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Ein Haus als Kraftwerk

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Von: Sandra Busch

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Das Effizienzhaus plus: Wohnhaus und Kraftwerk zugleich.
Das Effizienzhaus plus: Wohnhaus und Kraftwerk zugleich. © Rolf Oeser

Das neue Mietshaus der Nassauischen Heimstätte erzeugt Energie und zwar mehr als für die 17 Mietwohnungen benötigt werden. Der Bau ist somit ein kleines Kraftwerk.

In wenigen Tagen werden sie einziehen, die ersten Mieter. In den mehrgeschossigen Bau auf dem Riedberg, der mit einem gewöhnlichen Mehrparteienhaus wenig gemein hat. Das lässt sich schon von außen erkennen: In die schwarze Fassade des fünfeckigen Gebäudes sind auf der Südseite dunkel glänzende Photovoltaikmodule eingepasst, auch auf dem leicht geneigten Dach glitzern die Sonnenkollektoren. Denn der von der Nassauischen Heimstätte errichtete Bau ist ein „Effizienzhaus Plus“ – es soll mehr Energie gewinnen als die Bewohner verbrauchen.

Der Bau ist somit ein kleines Kraftwerk. 40 Prozent mehr Strom, als für die 17 Mietwohnungen nötig ist, soll er produzieren. Ein Überschuss, den man unter anderem in Elektromobilität stecken will. In der hauseigenen Tiefgarage können Elektrofahrzeuge aufgeladen werden, zwei Carsharing-Wagen stehen zur Verfügung. Zudem wird Strom in 200 Batterien im vierten Stock des Hauses gespeichert: Für Zeiten, in denen kein Strom produziert wird. „Damit man auch nachts den Fernseher anmachen kann“, sagt Joachim Pös, Geschäftsführer Projektentwicklung der Heimstätte. Und auch im Winter würde die Sonnenstrahlung reichen, um das Haus versorgen zu können.

Damit die Bewohner es auch im Winter warm haben, hat das Haus einen unterirdischen Eisspeicher. „Ein supereinfaches physikalisches Prinzip, aber trotzdem klasse“, sagt Pös. Denn um Wasser zu gefrieren, muss ihm noch eine Menge Wärme entzogen werden. Diese Energieerträge beim Phasenübergang macht der Eisspeicher nutzbar und die Wärme kann in die Heizungen gespeist werden.

Rund 5,1 Millionen Euro kostet die Nassauische Heimstätte der Bau – 30 Prozent mehr als ein herkömmlich errichtetes Gebäude. Doch der Heimstätte ist das Projekt das Geld wert. „Wir wollen hier ein bisschen was ausprobieren“, sagt Pös. Erfahrungen für die mehr als 60 000 Wohnungen der Heimstätte sammeln. „Wir können sehen, was sich bewährt und was sich noch einpendeln muss, was wir davon in unserem Bestand einsetzen können.“

Für die Mieter kostet das Leben in der energieeffizienten Wohnung 13 Euro je Quadratmeter. Die ersten 1000 Kilowattstunden gibt es zudem kostenlos. Danach muss für Strom und Wärme gezahlt werden. „Aber das ist bei einem solchen Bau viel weniger als normalerweise“, sagt Pös.

In den Wohnungen ist von all der besonderen Technik nichts zu merken. Wie überall gibt es Lichtschalter, die Fenster können geöffnet, die Heizung normal angestellt werden. „Man muss kein Öko- oder Technik-Freak sein, um hier zu wohnen“, sagt Pös. Eine gute Sache, findet er, denn so sei die Hemmschwelle niedriger, ein solches Haus zu bewohnen. „Alles läuft ganz normal – nur eben ökologisch gut.“

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