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Beate Siegler mit ihren Gefässen für Kompost, Verpackungsmüll und Restmüll (v.l.), ausreichend für einen Monat.

Heddernheim

Heddernheim: Kooperative für Lebensmittel

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Müllvermeiderin Beate Siegler will Food-Coop gründen. Infoveranstaltung im Januar.

Aufgeben? Nein, aufgeben wird Beate Siegler noch lange nicht. Sie muss ihren Plan nur ein bisschen anpassen. Seit einem Jahr versucht die Heddernheimerin, im Stadtteil einen Unverpackt-Laden zu realisieren. Ohne Erfolg. „Die Quadratmeterpreise sind auch hier stark gestiegen“, sagt sie und seufzt. Läden gibt es kaum noch im Stadtteil, die Eigentümer wandeln alles in Wohnungen um.

Siegler möchte nun eine Food-Coop gründen. Eine Einkaufsgemeinschaft, die gemeinsam Lebensmittel bezieht. Und zwar ökologisch produzierte, regionale Produkte in großen Gebinden, auch so lässt sich Verpackungsmüll reduzieren. Eine solche Coop benötige kein Geschäft, nur ein kleines Lager, was die Miete deutlich verringere, beschreibt Siegler die Vorteile. Die Vereinsmitglieder finanzieren das durch ihren Monatsbeitrag. Ein Lager braucht auch kein teures Mobiliar, wie ein Geschäft.

„Eine Food-Coop zu gründen ist sogar ein radikalerer Schritt als ein Geschäft“, sagt Siegler. Weil die Einkaufsgemeinschaft die Logik des Kapitalismus umgehe. „Eine Coop muss keinen Profit erwirtschaften.“ Etwa für die Ladenmiete, oder um die Angestellten zu bezahlen. „Lebensmittel braucht jeder“, sagt Siegler, sie seien kein Spekulationsobjekt, an dem man etwas verdienen müsse.

Im Grunde habe sie lange schon eine Einkaufsgemeinschaft gründen wollen. Seit sie vor vier Jahren den Schritt ins Müll-Fasten gewagt hat. „Der Unverpackt-Laden war ein Kompromiss“, sagt sie. Sie habe sich sehr gut eingelebt in ihrer Welt ohne Verpackungsmüll. Ihre Einkaufsroutinen haben sich eingeschliffen, die Griffe zur Herstellung eigener Seife oder Zahnpasta gehen ihr im Schlaf von der Hand.

„Früher war ich ein Exot“, sagt sie. Die Frage „Warum machst Du das?“ hat sie oft gehört, fast geschämt habe sie sich. Heute fragt keiner mehr nach dem Warum. „Die Menschen sehen die Notwendigkeit“, das Thema Müllvermeidung ist allenthalben präsent. Indes sind viele nicht bereit, die Phase der Umstellung auf sich zu nehmen. Siegler kann das verstehen. „Die stecken voll im Berufsleben, haben Kinder.“

Helfen hat sie wollen mit ihrem Unverpackt-Laden. Den anderen den Einstieg ins müllfreie Leben erleichtern. „Ich dachte, sie werden dann schon merken wie befreiend das ist.“ Ein Leben mit weniger Ballast, mit einem besseren Gewissen, mit weniger Müll.

Nun verkleinert sich eben der Kreis der Müllverweigerer. Eine Coop ist nicht öffentlich wie ein Laden, steht nur den Mitgliedern zur Verfügung. Siegler bedauert das, entsprechend schwer sei ihr die Entscheidung gefallen. Aber inzwischen überwiegt die Erleichterung. „Ich werde nächstes Jahr 70“, sagt Siegler. Da müsse sie kein Geschäft mehr eröffnen. Zumal es eine ganze Reihe von neuen Unverpackt-Läden gäbe. Etwa in Bornheim oder am Dom.

Die seien auch von Heddernheim aus gut mit der U-Bahn zu erreichen. Und womöglich auch wirtschaftlicher zu betreiben als ein Geschäft am Stadtrand. „In Heddernheim gibt es wenig Laufkundschaft.“ In der Innenstadt oder Bornheim kommen die Kunden von selbst vorbei.

Zur Infoveranstaltungin Heddernheim lädt Siegler für die dritte Januarwoche ein, Termin und Ort stehen noch nicht fest. Wer möchte, kann sich am kommenden Sonntag, 24. November, von 13 bis 18 Uhr die Food-Coop im Bäckerweg 26 (Nordend) anschauen und über das Projekt informieren.

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