Auch Kampfsportelemente finden sich im Trainingsprogramm wieder.
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Auch Kampfsportelemente finden sich im Trainingsprogramm wieder.

Freizeit

Hartes Workout am Frankfurter Hafenpark

Sportler treffen sich am Frankfurter Hafenpark, um gemeinsam zu schwitzen. Dort wird bis Oktober regelmäßig ein "Urban Bootcamp" angeboten.

Es ist Sonntagmittag, ich radle vorbei am Ostbahnhof zur Europäischen Zentralbank am Mainufer. Nicht, dass ich irgendetwas mit Finanzen zu tun hätte, aber mit Sport – zumindest für heute. Auf dem Platz unter der neuen Brücke warten ein paar Leute in knackig engen und leuchtend bunten Sporthosen. Auf ihren T-Shirts stehen Motivationssprüche wie „Stronger, Faster, Superpower“ – stärker, schneller und Superkraft. So lautet das Motto des Personal Trainers Raffael Wagenhoff. Von März bis Oktober organisiert er neben dem Hafenpark an einem oder zwei Sonntagen im Monat das „Urban Bootcamp“.

Ein Sportprogramm, bei dem sich die Teilnehmer über eine Stunde lang verausgaben können. Das ausgetüftelte Zirkeltraining soll jeden aus der Reserve locken. Ein hartes Workout, bei dem angefeuert und gekämpft wird bis zum letzten Schweißtropfen, habe ich gehört. Schließlich heißt es: „Ein Bootcamp ist kein Zumba-Kurs.“

In einer Mischung aus Vorfreude und leiser Panik vor dem, was mich erwartet, stelle ich mich zu den anderen Kursteilnehmern in den Kreis. Zuerst wird an der Teambildung gearbeitet. Wir haken uns links und rechts ein. Wagenhoff ruft in die Runde: „Urban“ und wir antworten „Bootcamp“, „Das geht noch lauter: Urban“ – „Bootcamp“, schreien wir mit aller Kraft. Dann folgen ein paar Aufwärmübungen. Schon dabei komme ich ins Schwitzen – und dabei hat das Camp gerade erst angefangen!

Das Haupttraining beginnen wir mit „Squats“ in verschiedenen Ausführungen. Dazu zwänge ich mir ein enges Gummiband um die Oberschenkel, gehe breitbeinig in die Hocke und springe so hoch ich kann in die Luft. Ein Satz besteht aus drei Übungen und wird zweimal wiederholt. Anschließend geht es auf den staubigen Boden: Situps, Liegestützen und Rückenkräftigung.

Wagenhoff legt nicht nur Wert auf Übungen zum Auspowern, sondern auch auf den gesundheitlichen Aspekt des Trainings. Beim „Urban Bootcamp“, sagt er, würden deshalb sämtliche Muskelpartien angesprochen. Die Tage danach werde ich das auch noch spüren dürfen.

In meinem Alltag sitze ich oft am Schreibtisch und mein Kopf ist in der Regel am meisten ausgelastet. An meine körperliche Grenzen gehe ich eher selten. Ein Bootcamp aber kann helfen, die eigene Belastbarkeit genauer zu definieren und den eigenen Körper besser kennenzulernen. Wie weit kann ich gehen? Was geht nicht? Wie kann ich mich und die Gruppe motivieren? Während des Trainings packt mich der Ehrgeiz. Diesen Effekt kennt Trainer Wagenhoff. Er sagt, Teilnehmer sollten mit der Motivation zum Camp kommen: Ich kann mehr als das, was ihr von mir denkt. Ich kann mehr als ich von mir denke.

Der Begriff „Bootcamp“ kommt ursprünglich aus dem US-amerikanischen Militärjargon und bezeichnet die Grundausbildung neuer Rekruten. Etymologisch lässt sich der Name von dem englischen Verb „to boot“ ableiten, was so viel heißt wie jemandem einen Fußtritt geben. Die Fitness-Branche hat sich den Namen zu eigen gemacht, um das intensive Gruppentraining zu beschreiben.

Um alles aus sich herauszuholen, kann ein Fußtritt – hier in Form eines lauten Anfeuerns – sehr zielführend sein. Tatsächlich stelle ich fest, dass ich mehr Kraft und Ausdauer besitze als ich vorher gedacht habe. Mein Gehirn reagiert zu meiner Freude mit einer Ladung Endorphine.

Mein Fazit: Das Bootcamp ist ein anspruchsvolles, aber durchaus machbares Angebot für Boot-Camp-Anfänger (wie mich) und Fortgeschrittene. Wobei eine möglichst gute Beweglichkeit Voraussetzung ist. Neben den Trainern motivieren sich die Teilnehmer auch gegenseitig. Wenn es nicht mehr geht, sind Pausen natürlich erlaubt. Schließlich zwingt einen niemand (außer vielleicht das schlechte Gewissen) sonntags schwitzend auf dem Asphalt vor der EZB herumzukrabbeln.

Allgemein gelte: „Der Erfolg ist die größte Motivation“, sagt Co-Trainerin Cansu Wagenhoff. Von oben bis unten durchtrainiert, strahlt sie Stärke und Selbstbewusstsein aus. Doch wie lange dauert es, bis sich richtige Ergebnisse des Krafttrainings zeigen? „In der Regel sind im ersten Jahr nach Trainingsbeginn die meisten Erfolge sichtbar“, sagt die Trainerin, die hauptberuflich als Polizistin arbeitet. Das ist doch eine prima Motivation für alle Sportmuffel.

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