Sonja Thomaser, Bacha Mika und Katja Thorwarth (von links) verlesen hasserfüllte E-Mails. F
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Sonja Thomaser, Bascha Mika und Katja Thorwarth (von links) verlesen hasserfüllte E-Mails. 

Frankfurt-Höchst

Hate-Slam in Höchst: Zuschriften aus der Hölle

  • vonHolger Vonhof
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Redakteur*innen der drei großen Frankfurter Tageszeitungen geben Einblicke in ihre Postfächer. So beleidigend der Inhalt zuweilen ist, manche Schmähung ist auch recht komisch.

Du bist ein armseliges Menschlein, dessen Leben offenbar keinen Sinn mehr hat. Ich finde, du kannst gern von einem der großen Häuser springen, die an der Zeil stehen.“ Diesen gut gemeinten Ratschlag hat ein Redakteur einer Frankfurter Tageszeitung von einem Leser erhalten: Hass-Briefe und E-Mails dieser Art gehen seit Jahren verstärkt in Redaktionen ein, seit der elektronische Postversand von weiten Teilen der Bevölkerung genutzt wird.

Viel Sinnvolles kann so mit einem Knopfdruck erledigt werden, aber der Nachteil ist klar: Geiferer und Schreihälse müssen ihren Hass nicht mehr zur Post tragen und frankieren, sondern können ihn im Sekundentakt an hunderte Adressen versenden oder in den Social-Media-Foren hinterlassen.

Journalisten ist es durchaus nicht fremd, sich konträren Meinungen zu stellen, aber was seit einigen Jahren so in die Postfächer trudelt, hat die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse, der Frankfurter Rundschau und der Rhein-Main-Zeitung der FAZ dazu bewogen, die Ausdünstungen des Volkszornes öffentlich zu machen.

Für den ersten Frankfurter „Hate Slam“ des neuen Jahres hat man das Neue Theater Höchst gewählt; der Titel ist aus einer realen Zuschrift gegriffen: „Sehr geehrtes Herr Arschloch!“. Einige der Zuschriften aus E-Mail-Eingängen, Briefkästen und Social-Media-Foren sind nämlich zu komisch, als dass sich nur wir Journalisten uns darüber den Bauch halten sollten. Es sind wahre Perlen, die einer breiten Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden dürfen.

FR-Chefredakteurin Bascha Mika muss sich von Menschen, die ihre Meinung nicht teilen, als „links-grün verwirrte Oberschlesierin“ beschimpfen lassen. Während andere FR-Redakteurinnen in Hass-E-Mails gerne als hässliche, missgebildete und „untervögelte“ Kreaturen dargestellt werden, bekommen die Kolleginnen der FNP gerne intellektuelle und gesinnungsmäßige Defizite zugeschrieben.

Zwei Drittel sind Männer

„Aus meiner Sicht sind einige Leute von Ihnen besser beim Amt in Hartz IV aufgehoben“, heißt es schon mal. Das gilt es zu analysieren: „Hass ist oft enttäuschte Liebe“, sagt FNP-Redakteurin Pia Rolfs. Hervorgerufen wird sie etwa dadurch, dass wichtige Leserbriefe nicht oder nicht komplett abgedruckt werden. Rolfs zitiert aus einem Schreiben: „Es wäre schön, wenn Sie meinen Leserbrief wegen meiner Liebe zur Wahrheit ungekürzt abdrucken würden.“ Ein anderer informiert die Redaktion über seine Selbstkasteiung:„Ich könnte fast jeden zweiten Tag einen Leserbrief schreiben, aber ich diszipliniere mich selbst!“ Werner D’Inka, Mitherausgeber der FAZ, hat festgestellt, dass zwei Drittel aller Hasskommentare von Männern stammen. Auch die FAZ muss sich dabei als „linksversifftes, neo-liberales Zeckenblättchen“ beschimpfen lassen. Interessant findet D’Inka: „Viele Leser solcher Zuschriften meinen offensichtlich, die Orthografie gehöre nicht zu Deutschland.“

Mit dem bundesrepublikanischen Staatssystem haben viele ihre Probleme. „Demokratie ist widernatürlich“, trägt FNP-Redakteurin Ute Vetter aus dem Brief eines Monarchie-Fans vor, der Krone, Thron und Gottesgnadentum bevorzugt. Ein anderer befindet: „Es gibt nur ein zutreffendes hessisches Wort für Sie: Dummschwätzer!“

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