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Haute Couture aus Frankfurt

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Von: Anja Laud

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Große Abendrobe aus schwarzem Taft, ein Entwurf aus dem Jahr 1935.
Große Abendrobe aus schwarzem Taft, ein Entwurf aus dem Jahr 1935. © Ewald Hoinkis Historisches Museu

Die Nationalsozialisten wollten Frankfurt zur Modemetropole machen. Das Modeamt sollte Paris Konkurrenz machen.

Ein elegantes, rückenfreies Abendkleid, ein roter Damenschuh mit Riemchen und Plexiglasabsatz, diese Modelle könnten aus einem Pariser Modeatelier stammen. Tatsächlich aber sind es Entwürfe des Modeamts, das 1933 auf Betreiben des NS-Oberbürgermeisters Friedrich Krebs in Frankfurt gegründet wurde. Was viele nicht wissen: Mit ihm wollten die Nationalsozialisten die Stadt zu einer international bedeutenden Modemetropole machen.

Über 1900 Fotografien, Entwürfe, Folianten mit Veröffentlichungen zum Wirken des Modeamtes und einige Accessoires sind alles, was von den hochfliegenden Plänen der Nationalsozialisten übrig geblieben ist. Alles wird im „Archiv Frankfurter Modeamt“ gehütet, das im Historischen Museum angesiedelt ist. 1933 war das Modeamt in Frankfurt mit einem großem Anspruch gegründet worden. Deutsche Mode, entworfen in Frankfurt, sollte die französische Couture, die damals die Trends setzte, überflügeln, wie Maren-Christine Härtel, Kuratorin der Mode- und Textilsammlung des Historischen Museums, erzählt.

Die Förderung des deutschen Schneiderhandwerks war Teil der Strategie des NS-Oberbürgermeisters gewesen, aus der „Stadt der Juden und Demokraten“ eine „Stadt des deutschen Handwerks“ zu machen, ein Beinamen, den Frankfurt mit Zustimmung Adolf Hitlers 1935 erhielt.

Um der deutschen Mode Weltruf zu verschaffen, entschied sich die Stadt, Margarethe Klimt zur Leiterin des Modeamts zu machen. Die ehrgeizige österreichische Modeschöpferin hatte zuvor in der Frankfurter Kunstgewerbeschule eine Modeklasse geleitet. Nach der Machtergreifung war sie von dieser Position wegen ihrer vermeintlich „undeutschen Haltung“ beurlaubt worden. Krebs machte diese Beurlaubung rückgängig, und Margarethe Klimt machte Karriere.

1938 bezog das Modeamt das „Schloss der Mode“, eine Villa in der Mainzer Landstraße 57, die die Stadt von dem jüdischen Eigentümer, dem 1936 emigrierten Unternehmer Paul Hirsch, erworben hatte.

Den Umbau des Gebäudes gestaltete der Architekt Walter Loeffler. Er nahm sich 1938 gemeinsam mit seiner Ehefrau das Leben, weil ihm die Nazis vorwarfen, Kontakte zu Juden und Linken gehabt zu haben.

Seine Name durfte danach im Zusammenhang mit dem Modeamt nicht mehr erwähnt werden. Fortan galt Margarethe Klimt als Ideengeberin für die Umgestaltung.

Das Modeamt war eine Ausbildungsstätte. Junge Frauen, die ihren Gesellenbrief als Schneiderin in der Tasche hatten, konnten sie besuchen. Doch die kreative Ausbildung dort war nicht unbedingt gefragt. „Die Schülerinnen hatten ja bereits eine abgeschlossene, von der Schneiderinnung zertifizierte Ausbildung und konnten damit beruflich tätig werden und natürlich auch Geld verdienen. Vielen war auch nicht klar, was sie mit der Ausbildung anfangen sollten“, sagt Maren-Christine Härtel.

Im Modeamt wurde Mode für Frauen der gehobenen Gesellschaft, also Haute Couture, kreiert, neben beispielsweise Abendroben vor allem Accessoires, und durchaus auf einem Niveau, das mit dem der französischen Modeindustrie mithalten konnte.

Als in den Kriegsjahren die Rohstoffe knapp wurden, begannen die Schülerinnen mit Ersatzstoffen, beispielsweise mit Fischhaut und Plexiglas zu experimentieren. Letzteres war damals ein neues Material, zumindest im Textilgewerbe. Ein Beispiel ist der Riemchenschuh mit Plexiglasabsatz. Was Betrachterinnen heute als chic und avantgardistisch empfinden mögen, kam in den Dreißiger- und Vierzigerjahren bei den Frauen nicht so gut an. „Das sah zu sehr nach Mangel aus“, sagt die Kuratorin.

Je länger der Krieg dauerte, desto mehr verflog der Glamour. Statt eleganter Roben entwarfen die Frauen Arbeitskleidung. Bomben legten schließlich 1944 das „Schloss der Mode“ in Schutt und Asche. Mit der „Hochmode“, so die Sprachregelung der Nazis, war es danach am Main vorbei.

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