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Die AG: Barbara Gaba, Elke Schneider, Wilhelm Duscheck (v.l.)

Senioren

Hilfe für kranke Frührentner

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Ein neues Nachbarschaftsprojekt unterstützt Menschen mit Erwerbsminderungsrente.

Ein harter, aber schöner Job sei es gewesen, erzählt Barbara Gaba. In der Pflege von Komapatienten hat sie gearbeitet, eine anstrengende Tätigkeit für Körper und Geist. Viele Nachtschichten, tragische Schicksale, schlechte Bezahlung. Lange machte sie die Arbeit gern, doch irgendwann konnte sie einfach nicht mehr. Plötzlich fing sie an, auf dem Heimweg die Schritte bis zur Haustür zu zählen. Und auch der Körper gab der Belastung nach, in beiden Knien brauchte sie künstliche Gelenke. Seit Februar 2017 arbeitet Gaba nicht mehr und bezieht Erwerbsminderungsrente, 509 Euro monatlich, immerhin.

Nun möchte sie anderen helfen, denen es ähnlich ergeht. Deswegen engagiert sich Gaba ehrenamtlich bei der AG-Erwerbsminderung Gutleut, die sich einmal im Monat im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum trifft. Das Nachbarschaftsprojekt ist offen für jeden, der selbst davor steht, Erwerbsminderungsrente zu beziehen. „Man kann einfach vorbeikommen und Fragen stellen – und dann gucken wir, wie wir helfen können“, sagt Mitbegründerin Elke Schneider, die ebenfalls selbst seit drei Jahren Erwerbsminderungsrente bezieht.

Laut Bundesarbeitsministerium wird aktuell jeder zweite Antrag auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt. Wer durch eine Krankheit oder eine Behinderung nur noch weniger als sechs Stunden pro Tag arbeiten kann, gilt als teilweise erwerbsgemindert, wer nicht einmal mehr drei Stunden schafft, als voll erwerbsgemindert. Die Gruppe aus dem Gutleut, die sich zu Jahresbeginn formiert hat, unterstützt Betroffene auf vielfältige Art und Weise: Sie hilft beim Ausfüllen von Formularen, stellt den Kontakt zu Beratungsstellen her, empfiehlt Ärzte, die sich mit der Thematik auskennen oder Anwälte, die Experten im Bereich Sozialrecht sind. „Und wenn jemand nur zum Kaffeetrinken vorbeikommt, weil wir eine seelische Stütze für ihn sind, ist es auch okay“, betont Gaba.

Die vier Gründungsmitglieder stecken allesamt selbst in der misslichen Lage, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind. Ihre Erfahrungen möchten sie mit anderen Betroffenen teilen. „Viele fühlen sich alleine“, sagt Gaba. „Sie sollen aber sehen, dass sie nicht alleine sind.“ Wenn jemand durch die Tür komme und sehe, „dass wir hier mit ähnlichen Schicksalen sitzen“, könne das helfen, „dass man sich ein bisschen aufgehoben fühlt“.

Kontakt zum Nachbarschaftsprojekt:

Die AG-Erwerbsminderung Gutleut trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum, Gutleutstraße 317 A. Wer Interesse oder Fragen hat, kann sich per Mail unter ag.erwerbsminderung@gmx.de oder telefonisch unter der Nummer 0157 - 77 89 28 46 melden.  

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