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Gruppenbild mit gut versteckter Dame am Samstagabend in der Abu-Bakr-Moschee.

Frankfurt-Hausen

Lehren aus Hanau: Kein Patentrezept

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Bei einer Veranstaltung in der Abu-Bakr-Moschee in Hausen sollten die Lehren aus Hanau aufgearbeitet werden.

Die Lehren aus Hanau – den Zusammenhalt stärken“ – unter diesem Titel hatte der Koordinationsrat der Moscheen Frankfurt am Samstagabend in die Abu-Bakr-Moschee in Hausen geladen. Angesichts der Besetzung von Podium und Publikum könnte man auf die Idee kommen, dass Lehren aus Hanau ausschließlich von Männern gezogen werden. Kurz vor Beginn der Diskussion nahm dann aber doch noch eine Handvoll Frauen an der Veranstaltungsperipherie Platz, ohne in deren Verlauf weiter aufzufallen.

Wenig überraschend hatten aber auch die Männer keine Patentlösung parat, wie es nach den rassistisch motivierten Morden in der Nachbarstadt weitergehen soll. Diether Heesemann vom Rat der Religionen etwa forderte, dass jetzt nicht bloß „das Strafrecht auf den Prüfstand“ gehöre, sonder auch die gesetzlichen Regelungen für Schusswaffen. Es sei zudem „ein Skandal“, dass die NSU-Akten unter Verschluss gehalten würden, „hier soll etwas vertuscht werden“. Und das Kommunalwahlrecht für Nicht-EU-Bürger müsse endlich her.

Thomas Seidel vom Polizeipräsidium stellte klar, dass in Frankfurt „kein Platz für Rechtsextremismus“ sei, erst recht nicht bei der Polizei, bei der es aber zugegebenermaßen bedauerliche „Einzelfälle“ gäbe, bei denen das nicht so sei. Seidels Forderung, das Hanauer Kapitalverbrechen müsse „konsequent verfolgt und bestraft werden – auch als Signal für mögliche Nachahmer“ kann man wohl auch als Selbstverständlichkeit betrachten.

Der evangelische Pfarrer Michael Mehl regte eher unverbindlich an, „den interreligiösen Dialog zu vertiefen“. Hüseyin Kurt von der Kommunalen Ausländervertretung will das Übel des Rassismus an der Wurzel bekämpfen und plädierte für ein „Erziehungssystem, das den Menschen gar keine Chance lässt, in Rassismus abzugleiten“ – wie solch ein System aussehen soll, ließ er aber offen. Immerhin hat laut Kurt die Bundesregierung nach Hanau „erstmals erkannt, dass rechter Terror existiert“.

Laut Kriminaldirektor Seidel gibt es in Frankfurt derzeit „keine Gefahrenlage“ – doch das „subjektive Sicherheitsgefühl“ habe stark gelitten.

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