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Nino Bleck (mitte) bei der Arbeit. Sie ist zweiten Monat ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin. 

Maßschneiderin

Handwerk in Frankfurt: „Im Studium fehlte mir die Praxis“

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Die 36-Jährige Nino Bleck studierte in Tiflis und Frankfurt. Doch nach einer Pause vom Studium merkte sie, dass erst der Beruf als Maßschneiderin sie glücklich macht.

Nino Bleck guckt auf ihre Arbeitsplatte. Vor ihr liegt ein blauer Stoff mit weißen Nadelstreifen in der Form eines einzelnen Hosenteils mit weißen Linien. Auf dem Boden liegen verteilt in der Werkstatt der Maßschneiderei Thießen und Hildebrandt in Frankfurt bunte Stofffetzen, mitten im Gang stehen zwei Modelle. Ihre Ausbilderin Corinna Bennecker sitzt auf dem Tisch und näht. Es sieht etwas chaotisch aus. Nino Bleck lächelt. Sie ist angekommen in einer Branche, in der sie ihrer Leidenschaft nachgehen kann – dem Nähen.

Erst Studium, dann Lehre

Die 36-jährige Georgierin befindet sich im zweiten Monat ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin. Für die dreijährige duale Ausbildung wird oft das Abitur verlangt, bei der schulischen Ausbildung reicht der Hauptschulabschluss. Im dritten Lehrjahr kann sich Bleck entscheiden, ob sie eher Maßschneiderin für Damen- oder Herrenmode werden möchte.

Doch so weit ist sie noch nicht, schließlich steht Bleck erst am Anfang ihrer Ausbildung. Sie arbeitet noch lediglich zu. Nähen, Kunden beraten, Maß nehmen – Bleck muss sich gedulden. Doch Geduld ist für die 36-Jährige kein Fremdwort, denn bis sie den Beruf für sich entdeckte, dauerte es mehrere Jahre.

Nino Bleck stammt aus Georgien. In Tiflis studierte sie Modedesign und Kunstgeschichte. In die Arbeitswelt wollte sie damals noch nicht gehen, sondern noch etwas Lebenserfahrung im Ausland sammeln. Sie entscheidet sich für ein Au-pair-Jahr in Deutschland. Aus dem einen Jahr sind mittlerweile zwölf geworden. „Ich fand Kunstgeschichte sehr interessant, vor allem wegen den verschiedenen Kulturen“, sagt sie. Deswegen schreibt sie sich im Jahr 2008 für das Studium an der Goethe-Universität ein. „Das Studium war interessant. Es hat Spaß gemacht“, sagt sie. Doch als Bleck heiratet und zwei Kinder bekommt, verändert sich ihr Leben. Sie muss sich für fast sechs Jahre von der Uni beurlauben lassen. In dieser Phase ihres Lebens hat die junge Mutter viel Zeit. „Wenn die Kinder abends im Bett lagen, habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt“, sagt sie. Das Nähen lernte sie schon als Sechsjährige. Es wird fortan zu ihrer Leidenschaft. Und sie fragt sich in dieser Zeit: „Was will ich beruflich machen?“.

Nino Bleck spielt mit dem Gedanken, zurück in ihre Heimat zu gehen und als Ausstellungskuratorin zu arbeiten. „Doch eigentlich wollte ich nicht weg aus Deutschland“, sagt sie. Als Modedesignerin wollte sie auch nicht arbeiten: „Im Studium haben wir mehr skizziert. Die handwerkliche Arbeit hat mir dort einfach gefehlt“, sagt sie. Und weiter studieren kam für sie auch nicht infrage. Sie wollte glücklich werden in dem, was sie so gern macht – dem Nähen. Nach einem Praktikum entscheidet sie sich für die Ausbildung zur Maßschneiderin. Doch trotz Abitur und abgeschlossenem Studium als Modedesignerin, war die Suche nach einem Ausbildungsplatz schwierig. „Nur wenige Betriebe bilden aus, dafür suchen sehr viele Leute eine Stelle“, sagt Bleck. In der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode gibt es in ihrem Jahrgang nur eine Klasse mit zehn Schülerinnen und Schülern. Dort sitzen Auszubildende aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.

Was ihr an dem Beruf gefällt? „Ich mag es mit den Stoffen zu arbeiten, sie in der Hand zu halten, die Stoffe kennenzulernen und es ist schön zu sehen, wie daraus Kleidung entsteht“, erklärt sie.

Zurück in die Werkstatt im Frankfurter Osten: Nino Bleck erklärt, dass die weißen Linien auf dem blauen Stoffteil als Orientierung dienen, um den Stoff zurechtzuschneiden. Das Schwierigste sei jedoch sich das Ganze dreidimensional vorzustellen, damit aus dem blauen Stofffetzen schlussendlich eine tragbare Hose entsteht.

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