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Handgefertigt statt Fast-Fashion

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Von: Lara Schulschenk

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Am Stand des jungen Modelabels "Passepartout" dekoriert Rosa Morales Kleider.
Am Stand des jungen Modelabels "Passepartout" dekoriert Rosa Morales Kleider. © Michael Schick

Beim zwölften Stilblütenfestival geht es um hochwertige Textilien und um den Kampf gegen die schnelle und billige Mode etablierter Ketten.

Hochwertige Stoffe, filigran geschmiedeter Schmuck und leuchtende Augen von Design-Liebhabern – das ist das jährliche Stilblütenfestival. Es hat Tradition. Ganz neu in der Ausstellungshalle im Brückenviertel ist dieses Jahr aber der Stand von „Passepartout“. Mit zwei Freundinnen zieht Clara Maldener ihr eigenes Modelabel hoch. „Das war eine spontane Idee. Wir dachten einfach, dass es so viel Scheißkleidung gibt. Also wollten wir lieber was Gutes machen“, erzählt die 20-Jährige.

Seit Anfang dieses Jahres wird aus dem schwammigen Einfall gestochen scharfe Realität. Zu dritt nähen die gelernten Maßschneiderinnen jedes einzelne Teil in ihrem Atelier in Offenbach. „Wir machen Kleidung, mit der man zu jedem Anlass gut angezogen ist.“ Auch das Gewissen soll mit den Teilen von „Passepartout“ bedient werden, denn alle verarbeiteten Stoffe kommen aus dem europäischen Ausland und sind laut GOTS-Zertifikat nachhaltig produziert.

Mit derartigen Qualitätsansprüchen sind die Newcomerinnen auf dem Stilblütenfestival in guter Gesellschaft. „Die Leute bekommen in ganz verschiedenen Bereichen zunehmend Lust auf Sachen mit Qualität, Wertigkeit und Nachhaltigkeit“, schätzt Steffen Mai den Trend ein. Stella Friedrichs und er organisieren das Design-Fest bereits im zwölften Jahr. „Das war anfangs ein Spaßprojekt, das sich dann als sehr erfolgreich herausgestellt hat und immer weiter gewachsen ist“, erzählt Friedrichs und erinnert sich an die erste Veranstaltung mit knapp sechs Ausstellern.

Offene Boutiquen im Viertel

Das liegt viele Jahre zurück. Mittlerweile ist das ganze Brückenviertel in das Event eingebunden. Deshalb wird „Stilblüten“ auch von den ansässigen Designern und Boutique-Betreibern keineswegs als bedrohliche Konkurrenz wahrgenommen. Vanesa Galassi von „cocoko“ erzählt, dass sogar das Gegenteil der Fall ist: „Letztes Jahr war das wirklich der Wahnsinn, sogar noch viel besser als das Sachsenhäuser Straßenfest. Die Leute, die kommen, haben großes Interesse an Design und Mode. Ich bin sehr glücklich darüber.“ Beim Late-Night-Shopping am Samstag des Festival-Wochenendes stromern die Besucher sogar bis Mitternacht durch die Geschäfte.

Die kleinen Boutiquen im Brückenviertel sind wohl auch die einzigen Geschäfte, in die Maldener von „Passepartout“ einen Fuß setzen würde: „Bei Herstellern wie H&M werden Arbeiter und Umwelt ausgebeutet, damit die Leute möglichst günstig möglichst viel einkaufen können. Obwohl man das alles gar nicht braucht. Ich finde, da ist die Verhältnismäßigkeit verloren gegangen.“

Auch der „Markt im Hof“ ist Teil des Stilblütenfestivals. Hier wird jeden Samstag ein kleines Streetfood-Festival gefeiert. Diesmal tummeln sich zusätzlich Stände mit Schmuck und ausgefallenen Accessoires. Mit einer Freundin sitzt Grietje Van Bentum aus Darmstadt im Schatten vor der Markthalle: „Es ist hier so entschleunigt. Man wartet auch mal eine Viertelstunde auf das Essen, aber dafür ist es nicht kommerziell, und man zieht es sich nicht einfach so nebenbei rein.“ Es zeichnet sich also ein Muster ab: Die Besucher bei „Stilblüten“ wollen weder Fast-Fashion noch Fast-Food.

Genau wegen dieser Atmosphäre gefällt es den Schneiderinnen von „Passepartout“ bereits beim ersten Mal ausgezeichnet auf dem Festival, erklärt Maldener: „Die Leute haben ein Bewusstsein für Qualität und wissen, dass das nicht teuer ist. Wir nähen vier Stunden an einem Oberteil, und für eine Hose brauchen wir acht Stunden. Da sind die Preise höher als bei Ketten, aber angemessen.“

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