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Gymnasium Süd: Schule im Aufbau

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Von: Sandra Busch

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Am Gymnasium Süd wird im Gebäude einer ehemaligen Förderschule gelehrt und gelernt – bis zum Umzug 2024.
Am Gymnasium Süd wird im Gebäude einer ehemaligen Förderschule gelehrt und gelernt – bis zum Umzug 2024. christoph boeckheler © christoph boeckheler

Am neuen Gymnasium Süd in Sachsenhausen können alle noch viel mitentscheiden.

Im Klassenraum der 5a des Gymnasiums Süd hängt ein Plakat. Die Namen der Schülerinnen und Schüler sind darauf geklebt, alle haben sich dazu ein Adjektiv mit dem Anfangsbuchstaben des Vornamens ausgesucht. Abdulhadi hat sich für „aktiv“ entschieden. Kavihasini für „hübsch“. Weil „alle mich Hasini nennen“, erklärt sie. Und über all den Namen steht „Wir, die abgefahrene 5a“. Logisch, für die 5a braucht es auch ein entsprechendes Adjektiv. Und abgefahren, ja, das finden die Klassensprecher:innen Abdulhadi und Kavihasini völlig passend.

Abgefahren würde nach dieser Regel natürlich nicht zum Gymnasium Süd passen. Falscher Anfangsbuchstabe. Grandioses, geniales, großartiges Gymnasium Süd, das würde gehen. Aber Schulleiter Thomas Strauch hält sich nicht an die Regel, als er über das Konzept der Schule spricht. Er nennte es „bewährt“. Und meint damit, dass ganz klassisch Leistung mit Ziffernnoten beurteilt wird, dass Kinder in ihren Klassen lernen. Aber natürlich gibt es Schwerpunkte und Besonderheiten an der Schule.

Das Gymnasium Süd hat seine Türen in diesem Schuljahr geöffnet. Im Gebäude einer ehemaligen Förderschule in Sachsenhausen sind die sechs fünften Klassen untergebracht. Groß ist das Gebäude nicht, für den nächsten Jahrgang müssen bereits Container auf den Schulhof gestellt werden. Geplant ist aber, dass die Schule im Jahr 2024 umzieht. Sie bleibt im Stadtteil, siedelt um ins ehemalige Behördenzentrum in der Seehofstraße. Sollte das doch nicht so schnell klappen und die Schule drei Jahre am jetzigen Standort bleiben müssen, „dann geht das auch“, sagt Strauch. Aber er habe noch nichts davon gehört, dass der Plan nicht eingehalten werden könne.

Schwerpunkte des Gymnasiums sind die MINT-Fächer und ein bilinguales englisches Angebot. Außerdem gibt es eine Stunde Medienbildung in der Woche. Wichtiger Schwerpunkt ist auch das fächerverbindende Lernen. Heißt, dass ein Thema in mehreren Fächern gleichzeitig behandelt wird. Für Strauch kann „ein Großteil der Fragestellungen der Welt nur so begriffen werden“. Gerade hat es eine solche Unterrichtseinheit gegeben. Zu Ernährung. Kunst, Biologie, Englisch – überall ging es um Ernährung. Das Frankfurter Slow Mobil war da und hat den Kindern gezeigt, wie viel Spaß es macht, selber zu kochen.

Eine Schule im Aufbau ist immer eine Herausforderung. Der Förderverein wird gerade gegründet, es wird noch an der Rhythmisierung des Schultags gearbeitet. Aber eine Schule im Aufbau ist immer auch eine Chance. „Wir dürfen mitentscheiden“, sagt die elfjährige Marie. Zum Beispiel beim Schulfahrtenkonzept. „Ich wünsche mir eine Skifreizeit“, sagt Marie. Und auch bei der Schulhofgestaltung reden alle mit. „Wir wollen eine Netzschaukel, ein Trampolin, ein Klettergerüst“, zählt Marie auf. Und Kavihasini will Bänke unter Dächern, damit man beim Essen nicht nass wird, wenn es regnet. Der elfjährige Josef ist für Bänke unter Bäumen. Und Strauch hofft auf ein Grünes Klassenzimmer.

Mehr als die Hälfte der 144 Schülerinnen und Schüler haben im Gründungsjahr das Gymnasium Süd gewählt. Aber wie oft an neuen Schulen – es sind eben nicht alle freiwillig da. Abdulhadi wollte eigentlich aufs Adorno-Gymnasium, Kavihasini und Josef aufs Gymnasium Riedberg. „Ich wohne da in der Nähe, nun muss ich früher aufstehen“, sagt Josef. Fand er erst nicht so toll. „Aber ich hab schnell Freunde an der neuen Schule gefunden, und ans frühe Aufstehen hab ich mich auch gewöhnt.“ Alle sind zufrieden mit ihrer neuen Schule. Und sie finden es gar nicht so schlecht, dass sie stets die Größten sein werden. „Dann kann man den Kleineren immer etwas beibringen, wenn sie kommen“, sagt Abdulhadi.

Das neue Gymnasium soll auch inklusiv arbeiten. Bei der Vorstellung der neuen Schule vor einem Jahr sprach Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamtes, davon, dass die Schule „Modellcharakter“ bekommen könnte. „Der inklusiven Bildung wollen wir uns stellen“, sagt Strauch. Doch es habe keine Anmeldungen dafür gegeben. Und in dem Gebäude sei es auch nicht einfach, sagt Strauch. „Bauliche Maßnahmen werden hier nicht mehr durchgeführt.“ Denn die Schule soll ja eigentlich nur zwei Jahre an dem Standort bleiben.

Für den neuen Standort wünscht sich Strauch kulturelles Leben. Dass es etwa Konzerte geben wird, dass sich die Schule dem Stadtteil öffnen kann. Aber nun steht für die Viertklässlerfamilien erst einmal die Entscheidung an, eine weiterführende Schule zu wählen. Am 28. Januar gibt es einen Tag der offenen Tür am Gymnasium Süd, vier digitale Informationsveranstaltungen hat die Schule angeboten. Alle sind ausgebucht. „Die Resonanz ist gut“, sagt Strauch. „Ich hab das Gefühl, dass man über das Gymnasium Süd spricht – und zwar ganz gut.“

Kavihasini, Marie, Abdulhadi und Josef sind zufrieden mit ihrer neuen Schule.
Kavihasini, Marie, Abdulhadi und Josef sind zufrieden mit ihrer neuen Schule. © christoph boeckheler

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