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Mahnmal Hülya-Platz

Hammermann muss weg

  • Johannes Vetter
    VonJohannes Vetter
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Für das Mahnmal gegen Rassismus am Hülya-Platz in Bockenheim sieht die Stadt keine Zukunft. Bis zum Ende des Jahres muss die Skulptur entfernt werden. Der Hauptvorwurf lautet, dass es sich um ein Plagiat des Hammering Man von Jonathan Borofsky handelt. Der hat hingegen nichts gegen das Mahnmal.

Seit nunmehr 18 Jahren schlägt eine Nachbildung der Skulptur „Hammering Man“ am Bockenheimer Hülya-Platz auf ein Hakenkreuz ein. 18 Jahre, in denen sich die Stadt nie durchringen konnte, die Plastik anzuerkennen. Jedoch duldete sie das einst von Bockenheimer Antifaschisten errichtete Denkmal gegen Rassismus bislang.

Damit soll nun Schluss sein: Nach Informationen der FR will die Stadt den Aktivisten, die das Denkmal zuletzt am 29. Mai dieses Jahres erneuert hatten, nur noch bis zum Ende dieses Jahres eine Frist gewähren, um den Hammermann zu entfernen. Beharrlich werden von städtischer Seite die gleichen Argumente angeführt: Die mannshohe Skulptur sei nach rechtlicher Prüfung ein unzulässiges Plagiat. Beim Originalkunstwerk des US-amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky, das weltweit verbreitet ist, gelten die Hammerschläge einem Werkstück – Symbol für den arbeitenden Menschen. Die größte Version des Kunstwerks steht am Frankfurter Messeturm, keine zwei Kilometer vom Hülya-Platz entfernt.

Ortsbeirat will Skulptur retten

Dass die Bockenheimer Ausführung mit Hakenkreuz eine Urheberrechtsverletzung sei, damit will sich Mustafa Korkmaz von der Bockenheimer Initiative Hülya-Platz nicht abfinden. Schließlich habe der Künstler selbst ihm vor einem Jahr versichert, dass er nichts gegen die Skulptur am Hülya-Platz einzuwenden habe. Das habe er schriftlich. Auch die Stadt wisse, dass Borofsky nicht klagen wolle, sagt Korkmaz. Die Stadt sieht allerdings noch ein zweites Problem: das Hakenkreuz. Das Rechtsgutachten erkläre das öffentliche Zeigen des verformten verfassungsfeindlichen Symbols für unzulässig.

„Man weiß doch, worum es geht“, echauffiert sich Korkmaz. Schließlich sei das Symbol auch bei anderen Denkmälern gegen Rassismus zulässig, unter anderem in Solingen. Dort wurde nach dem rassistisch motivierten Brandanschlag von 1993 ebenfalls ein Denkmal gegen Rassismus unter Verwendung eines verformten Hakenkreuzes errichtet. Das Mädchen Hülya Genç war eines der fünf Opfer des Anschlages– eben jene Hülya, die dem Platz in Bockenheim ihren Namen gab. Der „Hammering Man“ war in Reaktion auf die Solinger Brandanschläge aufgestellt worden. Mittlerweile würde die Skulptur allgemein als Symbol des Widerstandes gegen Rassismus verstanden, erklärt Korkmaz. Nach 18 Jahren sei sie „zu einem Stück Geschichte“ im Stadtteil geworden. Der zuständige Ortsbeirat 2 sieht das ähnlich: Geschlossen hat er sich für einen Erhalt des Denkmals ausgesprochen.

Widerstandslos will Korkmaz die Skulptur nicht abräumen: „Wir werden uns starkmachen, dass sie bleibt.“ Schon 2007 hatte die Stadt den Hammermann beseitigen lassen – die rostige und scharfkantige Figur habe ein Risiko für die Kinder dargestellt. Die jetzige Ausführung hat eine Bockenheimer Rentnerin gestiftet.

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