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Das Reparaturcafé der AWO Frankfurt im Gutleut. Bild: Monika Müller

Gutleut

Reparieren, Helfen, Kaffee trinken

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Das Reparaturcafé der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt im Gutleut bringt Menschen zusammen.

Kaffeestube Gutleut“ steht an den Fenstern der Gutleutstraße 131, einige hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt. In dem von der evangelischen Hoffnungsgemeinde zur Verfügung gestellten Raum trifft sich die Nachbarschaft. Man isst zusammen Mittag, hält Pläuschen und lernt sich kennen. Alle zwei Monate, so wie an diesem Samstag, organisieren zwei Mitarbeiterinnen der AWO und die Koordinatorin Gaby Nowatzyk ein Reparaturcafé. Ehrenamtliche vom Fach, Elektriker, Mechaniker und Näher, helfen den Besuchern mit kaputten Geräten: Es geht um Nachhaltigkeit, um Nachbarschaftshilfe und ums Zuhören.

Die Klientel ist bunt vermischt. Kinder, Senioren, Menschen, die hier seit langem leben und Menschen, die neu sind. „Ich glaube, das Besondere ist, dass viele das Angebot der Reparatur tatsächlich deswegen nutzen, weil es sich finanziell lohnt. Dann kommt noch das Reden hinzu und der Kaffee und Kuchen. Einige erzählen von ihren Problemen, und wenn wir helfen können, helfen wir auch da“, sagt Nowatzyk. So hat etwa Mounzer Jali, der aus Syrien nach Deutschland kam, gemeinsam mit den Mitarbeitern einen Job gefunden. Arbeitssuche erweist sich, trotz Ausbildung, als Neuankömmling oft schwieriger als gedacht, da Auslandsabschlüsse nicht anerkannt werden. Nun hilft Jali auch beim Reparieren mit, schraubt an Taschenlampen und Kassettenrekordern rum.

Der Mann, der ihm die kaputte Lampe brachte, kommt aus Äthiopien und wohnt seit 30 Jahren im Gutleutviertel. Er beschreibt das Café als einen Ort des Miteinanders und der Hoffnung: „Auch wenn es komisch klingt: Wenn wir die Welt vor Vermüllung und Umweltverschmutzung retten wollen, müssen wir mit so was anfangen.“

Seit Januar 2019 gibt es das Reparaturcafé schon: „Als wir angefangen haben, war ich überrascht, wie gut solche sozialen Projekte anschlagen“, sagt Nowatzyk. „Es gibt ein weit gefächertes Angebot, von dem man als Außenstehender teilweise viel zu wenig mitbekommt.“ Von einem Nachbarschaftsbüro der AWO aus geleitet, bringen Aktionen wie diese die Stadtteilgemeinschaft zusammen. Die Helfer kennen das Viertel oft schon lange. Monika Debus-Lenz, ehemalige Hauswirtschaftsleiterin, erinnert sich: „An meinem ersten Arbeitstag hier konnte ich aus meinem Fenster auf den Main sehen und dachte: Vielleicht ist es doch ganz schön hier. Ich blieb bei der Stelle. Jetzt bin ich mit diesem Stadtteil fünfzig Jahre verbunden.“ Orte wie die Kaffeestube liegen ihr am Herzen.

Das Prinzip geht auf: Zwischen 14 und 17 Uhr kommen ständig Leute rein, bringen kaputte Föns, Mikrowellen, Hosen und T-Shirts. Lassen sich zwar gerade elektronische Geräte aufgrund neuer Techniken, die es Kunden nahelegen möchten, Dinge der Einfachheit halber neu zu kaufen, schwer aufschrauben, gehen doch die meisten zufrieden wieder nach Hause. Sie zeigen sich erkenntlich, wo sie können, möchten dem Raum Möbel stiften, spenden unaufgefordert und bedanken sich ausgiebig. Auch lange nach der eigentlichen Reparatur sitzen sie noch beisammen und genießen den Nachmittag. Zu Recht, denn der nächste Termin ist erst wieder am 25. April.

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