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Mit dem Resistograph wird die Holzdichte untersucht.

Frankfurter Stadtwald

Der Forst war früher Weide

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Frankfurts Stadtwald war früher so licht, dass er teilweise wie ein Park aussah.

Die Funktion des Waldes hat sich gewandelt. Wo sich heute Jogger und Radler tummeln, wo Holzwirtschaft betrieben wird, graste früher das Vieh. „Die Hinkelschneise gilt als letzter Rest des Frankfurter Weidewaldes“, heißt es in einer Schrift des Senckenberg Forschungsinstituts. Im Herbst fraßen sich dort die Schweine an Eicheln und Bucheckern satt. Im Winter wurde das Futter durch Baumrinde ergänzt, und in der Vegetationsperiode selbst trieben die Frankfurter ihre Kühe, Ziegen, Schafe täglich in den Wald.

Der Druck war groß. Ein derart stark genutzter Forst entwickelt sich anders, als der von heute. Büsche und Bäume standen weniger dicht. Es gab viel Verbiss. Das lichte Ambiente bot einer reichhaltigen Flora ein Refugium. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der halboffene Wald zu einem geschlossenen, schattigen Hochwald.

Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es im Wald viele Triebwege. Inklusive Tränken wie der Schwengelsbrunnen oder die Schwanheimer Tränke. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden zwei Schweineställe. Geblieben sind die Ortsnamen Oberschweinstiege und Unterschweinstiege.

Besonders stark beweidet wurden die Flächen nahe der Stadt. Es entwickelte sich eine parkähnliche Landschaft mit imposanten allein stehenden Eichen und einer prachtvollen Flora mit malerischen Namen wie Labkraut-Wiesenraute, Hain-Leimkraut, Kussuben-Wicke oder Holunder-Knabenkraut. Das Heideröschen war so häufig, dass damit auf dem Wochenmarkt gehandelt wurde.

Von der vielfältigen Flora des damaligen Hütewalds hat kaum eine Spezies überlebt. Der Diptam ist so ein Überbleibsel. Einziger einheimische Vertreter des Citrusgewächses und in Hessen sehr selten. An einigen Stellen im Rheingau sowie auf zwei nordhessischen Basaltkuppeln kommt die geschützte Art noch vor. Bis zu fünf Zentimeter groß kann die rosafarbene Blüte werden, die einen intensiven Duft nach Zitrone, Zimt und Vanille verströmt. Sie enthält eine große Menge ätherischer Öle, die früher auch in der Naturheilkunde angewendet wurden.

Die Pflanze spielt übrigens auch in den Abenteuern von Harry Potter eine wichtige Rolle. Unter anderem versorgt Hermine die von Nagini verursachte gefährliche Schlangenbisswunde in Harrys Unterarm mit dem Diptam-Konzentrat.

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