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Da lag er noch in der Grube in Harheim: der steinzeitliche Halbschädel.

Sensationsfund

Harheimer Steinzeit-Schädel wird analysiert

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Bis September will man dem Harheimer Fund seine Geheimnisse entreißen.

Letzte Woche noch ein Sensationsfund, heute an einem eher prosaischen Ort: Der fast 7000 Jahre alte menschliche Schädel, der bei Ausgrabungen in Harheim entdeckt worden war, ruht jetzt „im Salatfach“ des Kühlschranks von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD). So beschreibt es jedenfalls Andrea Hampel, die Leiterin des städtischen Denkmalamtes.

Am 2. August aber ist es mit der Ruhe vorbei. Detlef Gronenborn, Oberkonservator des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) in Mainz, wird das steinzeitliche Relikt in Frankfurt abholen und ganz vorsichtig ins RGZM bringen. Dort stehen den Schädelknochen erste Untersuchungen bevor. Anthropologen werden versuchen, das Geschlecht des Körpers zu bestimmen, zu dem das Haupt einmal gehörte.

Eine noch genauere DNA-Analyse ist dann am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena geplant. Die Wissenschaftler hoffen, so Gronenborn, dort nicht nur das Geschlecht, sondern auch die Farben von Haaren, Haut und Augen zu ermitteln.

Knapp 9000 Bau-, Garten- und Kunstdenkmäler sind in Frankfurt bekannt.

Dazu kommen etwa 1600 archäologische Denkmäler, die von der Bodendenkmalpflege betreut werden. Ein Denkmalbeirat mit insgesamt fünf Fachleuten begleitet die Arbeit des Amts kritisch.

Der Oberkonservator war in Urlaub auf Mallorca, als ihn die Nachricht vom Frankfurter Fund erreichte. „Ich war völlig verdutzt“, sagt er offen. Denn ein so gut erhaltener steinzeitlicher Schädel aus der Zeit um 4800 vor Christus war „hier in der Gegend“ noch nicht geborgen worden.

Die Knochen werden nun Bestandteil eines Forschungsprojektes, das Gronenborn und sein Team bereits seit dem Jahr 2006 verfolgen. Die Wissenschaftler gehen seither der Frage nach, wie das heutige Rhein-Main-Gebiet als Verkehrsknotenpunkt in der Steinzeit entstanden ist. Schon damals, so der Wissenschaftler, sei es die günstige Lage an der Kreuzung verschiedener Verkehrswege gewesen, die der Region Auftrieb gaben.

Über den Rhein schaffte man beispielsweise mit Einbäumen und einfachen Kähnen wichtige Werkzeuge heran – so etwa die Mühlsteine, mit denen die ersten Bauern seinerzeit ihr Getreide mahlten. Fleisch spielte zu dieser Zeit eine untergeordnete Rolle. Am Ende könnte es der Halbschädel aus Harheim ohne Unterkiefer dann in eine Ausstellungsvitrine des Römisch-Germanischen Zentralmuseums schaffen.

Die erfahrene Archäologin Andrea Hampel vom städtischen Denkmalamt in Frankfurt schließt schon jetzt von der Beschaffenheit der Knochen her „eher auf eine Frau“. Bis zum September, so hoffen es die Wissenschaftler, werden sie dem Steinzeit-Schädel von Harheim mit vereinten Kräften seine Geheimnisse entrissen haben.

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