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Da hatten sie noch gut lachen - Palmengarten-Chef Matthias Jenny (l.) und Gartenbauer Stefan Brandhorst im Mai 2014.

Stadtbegrünung

Hängende Gärten fallen flach

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500 Meter Grün - so war es geplant. Doch nun gibt der Palmengarten sein Großprojekt am Alleenring auf. Die innovativen Konzepte der Bewerber haben die Verantwortlichen nicht überzeugt. Statt dessen setzen sie lieber auf traditionellen Efeu.

Die „Hängenden Gärten“ von Babylon, die einst im Zweistromland geblüht haben sollen: Sie zählten zu den sieben Weltwundern. Nicht ganz leicht also, etwas wachsen zu lassen, das keinen Kontakt zum Boden hat – dieser Erfahrung muss jetzt auch der Palmengarten Tribut zollen. Die vertikalen Gärten vom Westend, seit 2011 mit viel Hingabe angestrebt, wird es so nicht geben.

„In absehbarer Zeit nicht“, sagt Palmengartendirektor Matthias Jenny. Die getesteten Verfahren aus den vergangenen Jahren hätten keine befriedigende Lösung gebracht: „Es war eigentlich nichts dabei, das uns überzeugt.“

Frosttest mangelhaft

In einer Machbarkeitsstudie für rund 80 000 Euro hatten sich der Palmengarten und die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung an Gartenbaubetriebe gewandt: Wer hat das beste Konzept für einen 500 Meter langen hängenden Garten entlang der Miquel- und Zeppelinallee, fast bis zur Bockenheimer Landstraße? Fans der Fassadenbegrünung warteten gespannt auf das Ergebnis. Vier Unternehmen entwickelten Ideen und bepflanzten Testflächen zu je 15 Quadratmetern mit Heuchera, Storchschnabel, Roter Schwester, mit bunten und wohlklingenden Gewächsen. Und mit unterschiedlichem Erfolg: Eine Firma verlor im Testzeitraum 131 Pflanzen durch zu starke Bewässerung. Und mit unterschiedlichem finanziellen Aufwand: Ein Bewerber kam mit knapp 350 Euro pro Quadratmeter aus, ein anderer brauchte fast das Doppelte.

Hauptproblem jedoch war die fragwürdige Winterhärte der Anlagen. Das Wasser muss zur Pflanze gepumpt werden, darf aber auf dem Weg nicht gefrieren und die Rohre sprengen. „So eine Anlage ist kompliziert und frostanfällig“, sagt Jenny. „Wenn wir anfangen müssen, sie zu heizen, hört die Ökologie definitiv auf.“

500 000 Euro Investition

Den Nachweis der Frostbeständigkeit konnten die vier Testkandidaten im Winter 2013/2014 nicht erbringen, weil der Winter viel zu mild war. Also gaben die Auftraggeber dem besten der vier Teilnehmer einen weiteren Winter Zeit. Mit dem Resultat war man im Frühjahr nicht wirklich zufrieden. „Bei so einem Riesenprojekt müssen wir schon sicher sein, dass es klappt“, so Jenny. Immerhin würden für die ganze Strecke an der Allee mindestens 500 000 Euro fällig – ohne Folgekosten für Pflege und Personal.

Jörg Plaßmann, zuständig für die Gestaltung der Palmengarten-Außenanlagen, setzt nun auf klassische Kletterpflanzen am langen Zaun: Clematis, Kletterhortensien, „also Wandbegrünung, kein hängender Garten, aber auf jeden Fall mit verschiedenfarbigem Efeu“. Und alles brav mit Wurzeln im Boden. „Das Klima hier ist eben nicht wie in den Tropen“, sagt Matthias Jenny.

Muss es auch nicht sein, sagt Stefan Brandhorst von der Vertiko GmbH im Schwarzwald, der letzten im Test verbliebenen Gartenbaufirma: „Wir haben hier bei uns vertikale Gärten, die seit Jahren die Winter überstehen.“ Das Problem sei auch nicht die Bewässerung – Probleme mache eher der Dickmaulrüssler, ein gefräßiger Käfer. Brandhorst jedenfalls will noch nicht aufgeben. Er hofft, dass er doch noch eine Chance bekommt, den Palmengarten mit Storchschnabel und Roter Schwester zu verkleiden.

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