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Kommt ein Stück Schornstein geflogen: Stück für Stück schwinden die Schlote.
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Kommt ein Stück Schornstein geflogen: Stück für Stück schwinden die Schlote.

Friedhof Frankfurt

Hauptfriedhof in Frankfurt verliert seine Schornsteine

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof verschwindet der sichtbare Teil des früheren Krematoriums. Der Abriss ist aufwendig.

Freitagmorgen auf dem Hauptfriedhof. Keine Beisetzungen wegen des Brückentages. Dafür geht etwas viel Größeres den Weg alles Irdischen: Die vier Schornsteinrohre des Krematoriums, 23 Meter hoch, haben ausgedient. Sie müssen weg.

Die Firma MB Spezialabbruch ist dafür aus Thüringen angereist. Gerade schweißt einer der Männer ganz oben die Querverstrebungen ab, die die vier Rohre miteinander verbinden. Und wenn die dann seitlich wegkippen? „Da passiert nix“, sagt Steffen Peter, der Baustellenverantwortliche. „Wir haben schon ganz andere Sachen weggeschafft.“ Kraftwerke beispielsweise. Da werden doch die vier Rohre kein Problem sein.

Seit mehr als sieben Jahren ist kein Rauch mehr durch diese Schlote gestiegen. Ende 2013 hat die Stadt das Krematorium geschlossen. Das gab auch Ärger. Bestatter kritisierten, eine Weltstadt wie Frankfurt müsse doch eine eigene Verbrennungsstätte für ihre Toten haben. Im Stadtparlament war von „Leichengeldern“ die Rede, bezahlt von den Krematorien der Region an die Pietäten. Die Schließung fördere solch unlauteren Wettbewerb.

Dem standen profane wirtschaftliche Zwänge entgegen: Das Frankfurter Krematorium hat nie kostendeckend gearbeitet und war mit seinen Preisen für Feuerbestattungen privaten Wettbewerbern hoffnungslos unterlegen.

„Es ist ganz schwierig für ein kommunales Krematorium“, sagt Thomas Bäder, seit fünf Jahren Abteilungsleiter Friedhofsangelegenheiten im Grünflächenamt. „Die Nachfrage nach Feuerbestattungen wurde immer weniger.“ Paradox – denn allgemein lassen sich viel mehr Menschen am Ende ihres Lebens verbrennen als früher. 80 Prozent der Beisetzungen sind laut Bäder inzwischen Urnenbestattungen.

Doch verbrannt wird anderswo: 1992 gab es noch 4625 Mal Arbeit im Frankfurter Krematorium, 2011 nur noch 1764 Mal, hat Bäder recherchiert. Auch insgesamt hat der Hauptfriedhof weniger Kundschaft: etwa 4800 Beerdigungen pro Jahr heute stehen etwa 6000 vor 20 Jahren gegenüber. „Die Menschen sind nicht mehr so gebunden an den lokalen Friedhof“, sagt der Abteilungschef. „Viele wollen inzwischen in einen Friedwald oder entscheiden sich für eine Seebestattung.“ Oder lassen sich in Obertshausen verbrennen. Da fielen jetzt aber auch hohe Umbaukosten an, sagt Bäder. Die neuen Abgasnormen im Kampf gegen die Klimakrise machen vor diesem Bereich menschlichen Daseins nicht Halt.

So, wird hier auch mal was abgerissen? Während oben ein Mann schweißt, sprüht unten ein Kollege Wasser auf die Wiese, damit die Funken nichts anzünden. „Das dauert noch“, sagt Steffen Peter. Im Keller müssen die Anschlüsse der Verbrennungsöfen von den Schloten getrennt werden. „Da ist noch mehr zu tun, als Sie von hier oben sehen. Da stehen die Füße der Schornsteine.“

Was ist mit dem Rest des Krematoriums? Das bleibt erst mal unter der Erde. Wird das eventuell doch noch einmal genutzt? Bäder: „Nein.“ Ursprünglich sollte alles auf einmal abgebaut werden, das Ausschreibungsverfahren zog sich, also erst mal nur die Schornsteine, „weil sie den Blick stören“. 24 000 Euro kostet der Abriss.

Seit 1912 gab es das Krematorium, 1993 kamen eine neue Verbrennungsanlage und die damals neuen Schornsteine dazu. Wundern sich die Hinterbliebenen darüber, dass nicht hier vor Ort kremiert wird? Manche fragen, sagt Bäder. „Aber wichtiger ist den Menschen, dass sie hier einen Bestattungsplatz haben, zu dem sie immer kommen können.“

Langsam geht es oben los. Jeweils sechs Meter lange Stücke wollen die Thüringer von den stählernen Schloten abschneiden und per Kran auf Lastwagen bugsieren. „Am Anfang nehmen wir erst mal ein Fünf-Meter-Stück“, sagt Steffen Peter, „damit wir genau sehen, nicht nur auf dem Papier: Wie ist die Last?“

Aufwendige Sache. Am Montag sind wieder Beisetzungen. Bis dahin muss die Arbeit erledigt sein. Besser schon Samstag.

Stahl wird auseinandergeschweißt.

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