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Das Hauptproblem am Eisenbahnknoten Frankfurt seien die Zuläufe zum Hauptbahnhof, sagt Verkehrsexperte Gietinger.

Hauptbahnhof Frankfurt

Geplanter Fernbahntunnel: Nicht alle ICEs halten unterirdisch

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Ein Frankfurter Verkehrsexperte kritisiert den geplanten Fernbahntunnel: „Milliarden werden vergraben.“

Die Bahn soll im Auftrag des Bundes einen 6,5 Kilometer langen Fernbahntunnel in Frankfurt bauen, dessen Machbarkeit derzeit geprüft wird. Unter dem Hauptbahnhof soll ein Fernbahnhof mit vier Gleisen für ICEs entstehen. Der Bund würde die Kosten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro übernehmen.

Aus Sicht des Frankfurter Verkehrsfachmanns und Autors Klaus Gietinger wird dabei Geld in den Sand gesetzt. „Hier werden Milliarden vergraben“, sagte er. Das Hauptproblem am Eisenbahnknoten Frankfurt seien die Zuläufe zum Hauptbahnhof. Sie seien nicht ausreichend ausgebaut. Nötig sei der viergleisige Ausbau vom Südbahnhof zur Main-Neckar-Brücke, der zwar beschlossen sei, aber „auf die lange Bank“ geschoben werde. „Man sollte erst oberirdisch das Mögliche tun“, das gehe schneller und sei preiswerter.

Das Projekt
Eine Machbarkeitsstudie ermittelt bis Frühjahr 2021 mögliche Trassen für einen Fernbahntunnel in Frankfurt. Danach könnte die 6,5 Kilometer lange Ost-West-Untertunnelung der Innenstadt, mit Halt am Hauptbahnhof, binnen 15 Jahren gebaut werden. Eine Voruntersuchung hat ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,2 festgestellt, das heißt, der Nutzen übersteigt die Kosten um 20 Prozent. Der Bund würde die Kosten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro übernehmen. 

Ein weiteres Problem bestehe darin, dass absehbar nicht alle Fernzüge im Fernbahnhof halten würden. So würden auch mit einem ICE-Fernbahnhof weiterhin Züge im Kopfbahnhof halten. Dies betreffe Züge auf der Main-Weser-Bahn über Galluswarte und Westbahnhof, wo unter anderem die S6 fährt, von und nach Darmstadt sowie von Maintal über Ostbahnhof zum Südbahnhof. Dies liege daran, dass die Tunnelzufahrten voraussichtlich am Kaiserlei und nahe der Niederräder Brücke liegen würden, so Gietinger. Auch die Kostenschätzung von 3,5 Milliarden Euro sei nicht valide. Wie bei Stuttgart 21, wo ein unterirdischer Durchgangsbahnhof errichtet wird, könnten sich die Kosten schnell vervielfältigen.

„Der Fernbahntunnel ist für Frankfurt eine große Chance“, sagte hingegen Wolfgang Siefert, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Römer. Oberirdisch falle kein Gleis weg. Somit entstehe Kapazität für den Nah- und Regionalverkehr. Auch sei offen, ob die Strecke nordmainisch oder südmainisch in Richtung Hanau angebunden werde. Die Projekte aus Frankfurt Rhein-Main plus, darunter der viergleisige Ausbau zwischen Südbahnhof und Main-Neckar-Brücke, werde fortgeführt.

Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) lobte den Fernbahntunnel als „wichtigen Schritt zur Stärkung des bundesweit bedeutenden Knotens Frankfurt“. Für Personen und Güter seien Kapazitätsgewinne zu erwarten, welche mehr Expressverkehre zwischen hessischen Oberzentren und Frankfurt ermöglichten. „Eine zupackende Infrastrukturpolitik leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, so der HIHK, der 40 000 Unternehmen vertritt.

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