Frankfurt

Halbwelt im Frankfurter Gerichtssaal

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Der Andrang im Landgerichts ist groß, und eine Zeugin wird jetzt als Tatverdächtige ins Spiel gebracht.

Der Andrang ist groß beim Prozess um den Mord an einer Frankfurter Szenefrau. Nicht nur bei den Medien, auch die Zuschauerränge sind voll besetzt. Neben den üblichen Berufszuschauern sind Bekannte aus dem Umfeld von Angeklagtem und Opfer gekommen. Zu sehen sind viele Tattoos, noch mehr nackte Haut und Schmuck. Doch nicht jeder darf die Verhandlung verfolgen. „Ist hier irgendjemand im Saal, der als Zeuge geladen oder vorgesehen ist?“, fragt der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan nachdrücklich. Eine aufgetakelte Blondine in der letzten Reihe erhebt sich und stöckelt beleidigt nach draußen. Auch ein deutlich unauffälliger gekleideter Mann muss sich trollen. Jener Geschäftspartner von Jan M., der dem Angeklagten in drei Tranchen 120 000 Euro zukommen ließ, weil er dachte, M. würde das Geld in gemeinsame Gastronomieprojekte stecken. Sicherlich hätte der langjährige Bekannte gerne mal gehört, was der Prozess gegen seinen früheren Geschäftspartner noch so zutage fördert. Doch der Mann soll auch im Zeugenstand gehört werden und darf den Prozess bis zu seiner Aussage nicht verfolgen.

Auch eine andere Bekannte des Angeklagten soll in der kommenden Woche gehört werden: Stanislava T. hatte einst die verhängnisvolle Verbindung zwischen Angeklagtem und Opfer hergestellt. Sie hatte M. bei der Polizei belastet. Sie habe mit Irina A. im Auto gesessen, als in einem Telefonat mit Freisprecheinrichtung das abendliche Treffen zwischen M. und A. im Niddapark vereinbart worden sei. M. selbst ließ im Gegenzug kein gutes Haar an T. Sie sei eine Prostituierte, „ein linker Vogel“, soll M. in der polizeilichen Vernehmung gesagt haben.

Die Verteidigung geht noch einen Schritt weiter und sieht in T. selbst eine mögliche Tatverdächtige. Sie habe bei ihren polizeilichen Vernehmungen gelogen und sei auch am Tatort gewesen. Vielleicht waren es aber auch nur ihre Schuhe, die am Tatort waren. Denn vor dem verhängnisvollen Treffen im Niddapark hatte A. sich umgezogen. Tagsüber noch im Kleid, war sie abends in eine schwarze Latzhose und ein schwarzes T-Shirt von Stanislava T. geschlüpft. Warum, wird möglicherweise kommende Woche geklärt.

Das Gericht lehnte den Antrag der Verteidigung, T. als eine der ersten Zeuginnen zu vernehmen, ab. Immerhin wies es die Nebenklagevertreterin Anette Flach an, sich nicht vorab mit der Zeugin auszutauschen. Dies befürchtet die Verteidigung. Flach gab an: „Ich kenne sie eigentlich nicht so gut.“ Das Gericht befand, dass dies vorerst auch so bleiben solle. Flach vertritt die Eltern der Ermordeten als Nebenklägerin. Irina A.s Eltern waren dem Spektakel am Dienstag übrigens ferngeblieben.

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