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Haftstrafe für Totraser vom Mainufer

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Von: Stefan Behr

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Fünf Jahre und drei Monate im dritten Prozess um Unfall vom April 2015

Das Landgericht hat den 27 Jahre alten Yassine A. wegen Totschlags und Straßenverkehrsgefährdung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. A. war im April 2015 als damals noch Heranwachsender (20) in einem 300-PS-Mietwagen mit mehr als 140 Kilometern pro Stunde die Mainuferstraße entlanggerast und hatte sich dabei um rote Ampeln nicht geschert. Auch am Schwanheimer Ufer missachtete er eine solche und raste in den Audi des 43 Jahre alten André H, der bei Grün auf die Autobahn abbiegen wollte. Der angeschnallte H. starb noch am Unfallort. Der nicht angeschnallte A. erlitt dank der soliden Panzerung seines BMWs ein paar Prellungen. Der junge Mann war damals bereits zuvor wegen einiger Geschwindigkeitsübertretungen unangenehm aufgefallen - sowie dadurch, dass er eine ihm fremde Autofahrerin, durch deren langsames Tempo er sich in seiner Ehre verletzt fühlte, mit dem Satz „Du Hure, ich fick‘ dich!“ bedroht und beleidigt hatte.

Das jüngste Urteil ist eine weitere Station in einem sich schier endlos ziehenden Verfahren. Das Landgericht hatte A. erstmals im Dezember 2016 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt – ein für fahrlässige Tötung relativ hohes Strafmaß, aber auch in diesem Prozess war er ursprünglich wegen Totschlags angeklagt gewesen.

Sowohl A. als auch die Staatsanwaltschaft hatten Revision eingelegt, der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil auf.

Im zweiten Prozess wegen Totschlags wurde A. dann vom Landgericht 2019 zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt. Auch hier ging A. in die Revision. Abermals hob der BGH das Urteil auf, beschränkte sich aber in diesem Falle auf das Strafmaß. Die Schuld des Angeklagten stand beim erneuten Prozess also nicht mehr zur Debatte. Dass das Strafmaß trotz Verschlechterungsverbots und der Tatsache, dass A. wegen „rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung“ zwei Monate der Strafe erlassen wurden, nun trotzdem höher ausgefallen ist, liegt daran, dass die Kammer eine zwischenzeitliche Verurteilung wegen Wohnungseinbrüchen miteinbezogen hat.

Auch der dritte Prozess brauchte drei Anläufe: Zwei Termine im vergangenen November und im Januar dieses Jahres waren wegen Corona-Erkrankungen abgesagt worden. Ob die Sache mit dem jüngsten Urteil nun endlich abgeschlossen ist, darf getrost bezweifelt werden. Das neue Urteil ist noch nicht rechtskräftig und A.s Verteidiger, der auf eine Freiheitsstrafe von höchstens vier Jahren plädiert hatte, hat bereits angekündigt, eine erneute Revision zumindest wohlwollend zu prüfen.

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