Prozess

Hauptsache finanziell gesund

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Betrugsprozess gegen Ex-Klinik-Personalchef beweist vor allem eines: Das System ist zutiefst krank.

Es ist schön, wenn man ein Krankenhaus pumperlgesund verlässt – und zwar in körperlicher wie in finanzieller Hinsicht. Beides ist Danny H. zumindest nicht nachhaltig geglückt. Das Landgericht hat den ehemaligen Personalchef der BG-Unfallklinik am Freitag wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt.

Die Kammer war davon überzeugt, dass der 43-Jährige in seiner Personalchefszeit von 2010 bis 2014 durch kriminelle Eskapaden die Klinik um mindestens 800 000 Euro geprellt hat – die er nun allerdings zurückzahlen muss.

Laut Urteilsbegründung war das Motiv von Danny H. das Streben nach Gerechtigkeit. Er fühlte sich nämlich mit seinem vertraglich vereinbarten monatlichen Grundgehalt von 15 000 Euro ungerecht behandelt: „Er arbeite soviel wie ein Chefarzt, verdiene aber viel weniger.“ Um diese Gerechtigkeitslücke zu schließen, ließ sich H. immerhin etwas einfallen: Mal holte er an der Krankenhauskasse 14 000 Euro als angebliche Barabfindung für einen ausgeschiedenen Mitarbeiter, dem eine solche aber gar nicht zustand und die folgerichtig in H.s Börse wanderte. Oder er stellte seinen 67 Jahre alten Schwiegervater für einen Stundenlohn von 85 Euro als Fahrer ein, obwohl die BGU gar keinen Fahrer brauchte. Ohne je dafür arbeiten zu müssen, brachte es der Schwiegervater so zu einem Monatsgehalt zwischen 4300 und 8000 Euro – und ist dafür vom Landgericht in einem abgetrennten Verfahren bereits zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden.

Richtig bizarr wurde es freilich, als das Krankenhaus von seinem Personalchef allen Ernstes verlangte, er solle sich um die Akquise neuen Personals kümmern. Dazu war Danny H. durchaus bereit – und gründete eine GmbH, die sich auf die Suche nach medizinischem Fachpersonal spezialisierte. Deren Dienstleistungen wollte er dem Krankenhaus in Rechnung stellen, aber dort gab es Menschen, die der antiquierten Ansicht waren, das Einstellen von Personal gehöre zu den originären Aufgaben eines Personalchefs und sei durch die 15 000 Euro bereits abgedeckt.

In seiner Not wandte sich H. an den damaligen Geschäftsführer der BGU, einen Doktor der Jurisprudenz, nicht der Medizin, der sich als mitfühlende Seele zeigte und eine kreative Lösung fand: H. solle die Dienstleistung ruhig abrechnen, man werde sie unter der etwas aus der Zeit gefallenen Kostenstelle „Print-Anzeigen“ verstecken. Eine Zeitlang lief dieses System ganz gut. Das Verfahren gegen den Geschäftsführer wegen Untreue ist mittlerweile gegen eine Zahlung von 125 000 Euro sowie 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit eingestellt worden – der Himmel weiß, warum.

Für Danny H. nahm die Geschichte kein gutes Ende. Die Kammer hält ihm immerhin seine „hohe Haftempfindlichkeit“ zugute. Der Angeklagte leidet nach eigenen Abgaben unter exzellenten „Cluster-Kopfschmerzen“. Allerdings hat sich bislang noch kein Arzt gefunden, der diese auch attestieren wollte. Zudem habe es das System Danny H. aber auch sehr leicht gemacht. Ebenso wie der Geschäftsführer, der es laut Urteil mindestens „nicht so genau nahm“ und „seine Pflichten schon bei oberflächlichster Kontrolle“ – wenn überhaupt – als erfüllt angesehen habe.

Der Mann ist übrigens nicht mehr BGU-Geschäftsführer. Er leitet mittlerweile eine andere Frankfurter Klinik.

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