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Sehr begehrt: Studentenbude. 

Hausen

Teure Studentenwohnungen in Hausen

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Die Stadt Frankfurt kann nichts gegen die Mieterhöhung unternehmen. Der Investor nutze eine Lücke im Gesetz.

Es ist ein nicht ganz alltägliches Projekt, dass am Hausener Weg 120 geplant ist: Geflüchtete und Studenten sollen dort in einer Unterkunft nebeneinander wohnen. Der Teil für die Geflüchteten wird in der kommenden Woche der Öffentlichkeit vorgestellt, um den anderen gibt es Ärger.

Denn die Preise, die die Studenten dort für eines von 106 möblierten Appartements bezahlen sollen, sind wesentlich höher als ursprünglich angekündigt. Als das Projekt im September 2018 im Ortsbeirat 7 vorgestellt wurde, sprach ein Vertreter des Investors Solidare aus Düsseldorf, der die Studentenwohnungen baut und über seine Tochterfirma Prodomi vermietet, von einem durchschnittlichen Mietpreis von 420 bis 430 Euro. Für Appartements von 20 bis 40 Quadratmetern Größe.

Nun, knapp ein Jahr später, sieht alles ganz anders aus. Ein Sprecher des Unternehmens hatte dem Sozialdezernat bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, dass der Durchschnittspreis auf rund 685 Euro gestiegen sei, alle Nebenkosten inklusive. Das berichtet Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Die Preiserhöhung habe er mit gestiegenen Kosten seit der erstmaligen Präsentation begründet. Die habe zu einem sehr frühen Stadium des Projekts stattgefunden.

Doch bei 685 Euro ist es nicht geblieben. Wer auf dem Portal „Immobilienscout 24“ nachschaut, findet unter anderem eine 22,66 Quadratmeter große Wohnung, direkt angeboten von Prodomi, für 940 Euro Warmmiete. Die Ausführung mit 24,17 Quadratmeter kostet 990 Euro, die Version mit 35,34 Quadratmeter stattliche 1370 Euro.

„Ärgerliche Entwicklung“

Für Manuela Skotnik eine „ärgerliche Entwicklung“. Aber eine, auf die ihr Dezernat oder die Stadt keinen Einfluss habe. Die Vergabe der Wohnungen läuft nicht über das Studentenwerk, sondern eben über den Investor. Und weil dieser möblierte Appartements anbiete, könne er den Mietspiegel umgehen. „Eine Lücke im Gesetz“, so Skotnik.

Wenn die Stadt überhaupt einen Ansatz habe, dann erst nach dem Bezug der Wohnungen. Denn in die dürfen laut Baugenehmigung nur Studenten und Geflüchtete ziehen. „Sollten wir Grund zur Annahme haben, dass dort Menschen einziehen, die gar nicht studieren, dann könnten wir das überprüfen“, so die Sprecherin des Sozialdezernats.

Die Sorge, dass genau das passiert, treibt den Ortsbeirat 7 um. Der hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, dass der Magistrat einige Fragen zu dieser Thematik beantworten soll, zum Beispiel, ob es eine vertragliche Vereinbarung zu einer Mietobergenze gebe. Denn die aufgerufenen Preise seien „für die Mehrzahl der Studierenden ein nicht realisierbarer Betrag“, heißt es in dem Antrag.

Worauf die Stadt mehr Einfluss hatte, das sind die Unterkünfte für Geflüchtete. 88 davon gibt es, 160 Personen sollen einziehen. Betrieben werden die Wohnungen vom evangelischen Verein für Wohnraumhilfe. Am Freitag, 15. November, wird die Unterkunft ab 17.30 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt. Drei Tage später sollen die ersten Bewohner einziehen.

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