Grüne Daumen in der Corona-Krise

Frankfurt: Kontaktlos Pflanzen tauschen für die Garten-Saison  

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Frankfurt: Im Gutleut-Viertel tauschen Anwohner ihre Pflanzen und Samen für die Garten-Saison. Die Tauschbörse hat sich auf die Corona-Beschränkungen vorbereitet.

  • Im Frühjahr geht bei vielen Hobbygärtnern das Säen und Pflanzen wieder los
  • Die alljährliche „Pflanzen- und Samen-Tauschbörse“ findet trotzCorona-Beschränkungen statt
  • Der Verein „Gude Leut“ will es auch unter den Bäumen im Frankfurter  Gutleutviertel blühen lassen. 

Frankfurt - Auf der hellen Holzkommode sammeln sich die Pflanzen. Buschige Grüngewächse und Pflanztöpfchen mit teils zarten Trieben stehen auf sowie vor ausrangierten Möbel an der Ecke Werft-/Rottweiler Straße. In abgewandelter Form hat der Nachbarschaftsverein „Gude Leut“ am Sonntagvormittag zur zweiten Ausgabe seiner „Pflanzen- und Samen-Tauschbörse“ geladen.

Pflanzen tauschen in Frankfurt: Kontaktlose Börse im Gutleutviertel 

Um den Corona-Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln gerecht zu werden, haben die Mitglieder weiße Klebebandstreifen vor und neben dem Holzmöbel auf das Kopfsteinpflaster geklebt, das von einem Sperrmüllhaufen hinter der Straßenecke stammt. Außerdem hängen Hinweise zum Mindestabstand sowie kontaktlosen Tauschprozedere an der Kommode. „Wir wollten nicht ganz auf die Börse verzichten und haben kurzerhand überlegt, wie wir sie nach den Corona-Regeln umgestalten können“, sagt Louisa Page, Vorstandsmitglied im Verein.

Was sich im Vorjahr am Rottweiler Platz noch zu einem „kleinen Nachbarschaftsfest“ mit gemeinschaftlichem Eintopfen entwickelt habe, trägt in diesem Jahr den Namen „Frühlings-Bar“ und sei eher „eine Art Selbstbedienungstheke“, wie Pages Kollege Johannes Rapp sagt.

Der Nachbarschaftsverein Gude Leut’ bepflanzt die Fläche rund um den Baum an der Ecke Gutleut- / Werftstraße.  

Frankfurt: Pflanzen tauschen im trotz Corona-Beschränkungen

Als Cornelia Stark, ebenfalls vom Vorstand, grüne Tomatenpflanzen mit einer Schaufel Blumenerde in leere, längs aufgeschnittene Milchpackungen füllt, kommt eine Frau vorbei, die wissen möchte, welche Pflanzen sie eintopft. „Erbsen, Tomaten, Jalapeños“, sagt Stark und fügt hinzu: „Jalapeños sind Chilis und brauchen viel Sonne“.

Junge Ableger von „Lila Luzi“ und „Kleiner Perle“ hat Anne Siegl auf ihrem Fahrrad aus dem Gallus mitgebracht. Neben den beiden Chili-Arten hat die werdende Mutter eine kleine Kugelzucchini-Pflanze dabei. Tomatensetzlinge hat sie dafür eingetauscht und in ihren Fahrradkorb gestellt. „Man sät ja oft ganz viele Samen, weil man nicht weiß, ob’s was wird“, sagt die 34-Jährige, die hinter ihrem Häuschen gärtnere. Wenn zu viele Saaten aufgehen würden, sei sie froh, einige davon abgeben zu können und dafür etwa Tomaten-Jungpflanzen zu bekommen. Die von ihr gesäten seien diesmal nämlich nichts geworden, so Siegl.

Auch in der Corona-Krise mit grünem Daumen: Hobbygärtner tauschen Pflanzen in Frankfurt 

Nachdem sie weggeradelt ist, wandert eine ihrer Chilis in den Schuhkarton von Miriam Kapinos, die im Gegenzug Kerbel und Borretsch mitgebracht hat. Auf dem Balkon ihrer Wohnung am Baseler Platz hat die 39-Jährige Grüne Soße-Kräuter „mit viel Sonne“ gezüchtet. „In diesen Tagen was zum Wachsen und Erblühen zu bringen, ist ein besonderes Bedürfnis.“

Das wollen die Gude Leut‘-Vereinsmitglieder auch unter dem Baum erreichen, der an der Ecke Werft-/Rottweiler Straße steht. Vom Grünflächenamt haben sie Anfang des Jahres eine Patenschaft für die Fläche übernommen. Am Sonntag wird fleißig umgegraben, Unkraut gejätet und Samen gesät. In einigen Wochen sollen rund um den Baum Sommerblumen erblühen.

Von Clemens Dörrenberg

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Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

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