Kantor Tobias Koriath von der Heddernheimer St. Thomasgemeinde. Die Orgel soll mittels Patenschaften saniert werden.

Heddernheim

Eine Orgelpfeife zur Hochzeit

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Für die Sanierung der Orgel in der Heddernheimer Thomaskirche vergibt die Kirchengemeinde Patenschaften für Instrumententeile. Zwischen 50 und 1000 Euro kostet eine Pfeife, je nach Größe und Tonart.

Ein C für Clara zur Taufe oder ein G für Opa Gustavs Geburtstag: Um die Instandsetzung und den Ausbau ihrer Orgel voranzutreiben, hat sich die St. Thomasgemeinde in Heddernheim eine besondere Aktion ausgedacht. Sie will Patenschaften für Orgelpfeifen vergeben. „Das ist eine schöne Geschenkidee zum Hochzeitstag oder zur Konfirmation“, meint Cornelia Rost, die das Projekt medial begleitet. „Musikliebhaber oder Gemeindemitglieder können sich darüber auch im Instrument verewigen lassen.“

532 Pfeifen sind zu verteilen. Mit den alten Registern, die gereinigt und wieder ins Instrument gesetzt werden, wird die neue Thomasorgel künftig über 1024 Pfeifen verfügen. Die Patenschaft für ein Exemplar kostet je nach Größe und Tonart zwischen 50 und 1000 Euro. Die Auswahl reicht von bleistiftdünnen Pfeifchen für die hohen, flirrenden Töne über „himmlische“ Register für den schwebenden, gambenartigen Sound bis hin zu fundamentalen Großregistern für das schnarrende Fagott.

Jeder Pate wird auf einer in der Thomaskirche aushängenden Liste verewigt und erhält eine Urkunde. „Die kann ganz individuell gestaltet werden“, erklärt Cornelia Rost. Neben dem Namen des Paten und der Pfeife „kann eine Widmung oder Grußformel ergänzt werden“, erläutert sie. „Wenn Onkel Harald seiner Nichte Amanda in Australien ein persönliches Präsent aus der Heimat zukommen lassen will, kann er ihr ein A übertragen.“

Die Idee für die Pfeifenpatenschaften ist nicht neu. „Sowas gibt es in vielen Gemeinden“, erklärt Kantor Tobias Koriath. „Das ist schon fast ein Klassiker. Auch bei uns sind bereits Vormerkungen eingegangen.“ Ein Alleinstellungsmerkmal der Orgel wird nach der Sanierung die Einzeltonansteuerung über Wippmagnete sein, die die Luftzufuhr und somit die Klangerzeugung regulieren. „Das ist im Frankfurter Raum bislang einzigartig“, sagt Koriath. Mit der neuen Technik kann jede Pfeife über jede Taste der Klaviatur elektronisch angespielt werden. Die klangliche Gestaltung wird dadurch besser ausbalanciert „und das Klangspektrum viel reicher“, sagt Rost. Mehr Dynamik und ein moderner, der heutigen Kirchenmusik gerechter Sound soll das Ergebnis sein. „Weg von der scharfen neobarocken Disposition hin zu helleren, romantischen Klangfarben.“ Eine Orgelreinigung war ohnehin überfällig. „Die sollte alle zwanzig Jahre vorgenommen werden“, sagt Kantor Koriath. 31 Jahre ist es her, dass die 1952 erbaute Thomasorgel zuletzt von Staub und Schmutz befreit wurde. Nun sollen nicht nur die alten Bestandteile in neuem Glanz erscheinen, sondern das gesamte Instrument technisch und klanglich auf den neusten Stand gebracht werden. Koriath ist dafür 2012 sechs Wochen lang durch Europa gereist. „Ich habe Ideen gesammelt, was beim Orgelbau gerade angesagt ist“, sagt er. Die Einzeltonansteuerung war eine davon. Neben der Klangerweiterung durch zusätzliche Register soll die Thomasorgel eine neue Bank und einen höhenverstellbaren Spieltisch erhalten. „So muss der Orgelnachwuchs nicht warten, bis er groß genug ist, um das Instrument zu erlernen“, erklärt Rost. „Auch für Gastspieler wird es komfortabler.“

Am 29. März soll das Projekt im Rahmen eines Konzerts vorgestellt werden. Zwischen Orgelhits von Bach und Widor werden Pfeifenmodelle gezeigt und Improvisationen gespielt. Anschließend kann eine Patenschaft übernommen werden. Anmeldungen über das Gemeindebüro sind ebenfalls möglich.

In der Kirche wird künftig eine Schautafel aushängen, an der vergebene Töne ausgekreuzt werden. „So können sich Interessierte über den Fortschritt der Aktion informieren“, erklärt Rost. Bis Ende 2021 soll die Orgel vollständig saniert sein. Neben den Pfeifenpatenschaften können Patenschaften für Wippmagnete oder größere Einzelteile wie die Klaviaturen oder die Spielbank übernommen werden. Rund 500 000 Euro wird die Orgelerneuerung insgesamt kosten.

Das Konzert zum Projektfindet am Freitag, 29. März, um 19 Uhr in der Thomaskirche statt, Heddernheimer Kirchstraße 5. Der Eintritt ist frei. Kontakt zum Gemeindebüro über Telefon 57 28 40. Weitere Informationen zum Projekt: www.thomasorgel.info.

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