+
Mohammed Monzer Aljali ist Elektrotechniker und repariert ehrenamtlich im Reparaturcafe der AWO und des Nachbarschaftsbüros.

Gutleut

Kleine Hilfen für die Nachbarschaft

  • schließen

Acht Ehrenamtliche reparieren in der Hoffnungsgemeinde defekte Dinge anderer, die noch zu schade zum Wegwerfen sind.

In der Kaffeestube der Evangelischen Hoffnungsgemeinde in der Gutleutstraße 131 wird am Samstagnachmittag konzentriert geschraubt, gebastelt und genäht. Mounzer Aljali hält einen kaputten alten Walkman in den Händen, den ein Besucher zu dem neuen „Reparatur-Café“ im Gutleut mitgebracht hat. Den Deckel hat Aljali abgeschraubt und auf einen Tisch vor sich neben sein Werkzeug gelegt. Eine Kassette mit der Aufschrift „Soft Oldies“ liegt daneben.

Der 28-Jährige ist einer von acht Ehrenamtlichen, die am Samstag Hab und Gut anderer reparieren. Mit einer Pinzette in der Hand rückt Aljali dem mobilen Kassetten-Abspielgerät zu Leibe, um es wieder zum Laufen zu bringen. Der junge Syrer hat in Damaskus Elektrotechnik studiert, ehe er vor dem Bürgerkrieg flüchten musste. Er sagt: „Ich bin technisch begabt und repariere gerne alles per Hand“. Er möge die „präzise Arbeit“, die dahinter stecke. Auch Handys, bei denen häufig Displays oder Batterien defekt seien, repariert er selbständig.

Das Nachbarschaftsbüro und die Ehrenamtsagentur der Arbeiterwohlfahrt haben das Reparatur-Café gemeinsam ins Leben gerufen. Brendan Berk, von der Ehrenamtsagentur, sagt: „Wir wollen Leute aus der Nachbarschaft zusammenbringen.“ Daher werden auch heiße Getränke und Kuchen gereicht.

Eine Frau, die den Schalter ihrer Lampe gerade von einem anderen Besucher reparieren lässt, berichtet: „Ich bin mit der Idee gekommen, dass man zusammen repariert“. Nun habe sie sich bei Kaffee und Käsekuchen verquatscht, ergänzt sie lachend. An defekte elektrische Geräte würde sie sich aber ohnehin nicht so sehr ran trauen. Ein Experte für Elektrogeräte werde auch noch gesucht, berichtet Berk.

Quartiersmanagerin Amanda Bruchmann vom Nachbarschaftsbüro sagt: „Im Gutleut fehlt es an Infrastruktur.“ Dennoch betrachte sie das Werkstatt-Café nicht als Konkurrenz zu vorhandenen Geschäften, sondern vielmehr als „Ergänzung“. Julitta Zirkelbach sitzt an ihrer funktionstüchtigen Nähmaschine, die die Sachsenhäuserin von Zuhause mitgebracht hat. An diesem Nachmittag habe sie abgerissene Knöpfe an ein Hemd und ein Kleid aus Vorhangstoff genäht, berichtet sie. Monika Debus-Lenz sitzt ihr gegenüber und fädelt mit einer Nadel geschickt schwarzen Zwirn als Nase in einen Stoffbären. „Ich repariere Teddys“, sagt die 67-Jährige. Ihr gefalle die „Idee, in einer Wegwerfgesellschaft nicht alles zu entsorgen“.

Im Hof der Kaffeestube wird an Rädern geschraubt. Wolfgang Rupperti hat seinen Drahtesel mitgebracht. Chris, ein ehrenamtlicher Schrauber, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat sich um das Rad gekümmert, das defekte Rücklicht in Schuss gebracht und den Tacho neu justiert. Der 78-Jährige ist ganz begeistert von dem Ergebnis: „Alles was machbar ist, hat er hingekriegt.“ Ein Kabel für die Vorderbeleuchtung müsse noch bestellt werden, sagt der Hobby-Mechaniker. Das geht vor Ort: An einem Computer mit Internetanschluss als „Recherche-Station“ können Besucher Ersatzteile ordern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare