Kantor Tobias Koriath vor der Orgel. Foto: Christoph Boeckheler
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Kantor Tobias Koriath vor der Orgel.

Frankfurt-Heddernheim

Heddernheim: Abschiedskonzert für die Orgel

  • Thomas Stillbauer
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Das Instrument wird bis Mitte 2021 überholt und modernisiert. Unter anderem wird ein Touchscreen eingebaut.

Viele Schaufenster in Heddernheim weisen schon seit einiger Zeit darauf hin: Das Ende ist nah. Na gut, nicht das endgültige Ende. Es ist ja nur ein vorübergehender Abschied. Aber immerhin – für etwa eineinhalb Jahre wird die Orgel der Thomasgemeinde schweigen. Grund genug also, an diesem Sonntag, 19.30 Uhr, noch einmal hinzugehen und ein letztes Mal dem Klang der „alten“ Thomasorgel zu lauschen. Motto: „Tschüss Orgel“.

Anschließend, in der zweiten Januarhälfte und Anfang Februar, wird die Orgel abgebaut und kann voraussichtlich erst im Juni 2021 wieder erklingen. In der Zwischenzeit machen Fachleute das Instrument fit für die Zukunft.

Bachstunde

Das Abschiedskonzert der Orgel ist die 103. Bachstunde, am Sonntag, 19. Januar, 19.30 Uhr. Es erklingen „Letzte Werke“. Orgelmusik von Bach, Brahms, Franck und Mendelssohn mit Kantor Tobias Koriath. Evangelische Thomaskirche, Heddernheimer Kirchstraße 2.

Im Anschluss erklärt der Kantor die weiteren Schritte des Orgelabbaus, dann folgt ein gemeinsamer Umtrunk. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Für Februar sind öffentliche Führungen zum Projekt geplant. Mehr Informationen im Internet unter: www.thomasorgel.info 

„Alle 20 bis 30 Jahre muss eine Orgel gereinigt und gewartet werden“, erklärt Cornelia Rost, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Gemeinde. St. Thomas nutze die Gelegenheit regelmäßig, um das Instrument klanglich und technisch zu erweitern. Kantor Tobias Koriath hat mit Fachleuten ein Konzept entwickelt, das Substanz und Klang der 1952 erbauten Orgel bewahrt – und sie zugleich modernisiert.

Vorgesehen sind neue Register, Pfeifen und ein zusätzliches Schwellwerk. Koriath verspricht sich davon einen erweiterten Horizont für Klang und Dynamik. „Ein ungleich breiteres Repertoire der Orgelliteratur“ kündigt Cornelia Rost an, etwa was Stilrichtungen der Romantik und der französischen Tradition angeht.

Die Klangbreite romantischer Musik knüpfe dabei an das Konzept der ersten Thomasorgel aus dem frühen 20. Jahrhundert an. Moderne Technik, etwa ein drittes Manual, ein Touchscreen und die sogenannte Einzeltonansteuerung – eine Besonderheit, die nicht viele Gemeinden haben – sollen zudem zeitgenössische und experimentelle Musik erlauben.

Ergo: Wer die Orgel bisher bei den 102 Bachstunden und anderen Gelegenheiten schon gut und variationsreich fand, wird künftig noch ganz andere Töne zu hören bekommen. Das alles wird Geld kosten, eine knappe halbe Million Euro veranschlagt die Gemeinde. Etwas mehr als die Hälfte davon ist bisher in der Projektkasse. Seit Monaten vergibt St. Thomas daher Patenschaften für die 532 neuen Orgelpfeifen; wer mithelfen will, ist mit Beiträgen zwischen 50 und 1000 Euro dabei.

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