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Künftig nur mit Abitur: Klinik-Hebamme in Bad Soden.

Hebammenausbildung

Hebammen kritisieren Landesregierung

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Die EU will den Mindeststandard für die Ausbildung zur Hebamme steigern - doch der Verband wirft Hessen Untätigkeit vor. 

Die Zeit rennt. Aber von Eile ist keine Spur, wenn man die Verantwortlichen anruft. Dabei ist die Aufgabe schon seit Jahren klar: Der Mindeststandard für die Ausbildung zur Hebamme und zum Geburtshelfer soll steigen. Das legt eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2013 fest. Sie sieht vor, dass in der gesamten Europäischen Union vom 18. Januar 2020 an Hebammen Abitur haben müssen.

Das entsprechende deutsche Gesetz über die Hebammenausbildung muss daher angepasst werden und die Ausbildung neu ausgerichtet werden. Doch bisher ist noch nicht viel passiert. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) geht daher aktuell schon davon aus, dass es Deutschland nicht schaffen wird, die Vorgabe aus Brüssel rechtzeitig umzusetzen.

Dabei ist das Thema bekannt. Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD von März 2018 heißt es: „Wir werden die Hebammenausbildung nach den EU-Vorgaben als akademischen Beruf umsetzen.“ Im Juni 2018 hieß es in einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen, dass die Einzelheiten der Novellierung der Hebammenausbildung noch geprüft würden. Außerdem sei das Ministerium in Gesprächen mit den Ländern. Ein Gesetzentwurf solle zeitlich so vorgelegt werden, dass die Umsetzungsfrist eingehalten werden könne. „Das Gesetz ist in fachlicher Vorbereitung“, heißt es auf Nachfrage der FR beim Bundesgesundheitsministerium in Berlin auch Mitte Januar noch. „Da ist ja auch noch ein bisschen Zeit“, sagt der Sprecher.

Lesen Sie hierzu auch unser Interview mit Nadja Zander, Leiterin der Frankfurter Hebammenschule

Weil die Zeit drängt, hat der Berufsverband der Geburtshelferinnen nun in einer aktuellen Pressemeldung zu mehr Tempo aufgerufen. Die Kritik des DHV richtet sich allerdings nicht in erster Linie gegen die Bundesregierung. Die habe sich zwar erst „sehr spät klar dazu positioniert“, heißt es. Zeitweise war unklar, ob tatsächlich nur eine akademische Ausbildung die Anforderungen der EU erfüllen kann oder nicht. Seit einigen Monaten sei das aber eindeutig erklärt, erläutert Yvonne Bovermann aus dem Präsidium des DHV.

Vielmehr sieht der Hebammenverband die Länder in der Pflicht. „In vielen Ländern ist nach wie vor unklar, an welchen Standorten die Studiengänge aufgebaut werden sollen. Einige Länder vertreten sogar den Standpunkt, dass sie Hebammenschulen noch viele Jahre bestehen lassen wollen“, heißt es in der Mitteilung.

Zu den untätigen Ländern zählt Bovermann auch Hessen. Vor einiger Zeit schon sei versucht worden, einen Modellstudiengang an der Uni Frankfurt einzurichten. „Den aber hat die Landesregierung nicht bewilligt“, erklärt sie. Die Begründung dafür sei unklar geblieben.

Vielleicht liegt es am Geld

Einzige Erklärung ist für Bovermann die Finanzierung. „Die Hebammenschulen werden von den Krankenkassen bezahlt, Studiengänge aber vom Land.“ Womöglich liege es daran, dass Hessen und andere Länder keine Eile hätten, die Studiengänge einzurichten. Dabei sei es „am Ende eigentlich nicht viel Geld“, sagt sie. Denn in Hessen handele es sich vielleicht um 100 bis 200 Studierende.

Dass die Länder am Zug sind, sieht auch die Bundesregierung so. In der Antwort auf eine FDP-Anfrage von Ende Februar heißt es eindeutig: „Die Länder sind für die Einrichtung von Studienplätzen zuständig“. Das gleiche gelte für Angebote, wie ausgebildete Hebammen nachträglich einen akademischen Titel erwerben können.

Die Antwort auf eine Anfrage beim zuständigen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden klingt da ganz anders: „Konkrete Vorbereitungen für eine Umstellung der Hebammenausbildung konnten noch nicht getroffen werden, da bislang weder die rechtlichen noch die zeitlichen Rahmenbedingungen für eine Akademisierung der Hebammenausbildung bekannt sind“, schreibt Pressesprecher Christoph Schlein auf Nachfrage. Zuständig dafür sei der Bundestag, der zunächst das Berufsgesetz novellieren müsse.

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