tim I. bleiben als Kinderprinzenpaar dagegen die gesamte Sitzung über da.

„Wir wollen den Fastnachts-Nachwuchs an die Erwachsenen heranführen“, sagt Wolff. Die Jüngsten seien „knapp der Windel entwachsen“ und würden ab zweieinhalb bis drei Jahren bei den Minis mittanzen. Ältere würden Sprech-Auftritte bekommen, so wie die Moderatorinnen Emely Jopp und Shanice Mezger. Die beiden Teenager moderierten zum ersten Mal, berichtet Wolff, was ihnen auch anzumerken sei. Etwas holprig sei die eine oder andere Ansage noch. Ihre Vorgänger hätten es dagegen mittlerweile in die „Erwachsenen-Fastnacht“ geschafft.

Viele Kinder sind verkleidet gekommen, von den Eltern und Großeltern sind es nur wenige. Eine Ausnahme bildet Familie Jäger, die aus der Nähe von Bad Vilbel, im Piraten-Look angereist ist. Die Jägers zeigen sich von der Veranstaltung einhellig angetan. Insbesondere der Paartanz von Cristel Provenzani und Tim Muth hat dem Quartett gut gefallen. „Ein wirklich hohes Niveau“, sagt Vater Stefan. Die neunjährige Tochter Viktoria fügt hinzu: „So was kann nicht jeder“ und meint damit ein Rad, das die beiden Tänzer der Eckenheimer „Krätscher“ gemeinsam geschlagen haben.

Dann verschwindet sie mit ihrer zwölfjährigen Schwester Kiara in die Spielecke. Dort wollen die Mädchen, die Augenklappen aus schwarzer Schminke im Gesicht tragen, Anstecker basteln. Mutter Yvonne Jäger war es wichtig, eine Kindersitzung zu finden, „die über das Spielen hinaus geht“, sagt die 43-Jährige, die zum roten Kopftuch einen aufgemalten Bart am Kinn trägt.

„Tänze gehören für mich beim Fasching dazu, weil ich damit groß geworden bin“, berichtet sie und ergänzt: „Fasching ist ein Stück weit Kultur wie Weihnachten und Ostern.“

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