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Hartnäckiges Glatteis in Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer

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Bushaltestelle in Bonames. Gute Fahrt.
Bushaltestelle in Bonames. Gute Fahrt. © FR

Auch am Dienstagmorgen war die Fortbewegung teils abenteuerlich. Die FES verweist auf die Räumpflicht der Hauseigentümerinnen und -eigentümer.

Der spiegelglatte Montag war tagelang angekündigt, sogar Katastrophen-Apps warnten die Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer vor gefrierendem Regen und Blitzeis. Der spiegelglatte Dienstagmorgen kam dagegen offenbar überraschend – jedenfalls in einigen Stadtteilen.

In Bonames, Harheim, Nieder-Erlenbach war die Fortbewegung zu Fuß und per Fahrrad am Dienstag teils immer noch ein Abenteuer. In Griesheim ebenso. In Niederursel zierte eine dicke Eisschicht den Bahnsteig an der U-Bahn-Station, „sauglatt“ zur Kante hin, wie eine Twitter-Userin schrieb. Ein anderer postete das Foto des Gehwegs an einer Grünanlage im Ostend. „Sonderbare Räum- und Streu-Prio der ja ach so fahrrad- und fußgängerfreundlichen Stadt Frankfurt“, schrieb er. Auch auf Mittelinseln seien „Schlittschuhe heute früh das passende Schuhwerk“.

Streupflicht auf Bürgersteig

Der Schritt auf die Fahrbahn war vielerorts tatsächlich sicherer als das Trottoir. Für Autos war zumeist eisfreie Fahrt möglich. ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer hingegen hatten mit Erschwernissen zu kämpfen. Die Bushaltestelle auf dem Harheimer Weg eingangs Bonames: erst nach 20 Metern Schlitterpartie erreichbar.

„Warum werden eigentlich nur die Fahrbahnen gestreut?“, ärgerte sich ein Meik E. auf Twitter. „Sind Fußgänger egal?“ Und der Fahrradclub ADFC zitierte mit den Worten „Eine Schande für die selbsternannte Fahrradstadt“ die Lage mit freien Fahrbahnen für Autos und teils ungeräumten Radwegen. Stark vereist gewesen seien etwa Diebsgrundweg und Kurfürstenplatz, berichteten Radfahrende.

Auch die Niddaradwege waren am Dienstag weiterhin gefährlich. „Extrem ist die Lage gegenwärtig auf dem meist intensiv genutzten Rad- und Fußweg entlang der Nidda zwischen Eschersheim und Kalbach“, meldete ein FR-Leser. „Hier besteht Spiegeleis.“ Er sei an der Nidda zwischen der A661 und dem Alten Flugplatz mit dem Fahrrad gestürzt und kurz ohnmächtig gewesen. „Dass nicht mehr passiert ist, war Glück.“ Die Fußwege vom U-Bahnhof Kalbach zur Wohnanlage am Ben-Gurion-Ring seien ebenfalls völlig unpräpariert.

Also: Fuß- und Radverkehr egal? Mitnichten, sagt Stefan Röttele, Sprecher der für den Winterdienst zuständigen Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH (FES). „Aber wir haben es hier mit einem Extremwetterereignis zu tun, wie es im Durchschnitt alle sechs Jahre vorkommt.“ Ein hoher Krankenstand spiele dabei zurzeit keine Rolle, im Gegenteil: „Wir sind der Meinung, dass wir uns nichts vorzuwerfen haben.“

Die Kolleginnen und Kollegen hätten am Montag- und Dienstagmorgen 400 Kilometer Radwege abgefahren und gestreut. Und was die Bürgersteige angeht: „Es gibt eine Räum- und Streupflicht. Da ist der Bürger zuständig. Wir stehen manchmal fassungslos vor dieser Anspruchshaltung: Egal, was passiert, ich muss freie Fahrt haben.“ In Situationen wie dieser müssten die Menschen bereit sein, sich ein Stück weit an die Gegebenheiten anzupassen.

Schließlich sei die Bevölkerung aufgerufen worden, möglichst zu Hause zu bleiben. „Wenn ich dann trotzdem rausgehe“, sagt Röttele, „dann setze ich mich auch bewusst einer Gefahr aus.“ Die Stelle im Ostend und die Busstation in Bonames wolle sich die FES aber noch mal genau anschauen. Das Tochterunternehmen FFR sei in einigen Fällen zuständig für die Eis- und Schneeräumung, wo sie vom Grünflächenamt und von den Verkehrsbetrieben übertragen wurde. Das gilt teil auch für Bushaltestellen, Schulen und Kitas.

Zur U-Bahn-Haltestelle Niederursel informiert sich Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, auf FR-Anfrage bei der beauftragten Servicefirma. Der Einsatzleiter habe beteuert, die gesamte U-Bahn-Linie sei gestreut worden, auch am Dienstagmorgen.

Immerhin, es werde wärmer, sagt Röttele, „tendenziell entspannt sich die Situation“. Auch für die Umwelt. Vom Salzstreuverbot für Privathaushalte wollten in der akuten Lage viele plötzlich nichts mehr wissen.

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