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Echte Helden haben Bäuche.
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Echte Helden haben Bäuche.

Gallus

Haariges Ballett

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Die Silberfunken laden zur Weiberfastnacht zum Turnier für Männertanzgruppen. Noch sind einige Startplätze frei.

Typisch Mann. Einfach nur ein bisschen tanzen und Spaß haben ist seine Sache nicht. Entweder er steht mit einem Bier in der Hand missmutig am Rand der Tanzfläche oder er übertreibt und versucht, Patrick Swayze und John Travolta wie nasse Säcke aussehen zu lassen.

Ramona Hirsch seufzt. „Viele Männerballett-Gruppen gehen inzwischen auf das Perfekte“, sagt die Vorsitzende des „Carnevalclub Silberfunken 92“. „Sie sind männliche Showtanzgarden.“ Die Silberfunken wollen dem Trend entgegensteuern. Beim Verein aus dem Gallus darf das Männerballett einfach nur lustig sein. Die Tänzer müssen ihr Bäuchlein nicht verstecken, es kann auch mal einer aus der Reihe tanzen. „Wir wollen zum Ursprung zurück“, sagt die 44-Jährige.

Der hehren Absichtserklärung lässt der Verein Taten folgen. Seit vergangenem Jahr veranstalten die Silberfunken ein eigenes Männerballett-Turnier zur Weiberfastnacht. Dort bewertet die Jury zwar auch synchrone Tanzschritte positiv und schaut, ob Kostüme, Tanzfiguren und Musik überhaupt zueinander passen. Es steht aber auch die Kategorie „Komik und Sexappeal“ auf dem Bewertungsbogen. Und was wäre attraktiver beim Herren als Humor und ein kleines Bäuchlein?

Sechs Gruppen sind bei der Erstauflage in der Kampagne 2016 angetreten. Bald, am 23. Februar, steht die zweite Runde an. „Die Männer haben sich so wohl gefühlt, dass sie gleich wieder zugesagt haben“, erzählt Hirsch. Auch das Publikum habe „einen Riesen-Spaß“ gehabt. Es sind auch noch Startplätze frei. Wer mittanzen möchte melde sich bei Ramona Hirsch (siehe separate Info-Box).

Das Tanzturnier ist die zweite große Veranstaltung die der kleine Verein in den närrischen Tagen stemmt. Am 4. Februar stellen die Silberfunken eine eigene Sitzung im Saal der Kirchengemeinde Maria Hilf auf die Beine. Auch dort wird natürlich ein Männerballett zum Programm gehören, außerdem Schautänze und Festreden zum Geburtstag des Vereins.

25 Jahre gibt es die Silberfunken nun. Ein weiterer Beleg dafür, dass nicht nur Heddernheim, sondern auch das Gallus als Frankfurter Karnevalshochburg gelten kann. „Es ist einer der wenigen Stadtteile, in denen es gleich mehrere Karnevalsvereine gibt“, sagt Hirsch. Etwa die Stadtgarde oder die Kameruner.

Dabei zählen die Silberfunken nur 50 Mitglieder, die Hälfte davon ist jünger als 18 Jahre. „Wir machen viel Jugendarbeit“, sagt die Vorsitzende. Vier Tanzgruppen gibt es, die Mini-Diamonds für die Kinder, die violet Diamonds für die Teenager von neun bis 15 Jahren, und die große Garde, die Funky Diamonds. Und natürlich die Silberelfen HC 09. „Das HC steht für Handtaschen-Club“, erklärt Hirsch. Mann ahnt es: Der Handtaschen-Club ist die Tanztruppe mit Brustbehaarung.

„Sie müssen bei jedem öffentlichen Auftritt ihre Handtasche mitführen“, sagt Hirsch ernsthaft, „sonst gibt es eine Strafe.“ Sie kichert. „Irgendeinen peinlichen Blödsinn, ein bisschen wie beim Flaschendrehen.“ Es sollen ja alle etwas davon haben.

Eigentlich wollte Ramona Hirsch Eiskunstläuferin werden. Sie habe aber den richtigen Moment verpasst, damit anzufangen. Dann, als sie zehn Jahre alt war, lag ein Flyer im Briefkasten, die Schlaumeier suchten Tänzerinnen. 34 Jahre später ist sie Gründungsmitglied der Silberfunken, Vorsitzende und Trainerin.

Beim Tanzturnier zur Weiberfastnacht sind Männer übrigens nur auf der Bühne erlaubt oder als Schank-Personal. Oder sie sind richtig gut als Frau zurecht gemacht. „Aber nicht einfach nur einen Rock anziehen und den Schnäuzer dran lassen“, mahnt Ramona Hirsch.

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