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Bedrohung durch Querdenker-Szene

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Von: Pia Henderkes-Loeckle

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Jeweils dienstags gegen die Menschen in Heddernheim auf die Straße. Die einen plädieren für das Impfen, die anderen dagegen.
Jeweils dienstags gegen die Menschen in Heddernheim auf die Straße. Die einen plädieren für das Impfen, die anderen dagegen. © Rainer Rüffer

Die Heddernheimer Nachbarschaftsinitiative und Mitglieder des Ortsbeirats 8 berichten von anonymen Anrufen der Querdenker-Szene. Die Betroffenen werden beschimpft, beleidigt und bedroht. Die Polizei bittet um Mithilfe.

Seit Wochen bekommen Mitglieder des Ortsbeirats 8 sowie der Heddernheimer Nachbarschaftsinitiative gegen die Querdenken-Demos im Ortsteil Anrufe von Impfgegner:innen, die sie beschimpfen und bedrohen. Arash Vahedipour aus dem Organisationsteam der Heddernheimer Nachbarschaft, bittet das Stadtteilparlament Bedrohungen und Beschimpfungen durch sogenannte Querdenkerinnen und Querdenker zum Thema zu machen.

„Bei mir gehen ein- bis zweimal die Woche Anrufe mit unterdrückter Nummer ein“, sagt Vahedipour. Er gehe dann mittlerweile nicht mehr ans Telefon. Er bietet allen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern an, diese Vorfälle zu dokumentieren, um einen Überblick über die Häufigkeit und Qualität der Grenzüberschreitungen zu erhalten. Die Daten sollen nicht veröffentlicht werden, sondern für eventuell anstehende polizeiliche Ermittlungen zur Verfügung stehen.

Die Anrufe häufen sich, seitdem es im Stadtteil Heddernheim zwei Demonstrationen gibt: Jeden Dienstag versammeln sich sogenannte Querdenkerinnen und Querdenker, auf der anderen Seite positioniert sich die Heddernheimer Nachbarschaft für das Impfen und eine solidarische Krisenlösung (die FR berichtete).

In der Januarsitzung des Ortsbeirats 8 verabschiedete das Gremium interfraktionell einen Antrag, in dem sich die Mitglieder des Stadtteilparlaments mit der Kundgebung „Nachbarschaft für eine solidarische Krisenlösung“ in Heddernheim solidarisch erklären. Rund eine Woche später begannen die Anrufe bei einzelnen Mitgliedern des Ortsbeirats.

Das Vorgehen ist stets gleich: die Anrufe erfolgen mit unterdrückter Nummer oder einer Nummer, die nicht rückrufbar ist. Mehrere Betroffene bestätigen, mindestens einmal von der gleichen Frau, die sich als medizinische Fachkraft und als gläubig bezeichnet, angerufen worden zu sein. „Ich habe etliche Anrufe erhalten“, sagt Stephanie Mohr-Hauke (SPD). Von einem habe sie eine Bandaufnahme. Von besorgt sein, über beschimpfen und bedrohen – „ich weiß, wo Sie wohnen“ – sei alles dabei gewesen. Inzwischen bekomme sie wöchentlich viele „Informationsmails“ mit dubiosen Inhalten und Verschwörungstheorien.

Auch Maximilian Dresch (CDU) wurde am Telefon beschimpft. „Erstmal fing es ganz harmlos an, der Ton wurde dann immer aggressiver“, schildert er. Als die Anruferin ihn einen Volksverräter und Volksverhetzer genannt habe, habe er aufgelegt. Ein weiteres Mitglied des Ortsbeirats (das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will) bekam auch von der Frau einen Anruf, indem sie ihn als von Dämonen besessen bezeichnete, beschimpfte und ihm mit „Tod und Teufel“ drohte.

„Ich rate allen Betroffene dringend, Drohannrufe, aber auch andere Vorfälle in diesem Zusammenhang bei uns zu melden“, sagt Adrian Homeier vom zuständigen 14. Polizeirevier in der Marie-Curie-Straße. Maximilian Dresch und Stephanie Mohr-Hauke haben die Vorfälle bereits gemeldet und soweit vorhanden, der Polizei Beweismaterial zur Verfügung gestellt. Die Beamten prüfen nun, inwieweit ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt vorliegt. Es sei auch wichtig von diesen Vorfällen zu erfahren, um von Seiten der Polizei eine Gefährdungslage zu beurteilen, sagt Homeier, der in Heddernheim auch Schutzmann vor Ort ist.

Betroffene Bürger:innen können sich bei Adrian Homeier vom 14. Polizeirevier, Marie-Curie-Straße 32 (Heddernheim), unter der Telefonnummer 75 51 14 70 melden.

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