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Ina Hartwig wird für ihr Vorgehen bei den Städtischen Bühnen kritisiert. 

Städtische Bühnen in Frankfurt

Kulturdezernentin Hartwig sorgt für Empörung

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CDU und Grüne kritisieren den Auftritt der Kulturdezernentin zu den Städtischen Bühnen als widersprüchlich und unabgesprochen.

Das Hintergrundgespräch von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zur Zukunft der Städtischen Bühnen führt zu einer handfesten Krise der Römer-Koalition. CDU und Grüne zeigen sich empört über das Vorgehen der Sozialdemokratin. Weder der Pressetermin noch dessen Inhalte seien in der Koalition abgesprochen gewesen. Das Verhalten Hartwigs wird jetzt Thema der nächsten Koalitionsrunde am kommenden Dienstag.

CDU und Grüne reagieren „fassungslos“, so CDU-Sprecher Thomas Dürbeck, auf den öffentlichen Sachstandsbericht der Stadträtin. Noch vor zwei Wochen habe sie in den Fraktionen von CDU und Grünen eine ganz andere Darstellung gegeben. Nach Angaben der Koalitionspartner habe Hartwig damals berichtet, dass eine Sanierung der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz „im Bestand“ möglich sei, also ohne große bauliche Eingriffe. Vor den Journalisten hatte die Kulturdezernentin dagegen davon gesprochen, dass nur die Bühnen von Oper und Schauspiel, die Zuschauerräume und die moderne Obermaschinerie der Oper erhalten blieben. Sie sollten aus dem heutigen Gebäude „herausgeschnitten“ werden, so Hartwig wörtlich. Drumherum könne dann nach einem internationalen Architektenwettbewerb ein neues modernes Gebäude entstehen.

Wie teuer werden die Städtische Bühnen wirklich? 

Großes Erstaunen bei CDU und Grünen rufen auch die im Hintergrundgespräch vorgetragenen Kostenangaben hervor. Der Leiter der Stabsstelle Städtische Bühnen, Michael Guntersdorf, hatte von reinen Baukosten am Willy-Brandt-Platz in Höhe von 500 Millionen Euro gesprochen. Hinzu kämen noch Ausgaben für ein neues „Logistikzentrum“ mit Werkstätten und Probebühnen sowie für eine Interimsspielstätte während der Bauarbeiten. 

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig hat einen Vorschlag rund um die Sanierung der Städtischen Bühnen gemacht, der einige zentrale Fragen unbeantwortet lässt. Lesen Sie dazu: „Nicht mit Ängsten spielen.“ 

„Wenn ich dazu noch den Risikozuschlag und die Steigerung der Baukosten rechne, komme ich wieder auf die knapp 900 Millionen Euro, die die Machbarkeitsstudie 2017 angeführt hatte,“ sagt der kulturpolitische Sprecher der CDU, Thomas Dürbeck. 

Alleingang von Hartwig löst Befremdung aus  

Baudezernent Jan Schneider, der auch CDU-Kreisvorsitzender ist, nennt das Verhalten Hartwigs „sehr befremdlich“. Der Lenkungskreis der Stabsstelle, dem Schneider und andere Spitzenpolitiker der Koalition angehören, sei nicht informiert worden.

„Von der Pressekonferenz wusste niemand etwas“, kritisiert Sebastian Popp, Grünen-Fraktionschef im Römer. Er fügt hinzu: „Die meisten Fragen sind nicht beantwortet – so kann man mit den Städtischen Bühnen nicht umgehen.“ 

Wohin mit dem Logistikzentrum? 

Für mächtigen Ärger sorgt auch der spekulative Grundstückspoker, den die Suche nach einem Baugrundstück für das Logistikzentrum auslöst. Die Stabsstelle Städtische Bühnen hatte mit dem Unternehmer Jürg Leipziger gesprochen, dem das Grundstück Schmidtstraße 12 gehört. Dort sind bereits das Frankfurt LAB und die Dresden Frankfurt Dance Company untergebracht. Leipziger nennt das 21 000 Quadratmeter große Areal im Gespräch mit der FR „ideal“ und „sehr gut geeignet“. 

Allerdings käme die Lösung die Stadt sehr teuer zu stehen. In einer Fakten-Übersicht, die der FR vorliegt, werden die Baukosten für das Logistikzentrum an dieser Stelle mit 137 Millionen Euro beziffert. Der Kaufpreis, der von der Stadt für das Grundstück an Leipziger zu entrichten wäre, betrüge 69,85 Millionen Euro. Das Logistikzentrum soll 44 000 Quadratmeter umfassen. Kritiker bemängeln die große Entfernung zwischen dem Areal Schmidtstraße 12 im Gallus und den Bühnen am Brandt-Platz. „Das ergäbe eine irre Pendelei.“ Außerdem sei offen, was mit den Mietern Frankfurt LAB und Dresden Frankfurt Dance Company geschehe. Nach Ansicht von Fachleuten muss die Stadt den Bau des Logistikzentrums europaweit ausschreiben.

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