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Joachim Stoll ist Vize-Präsident des Handelsverbands Hessen-Süd.

Einzelhandel in Frankfurt

Handelsverband fordert mehr Unterstützung

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Der Handelsverband Hessen-Süd fordert die Stadt auf, mehr für den Einzelhandel in Frankfurt zu tun.Sie soll vor allem bei der Digitalisierung und beim Stadtmarketing aktiver werden.

Der Handelsverband Hessen-Süd fordert die Stadt Frankfurt auf, mehr Maßnahmen zu ergreifen, um den Einzelhandel zu stärken. Besonders beim Stadtmarketing brauche es eine klare Struktur. „Wir brauchen keinen politischen Kampf, sondern alle Parteien müssen an einem Strang ziehen“, sagte Joachim Stoll, Vize-Präsident des Handelsverbands Hessen-Süd. Man dürfe sich nicht zu sicher sein, denn der Kunde müsse nicht unbedingt zum Einkaufen nach Frankfurt kommen. Andere Städte wie Hanau seien bei der Effizienz des Stadtmarketings schon weiter.

Der Vize-Präsident erklärte bei einem Gespräch über die Zukunft von Stadt und Handel in Frankfurt die aktuelle Situation und Trends im Handel. Demnach müssen Geschäfte zunehmend Erlebnis statt Versorgung bieten. Auch die Technik in den Läden werde weiter zunehmen. Als weiteres prägnantes Merkmal nannte Stoll den stark sinkenden Flächenbedarf bei vielen Anbietern.

Der Strukturwandel im Handel sei klar von der Digitalisierung geprägt. Kunden erwarten beispielsweise WLAN und mobile Bezahlmöglichkeiten mit dem Smartphone. Der Handel erweitere sich darüber hinaus mit elektronischen Preisschildern, die bei Kleidung auch verfügbare Größen und Farben angeben, sowie mit dem sogenannten verlängerten Regal. Dabei müsse nicht jeder Artikel vielfach im Laden vorhanden sein, sondern liege in Lagern oder beim Lieferanten. Dort könne er digital einfach geordert werden und sei am nächsten Tag zur Abholung bereit. Solche digitalen Aufrüstungen seien momentan für Händler gut realisierbar, da das Land Hessen einen Digitalzuschuss bis maximal 10 000 Euro biete.

Allerdings müsse die Stadt Frankfurt auch für die notwendige digitale Infrastruktur sorgen. Funklöcher und schlechtes Internet im S-Bahntunnel in der Innenstadt oder auch an anderen Orten zeigten, wie sehr man hinterherhinke. Stoll forderte digitale Werbeflächen in der Öffentlichkeit und WLAN in der Stadt. Auch bei der Mobilität müsse man digitaler denken, etwa beim Bezahlen von Parkplätzen. Die Bezahlung mit Karte oder Handy müsse möglich gemacht werden. Besonders stark fordert der Handelsverband die Schaffung eines neuen, ganzheitlichen und zeitgemäßen Verkehrskonzepts für die Stadt. Die Stärkung des ÖPNV und die Verhinderung von Fahrverboten seien aktuell die drängendsten Themen.

Zudem brauche es mehr Dynamik bei Entscheidungsprozessen und weniger Verwaltung. Auch die Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Raums müsste bei der Stadt einen hohen Stellenwert einnehmen – beispielsweise durch mehr Sicherheit und Sauberkeit.

Umsätze im Einzelhandel im Überblick: Der prognostizierte Umsatz des deutschen Einzelhandels lag 2018 bei 525 Milliarden Euro. Damit war er 2,3 Prozent höher als 2017.

53,6 Milliarden kommen dabei laut Prognose des Deutschen Handelsverbands aus dem Online-Handel, der damit um gut zehn Prozent gewachsen ist. Beide Umsatzangaben sind nur geschätzt, da die Dezemberzahlen noch nicht ausgewertet sind.

Während der Online-Handel weiter zulegt, stagniert der stationäre Handel zum größten Teil. mic

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