Ortsvorsteher Oliver Strank im Gespräch mit Anwohnern.  
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Ortsvorsteher Oliver Strank im Gespräch mit Anwohnern.

Gutleutviertel

Gutleutviertel: Menschen schlafen und pinkeln in Hauseingängen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Die Anwohner des Gutleutviertels ärgern sich über Matratzenlager, Drogenkonsum und Pöbeleien. In den letzten zwei Monaten sei es immer schlimmer geworden.

Frankfurt - Anwohner des Gutleutviertels haben Angst, dass ihr Quartier zum neuen Bahnhofsviertel avanciert. Seit einigen Monaten hätten sich die Probleme verschärft, finden sie. Menschen, vermeintlich Obdachlose, pinkelten in Hauseingänge und sogar in Kellerschächte, berichtet eine Anwohnerin aus der Hafenstraße. Als vor kurzem ihre Nachbarn benutzte Spritzen im Briefkasten fanden, sei das Maß voll gewesen. Sie wandte sich an den Ortsbeirat.

In letzter Zeit habe er vermehrt Anfragen und E-Mails von Bürgern zu dem Thema bekommen, erzählt der Vorsteher des Ortsbeirat 1, Oliver Strank (SPD), bei einen Ortstermin im Viertel am Donnerstagnachmittag. Wie so oft sind die Probleme gerade nicht sichtbar, lediglich eine leere Matratze liegt vor einem Haus. Nachts lagerten auf ihr Menschen, genauso wie in Hauseingängen. Drogenkonsum, und -handel habe man auch schon beobachten können, sagen die Anwohner. Sie vermissen regelmäßige Kontrollen des Ordnungsamtes.

Besonders schlimm sei es vor dem Rewe in der Speicherstraße, berichten die Anwohner, die anonym bleiben wollen. Auch dort säßen oft Menschen, die mitunter aggressiv bettelten, pöbelten und sich abends zusaufen würden. Morgens müsse man dann durch die Scherben laufen. Er habe schon die Polizei gerufen, sagt ein Anwohner, diese hätten einen Platzverweis erteilt, aber zwei Stunden später seien die Menschen wieder da gewesen. Mehrmals am Tag gingen aber Polizeibeamte dort einkaufen, beschreibt einer der Anwohner. „Zu der Gelegenheit könnten sie doch gleich nach dem Rechten sehen.“

Anwohner wünschen sich Ansprechpartner

Vielleicht ziehe auch die Teestube Jona mehr Menschen aus dem Bahnhofsviertel an, vermutet ein Anwohner. Die Einrichtung für Obdachlose war vor etwa einem Jahr an die Gutleutstraße gezogen. Allerdings gebe es eine Abgabestelle für Methadon an der Hafenstraße schon viele Jahre. Strank kennt die Probleme. Die Häufung werde wohl ein Zusammenspiel aus dem Vakuum, das durch den Corona-Lockdown entstanden sei, sein – und besserem Wetter.

Gut wäre es, wenn es einen Ansprechpartner gebe, finden die Anwohner. Strank erinnert an den Schutzmann vor Ort, den die Polizei auch im Bahnhofsviertel einsetze. Vielleicht könnte ein Beamter mindestens für zwei Monate das Gleiche im Gutleutviertel übernehmen. Die Anwohner befürworten die Idee. Strank will das bei der Stadt anregen, außerdem, dass Matratzen weggeräumt werden.

Der Schutzmann vor Ort für das Bahnhofsviertel habe zwischenzeitlich auch im Gutleutviertel erste Kontakte hergestellt, schreibt die Polizei auf Anfrage. Und verweist auf die verstärkte Präsenz rund um den Hauptbahnhof, womit die Polizei kürzlich auf vermehrte Beschwerden und Schwierigkeiten reagierte.

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