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Fotografin Watsamon Tri-yasakda aus Bankok.

Gutleut-Viertel

Manche feiern, manche hadern

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Zwölf Fotografen aus Ostasien zeigen ihren Blick auf die Jugend im Basis-Kunstverein. 

Der erste Blick fällt auf die einheitlich weißen Hemden. Die Portraits der zehn jungen Menschen könnten kaum konformistischer wirken, die in der Ausstellung mit dem Titel „We will have been young – Junge fotografische Positionen aus Südostasien“ im Kunstverein „Basis“ seit Donnerstag zu sehen sind. Alle Jugendliche tragen thailändische Schuluniformen. Erst beim Blick auf die weiteren Fotos zeigt sich die Individualität, während sie in unterschiedlichen Shorts ihrer jeweiligen Schule posieren.

Fotografiert hat die Schüler Watsamon Tri-yasakda. Sie ist eine von zwölf jungen Fotojournalistinnen und –journalisten aus Südostasien, die ihre persönlichen Perspektiven auf junge Menschen aus ihren Heimatländern zeigen. „Viele junge Leute hadern heute mit ihrer Zukunft“, sagt Kurator Vignes Balasingam vom Obscura Fotografie-Festival in Malaysia, bei dem die Fotografen aus acht Ländern in Workshops ihre Projekte erarbeitet haben. Niemand frage sie, wer sie seien. Stattdessen, werde nur gefragt, wer sie sein wollten.

Für ihr Foto-Projekt hat Tri-yasakda Schüler gesucht, die zwar als Männer geboren wurden, sich jedoch als transsexuell sehen. Thailand gelte als liberal gegenüber Trans- und Homosexuellen, berichtet die 28-Jährige. Trotzdem gebe es keine gleichgeschlechtliche Ehe. Die Fotografin, die sonst für die Tagespresse arbeitet, sagt: „Die Leute sind toleranter als das Gesetz.“

In Hanoi hat Linh Pham seine Kamera in Diskotheken mitgenommen. Nach der Sperrstunde, die in Vietnam bereits um 23 Uhr sei, werde dort hinter verschlossenen Türen illegal weiter gefeiert, berichtet der 27-jährige Fotojournalist. Die Aufnahmen – nah dran an den Tanzenden, mal im Rausch, mal beim Ausnüchtern – erinnern an zufällige Party-Fotos. Im Kontrast zu seiner täglichen Arbeit habe er eben keine perfekten Fotos schießen wollen, berichtet Pham. Genauso stünden die illegalen Feiern im Gegensatz zum Konzept der Regierung, die mit der frühen Sperrstunde eine rigide Politik durchsetzen wolle. Davon ließen sich die Jungen jedoch nicht abhalten. Er würde zu solchen Parties eigentlich nicht gehen, sagt Pham. Doch die Gespräche mit den Mentoren des Workshops, den Berliner Fotografen Jörg Brüggemann und Tobias Kruse, hätten ihn inspiriert, die Party-Szene fotografisch zu dokumentieren.

Die Aufnahmen der Ausstellung wurden in Kooperation mit dem Goethe-Institut bereits in mehreren südostasiatischen Ländern gezeigt und werden im Anschluss an die Schau in Frankfurt in Berlin zu sehen sein.

Zur Sache

We will have been young ist bis 12. Mai in den Räumen des Kunstvereins Basis, Gutleutstraße 8 – 12, zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Eine Podiumsdiskussion mit den Fotografen ist am Sonntag, 10. März, 16 Uhr unter dem Titel „Perspectives on youth and identity in Southeast Asia“. (cd)

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