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Drei Bären, eine Torte und eine 2: Mama Cashu hilft den Geburtstagskindern Suyana und Manu beim Auspacken.

Zoo Frankfurt

Happy Bärday in Frankfurt

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Zu ihrem zweiten Geburtstag bekommen die Brillenbärenzwillinge im Zoo eine Überraschung und dürfen noch eine Weile in Frankfurt bleiben.

Nicht jeder bekommt zum Geburtstag einen metergroßen Kuchen geschenkt und eine noch größere selbst gebastelte Zahl, die dem erreichten Alter entspricht. Die Frankfurter Brillenbären schon. Aber die sind ja auch Publikumslieblinge. Die geschenkte Zahl ist außerdem nicht schwierig: 2. So jung sind die Zwillinge am Dienstag geworden, und so viele sind sie auch. Duplizität der Ereignisse.

Also dann los. Dienstagmittag, High Noon, 12 Uhr im Zoo. Wo sind die Geburtstagskinder? Und was macht Nobody denn bitte mit diesen Pappkartons? Kaputt.

Nobody, muss man wissen, ist der Papa von Suyana und ihrem Bruder Manu und folglich kein Geburtstagskind. Aber Daniel Höflich, der stellvertretende Revierleiter, hat ihm trotzdem zwei Geschenke gebaut. „Zwei Röhren mit Nüssen“, sagt der Tierpfleger. „Damit er auch was hat.“

Da kommt natürlich sofort Rührung auf, besonders wenn man weiß, dass Nobody seit zwei Jahren von seiner Partnerin Cashu und den gemeinsamen Bärchen getrennt lebt. Das sei zwar in der Natur so üblich, sagt Daniel Höflich. Dort hält sich der Bärenvater auch von der Bärenmutter fern, bis es wieder Zeit für neue Bärenkinder ist. Aber in der Natur bekommen die Kleinen auch nicht zum Geburtstag eine Riesentorte und eine 2, während der Herr Papa, nur durch einen Graben separiert, gezwungen ist, dem Ganzen zuzuschauen.

Papa Nobody muss zuschauen, hat aber auch Geschenke bekommen – und zerfetzt.

Jedenfalls gehen die meisten Menschen davon aus, dass das so ist. Aber was wissen wir Menschen schon von Bärenkindergeburtstagen in den Anden?

Nobody hat seine Geschenke bereits fachmännisch zerlegt. Auf die Ankunft der Geburtstagskinder und ihrer Mama wartet das Publikum noch, darunter die drei Waldhunde, die seit einigen Jahren die Revierhälfte des Bärenvaters mitbewohnen. Sie sind auch ein bisschen neidisch auf die Geschenke. Offenbar so neidisch, dass sie Nobody im munteren Wechsel in den Popo beißen. Verjagt der genervte Brillenbär einen frechen Waldhund, schleicht sich der nächste schon wieder von hinten an. Heute nicht zu hören: Kumar, der Löwe, der zurzeit ebenfalls im Ukumari-Land der Brillenbären untergebracht ist, jedoch hinter den Kulissen, solange seine Partnerin Zarina die Amputationswunde ihres Schwanzes auskuriert, den sie sich quasi selbst abgebissen hat.

Zustände sind das … Wo aber bleiben Manu und Suyana? Die Situation erinnert ein bisschen an den ersten großen Pressetermin der beiden Bärchen, als im April 2018 eine Schar Fotografen wartete, aber die zwei Jungstars ewig brauchten, bis sie sich hinaustrauten. Noch heute bekommen Zooreporter einen ganz verklärten Blick, wenn sie die Bilder von damals anschauen, die tapsigen Kerlchen mit ihren Brillen auf den Nasen.

Mit der brillenartigen Gesichtszeichnung natürlich. Richtige Brillen brauchen sie nicht. Höchstens zum Lesen. Wenn ihnen in der Zeitung mal wieder jemand einen Bären aufbindet.

Heute sind Suyana und Manu längst nicht mehr schüchtern. Als die Schieber aufgehen, kommen sie aus der Höhle gestürmt, klettern auf ihr Baumgerüst und schnuppern zunächst an der großen 2, dann gezielt an der Geburtstagstorte, um sie sogleich herunterzureißen und auseinanderzunehmen. Zack! Ratazong!

Ein Waldhund. Jetzt tut er wieder so, als würde er niemals Brillenbären ärgern.

Die Torte ist bei intensiver Betrachtung nur rein optisch eine Torte mit zwei Kerzen. Genaugenommen handelt es sich um eine dreiteilige Pappkonstruktion. Eine gefüllte dreiteilige Pappkonstruktion. Womit gefüllt? „Nüsse und Hundefutter“, sagt Daniel Höflich. Er weiß das so genau, weil er selbst die Torte und die 2 gebastelt hat. Und die Geschenke für Nobody. Wie lange hat das gedauert? „Einen Tag“, sagt Höflich. Er kann die Bärchen an der Gesichtszeichnung unterscheiden. Bevor hier die Rührung überhandnimmt, schiebt er schnell hinterher: „Vor ihrem dritten Geburtstag müssen die weg. Eine 3 bastele ich nicht.“ Gelächter der Umstehenden. „Eine 3 ist mir zu schwierig!“ Höflich schaut gutmütig und grinst.

Aber klar, irgendwann werden die jungen Andenbären weiterziehen in andere Zoos, um weitere kleine Andenbären zu fabrizieren. Die Art ist gefährdet, der Mensch nimmt ihnen den Lebensraum. Tierparks helfen, den Bestand zu sichern. Wann wird der Abschied sein? Zoosprecherin Caroline Liefke hat Johannes Köhler gefragt, den zuständigen Kurator: „Es gibt zurzeit keine Pläne, die Brillenbären abzugeben, sie bleiben erst mal hier.“ Muss Daniel Höflich wohl doch die 3 üben?

Bämm! Manu hat die 2 auseinandergerissen, jetzt hängt nur noch ein Fragezeichen im Baumgerüst. Bewundernswert, wie die Fellbrummer in fünf Metern Höhe klettern und Geburtstagsgeschenke zerstören können. So eine Überraschung dient zur Verhaltensanreicherung, damit den Tieren in Gefangenschaft nicht langweilig wird. Das kennt man aus dem Sommer, wenn die Pfleger große Eisblöcke mit eingefrorenem Gemüse an die Räuber verteilen. Im Winter beschäftigen sie sich eher drinnen.

Obwohl: „Die gehen auch jeden Tag schwimmen“, sagt Höflich, „das Wetter ist denen egal.“ Außerdem schmeißen sie alles, was sie in die Tatzen kriegen, erst mal in den kleinen Teich. Ihr Lieblingsspiel. Deshalb sind die Torte und die große 2 auch oben in den Bäumen festgebunden. Sonst läge alles längst im Wasser.

Korrektur: Torte und 2 warenfestgebunden. Die Bärchen (und auch die Mama!) haben binnen kürzester Zeit alles abgerissen und weggenascht. Die Zerstörung ist vollkommen. Oder? Nein, jetzt wird alles in Kleinteile gefetzt. „So geht das den halben Nachmittag“, prophezeit der Tierpfleger, „es könnte ja noch irgendwo eine Nuss drin sein.“

Das denkt sich wohl auch der Bärenvater gerade und setzt an zu einem Sprungversuch über den Graben. Der wird doch nicht …? „Schafft er nicht“, sagt Daniel Höflich gelassen. Nobody dreht sich um und jagt den Waldhunden nach. Man munkelt, die hätten ihn ausgelacht.

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