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Hassan Kurt rennt in Frankfurt 1200 Stufen rückwärts

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Ein Läufer im 60. Stockwerk beim Sprint.
Ein Läufer im 60. Stockwerk beim Sprint. © Monika Müller

Der „SkyRun“ auf den Frankfurter Messeturm lockt Extremläufer auf ungewohntes Terrain.

Barfußläufer wurden auch schon gesichtet, am frühen Morgen hat ein Schweizer versucht, beim Handstandlaufen die Treppen abwärts einen neuen Weltrekord aufzustellen. Und Haki Doku aus Mailand hat demonstriert, dass man auch mit Rollstuhl Treppenstufen heil herunterkommen kann.

Beim Hauptrennen hinauf auf den Messeturm war diesmal Hassan Kurt der Exot. Der Mann aus Eschborn war schon mal Weltrekordler im 100-Kilometer-Rückwärtslauf, beim „SkyRun“ auf den gerade für 100 Millionen Euro umgebauten Messeturm hat er sich wie immer rückwärts auf den Weg gemacht. Und das gleich fünfmal im Laufe des Vormittags in respektabler Zeit, der Applaus der Konkurrenz war ihm schon beim Start sicher.

Beim „SkyRun“, der gestern nach vier Jahren Pause wegen Turmumbaus und Corona zum 13. Mal stattfand, wird nämlich der rote Teppich schon vor dem Start ausgerollt. Und die Cheer Girls mit ihren Glitzerpuscheln zu Füßen des berühmten „Hammering Man“ jubeln jedem zu, der sich auf den Weg macht. Denn ab dem Einstieg in den Treppenschacht auf der Westseite des Turms wird es grau, einsam und ziemlich langweilig ohne Anfeuerungsrufe am Wegesrand.

Zwar ist die Zahl der Stufen durch den Umbau um zwei auf nur noch 1200 geschrumpft, aber es sind immer noch 61 Stockwerke und 213 Höhenmeter. Im Zieleinlauf ganz oben ist es reichlich eng, man wird schnell digital vermessen und durchgewunken. Kurze Verschnaufpause im benachbarten Raum, den Weitblick über die Stadt genießen, dann geht es auch schon wieder mit dem Fahrstuhl abwärts, Gedränge soll vermieden werden. Im großzügigen, lichten neuen Foyer wird jeder Zieleinlauf live übertragen, die Lobby ist auch eine von mehreren improvisierten Umkleide- und Warmhalteorten vor dem Start.

Und warum macht man das alles? Diese Frage haben sich schon viele gestellt, die Antwort läuft bei den meisten stets auf den Reiz des Höhenlaufens in extravagantem Umfeld hinaus. Auch wenn’s in der Regel nur durch einen grauen Schacht geht. Natürlich gibt es längst einen Weltverband der Treppenläufer. Da spielt der Frankfurter „SkyRun“ in der Weltliga mit, in der Wertung nur knapp hinter dem Empire State Building Run-Up, wo es um 320 Höhenmeter geht, und anderen Treppenlaufwettrennen in Chicago oder auf den Eiffelturm. Da wird man schnell zum „Sammler“, wenn man einmal infiziert ist. Und kann nicht aufhören, selbst mit 84 Jahren nicht wie Bernd Zürn aus Flörsheim, der gestern aber „nur noch dreimal“ Höhenluft geschnuppert hat.

Ein wichtiger Grund für die Teilnahme, für manch einen wichtiger als alle sportliche und persönliche Eitelkeit, ist die Verwendung der Einnahmen aus Anmeldegebühr und Spenden zugunsten der Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit angeborener Querschnittlähmung, „ARQUE Rhein-Main“. Für Renndirektor Michael Lederer seit Jahrzehnten eine Herzensangelegenheit. Der ehemalige Weltklasseläufer hat einst den Arque-Lauf von Kelkheim nach Mainz ins Leben gerufen, später kamen auch Biker dazu, in all den Jahren kamen weit über eine Million Euro für das Projekt zusammen. Für Arque gehen am Messeturm auch Feuerwehren und Rettungsdienste an den Start, meist in Teams zu dritt, die in voller Ausrüstung die Treppen hinaufhetzen bei ihrem besonderen Wettbewerb, der auch der Ausbildung dient.

Mit kompletter einsatztauglicher Dienstkleidung inklusive Stiefel und bei der Elite auch mit Atemschutzgerät und Notfallrucksack die 1200 Stufen zum Gipfel in 213 Meter Höhe, das ist schon eine besondere Leistung. Eine geradezu sensationelle Zeit daher die 13:09 Minuten von Feuerwehrmann Marcel Ruoff aus Böblingen, in der Hauptklasse waren nur 77 Starter schneller. Als Gesamtsieger wurde am Ende Christian Riedl vom Club Towerrunning Germany aus Köln in 7:39 Minuten notiert, der vor ein paar Jahren auch schon mal New York gewonnen hat, schnellste Frau auf der Turmspitze war Verena Schmitz, sie kam nach 9:25 Minuten ins Ziel.

Hassan Kurt wurde schon nach 18:17 Minuten erstmals über die Ziellinie gewunken und war auch beim fünften Anlauf nur unwesentlich langsamer. Ein bisschen bedauert hat Lederer nur die kurze Einladungsfrist durch den gerade erst vollendeten Turmumbau zu Frankfurt. Vor vier Jahren wurde mit rund 1200 Starter:innen ein Rekordwert erreicht, beim Neuanfang gestern waren nur knapp über 400 Laufbegeisterte am Start.

Erschöpft, aber am Ziel.
Erschöpft, aber am Ziel. © Monika Müller
Christian Riedl beim Start.
Christian Riedl beim Start. © Monika Müller

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