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Angehörige der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau 2020 halten bei einer Mahnwache vor dem hessischen Landtag Fotos der Opfer.
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Angehörige der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau 2020 halten bei einer Mahnwache vor dem hessischen Landtag Fotos der Opfer.

Anschläge von Hanau

Hanau: Mangelnde Hilfe nach Anschlag

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Im Untersuchungsausschuss des Landtags zum rassistischen Anschlag von Hanau haben Opfer-Angehörige und die Opposition deutliche Kritik geübt.

Die Lebensgefährtin von Fatih Saraçoglu, der beim Anschlag von Hanau ermordet wurde, kritisiert, dass es weder eine frühzeitige und kontinuierliche noch eine koordinierte Betreuung sowie Information der Angehörigen gegeben habe. „Ich hätte mir einen Ansprechpartner gewünscht, der mich durch die gesamte Situation begleitet“, sagte Diana Sokoli am späten Freitagnachmittag im Untersuchungsausschuss des Landtags. Gravierend sei auch gewesen, dass zwischenzeitlich nicht sicher gewesen sei, ob Saraçoglu unter den Opfern gewesen sei oder nicht. Und die Tatsache, dass sie als nicht verheiratete Partnerin keinen Anspruch etwa auf Akteneinsicht erhalte. Sie habe die Tat noch längst nicht verarbeitet, im Gegenteil: „Je mehr Zeit vergeht, desto mehr realisiert man es.“

Sokoli beklagt zudem, dass die Sicherheitsbehörden – die die Kritik zurückweisen – Alarmsignale vor der Tat nicht ernstgenommen hätten. Der Attentäter stellte unter anderem sechs Tage vor der Tat ein Schreiben mit rassistischen Vernichtungsfantasien ins Netz. „Ich werde weiter für Fatih kämpfen, auch wenn er nicht mehr lebt“, betonte die Verlobte von Saraçoglu.

Sie wurde als dritte Opferangehörige gehört, nach Vaska Zlateva, der Cousine von Kaloyan Velkov, und Hayrettin Saraçoglu, dem Bruder von Fatih Saraçoglu. Es war die erste öffentliche Sitzung des Ausschusses. Er soll vor allem die Frage klären, ob hessische Behörden in Zusammenhang mit dem Terroranschlag, bei dem aus rassistischen Motiven neun Menschen ermordet worden waren, Fehler gemacht haben. Das Gremium soll bis Ende 2022 tagen. Während der nächsten Termine kommen weitere Hinterbliebene zu Wort.

„Würdeloser Umgang“

CDU-Obmann Jörg Michael Müller sagte am Freitag: „Es ist richtig, den Angehörigen einen Raum zu geben, um deren Sicht auf diese Tat Raum zu geben.“ Grünen-Obfrau Vanessa Gronemann sprach von einem wichtigen Zeichen und fügte hinzu, die Angaben der Hinterbliebenen sollten die „Grundlage für die weitere Aufklärungsarbeit“ bilden. SPD, FDP und Linke übten derweil deutliche Kritik: „Die Angehörigen der Opfer von Hanau sind nicht zielgerichtet betreut worden“, bemängelte Jörg-Uwe Hahn (FDP). So hätten Hinweise auf die Möglichkeit gefehlt, psychologische und anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Laut Heike Hofmann (SPD) zeigten die Aussagen der Betroffenen, wie tief erschüttert das Vertrauen in den Staat bei ihnen sei. Sie kritisierte etwa, dass die Angehörigen vor Velkovs Obduktion nicht gehört worden seien, obwohl genügend Zeit gewesen sei. Saadet Sönmez (Linke) sprach von einem ignoranten und würdelosen Umgang hessischer Behörden mit den Angehörigen. Es habe beispielsweise an einer echten Notfallnachsorge und der Gelegenheit, vor den Obduktionen Abschied von den Toten zu nehmen, gemangelt.

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