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Die Worte fallen peu à peu, am Ende kommt das Resümee.
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Die Worte fallen peu à peu, am Ende kommt das Resümee.

Schulen in Frankfurt

Hanebüchener Mumpelix

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Das Frankfurter Diktatwettbewerbsfinale in der Schillerschule wird durch einen Föhn erst schön.

Bianca Taubenheim, Leiterin des Fachbereichs I der Freiherr-vom-Stein-Schule, ist eine strenge Diktantin. Streng, aber gerecht. „Handys sind absolut verboten“, stellt Taubenheim auf der Bühne der Aula der Schillerschule klar. Wer beim Abschreiben erwischt wird, verkündet die Diktantin, muss auf dem Stuhl der Schande, der auf der Bühne aufgebaut ist, Platz nehmen. Dann liest sie das Diktat vor.

Am Anfang hören sich die etwa 170 Lehrer, Schüler und Eltern, die es in das Frankfurt-Finale des Diktatwettbewerbes geschafft haben, den Text noch in aller Ruhe an. Er handelt von einer Person, der in eine WG ziehen will und es sich anders überlegt, weil die bereits von Arschgeigen bewohnt wird. Das freilich wird viel elaborierter ausgedrückt, und spätestens bei dem Satz „,Sonst kriege ich einen Föhn!‘, blaffte die eine, etepetete wirkende Mittzwanzigerin wenig ladylike“ glucksen die ersten Lacher der Verzweiflung auf. „Was soll das denn bedeuten?“, fragt sich ein Schüler, der noch weit vom Mittzwanziger entfernt ist. Auch die Worte „hanebüchen“ und „spornstreichs“ verursachen bei den Jungen eher ein Stirnrunzeln, während die Alten sich versonnen an Zeiten erinnern, als alles aus Holz und die D-Mark noch was wert war.

Das Tolle bei diesem Diktat: Die Diktierten korrigieren sich erst einmal selber. Nur die, deren Fehlerzahl sich unterhalb des Dutzends bewegt, haben eine Chance, in die Zweitkorrektur zu kommen und sich für den Diktatwettbewerb am 11. Mai 2017 zu qualifizieren, bei dem sich die besten Rechtschreiber aus Hessen, Hamburg, Münster, Osnabrück, Wiesbaden und dem Rhein-Pfalz-Kreis messen.

Während der Selbstkorrektur – die richtige Schreibweise wird auf einer Videowand gezeigt – klärt Melanie Kunkel, Dudenredakteurin und Juryvorsitzende, ein paar besonders komplizierte Fälle. Etwa das „Siebensachen“ zusammengeschrieben werden und stets ein Possesivpronomen brauchen. Oder dass man einerseits zwar „ausgesprochen ekelerregendes Wirrwarr“, andererseits aber „großen Ekel erregendes Wirrwarr“ schreiben müsse. Oder dass „hanebüchener Mumpitz“ eben so geschrieben wird, wie’s geschrieben wird. „Ich habe Mumpets geschrieben“, stöhnt eine Schülerin. „Und ich Mumpelix“, ärgert sich ihre Freundin, „das Wort kenne ich gar nicht!“

Und man lernt noch was fürs Leben: „Einen Föhn kriegen“ beziehe sich auf den Wind aus den Bergen und habe nichts mit dem Haartrockner zu tun, der zwar nach dem Bergwind benannt sei, aber vor der Rechtschreibreform ohne „h“ schlicht „Fön“ geschrieben wurde – weil seine Erfinder den Diktatwettbewerb wohl nicht gewonnen hätten.

Am Ende hat jeder die 1503 Zeichen für 222 Wörter – 63 davon knifflig – geschrieben. Durchschnittliche Gesamtfehlerzahl: 18,8. Es gewinnen bei den Schülern Matthias Tielmann von der Freien Christlichen Schule mit acht Fehlern, bei den Lehrern Elke Willmann von der Schillerschule mit neun Fehlern. Den Vogel aber schießen die Eltern ab: Es gewinnt Tatjana Koch, Schillerschulenmutter, mit dem hanebüchenen Ergebnis von nur sieben Fehlern. Kein Mumpitz!

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