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Busse und Lastwagen parken trotz Verbot an der Gutleutstraße.

Gutleut

Bus-Chaos an der Gutleutstraße

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Die Anwohner der Wurzelsiedlung ärgern sich über Fahrer, die illegal parken, Müll und Abgase hinterlassen. Die Stadt will das Problem nun mit Pollern lösen.

Unter der Camberger Brücke rauschen die Züge Richtung Hauptbahnhof, dahinter zeichnet sich die Skyline vor dem grauen Himmel ab. Wer nun nach rechts, Richtung Autobahn in die Gutleutstraße einbiegt, sieht sie schon: die Busse. Weiter die Straße hinauf, vorbei am Milchsackgelände mit dem Club Tanzhaus West, einem Hotel und Bürohäusern, parken noch mehr Busse. Doch in dem Gewerbegebiet wohnen auch Menschen.

Micha Launhardt tritt aus seiner Haustür an der Gutleutstraße. Er lebt seit fünf Jahren hier, schräg gegenüber erstreckt sich das Briefezentrum der Post, der hohe Verkehr und der Feinstaub stören, aber die Wohnung sei bezahlbar. „Heute ist es gar nicht so voll, kommen Sie mal am Wochenende, da parken die Busse hier alles zu.“ Er habe schon selbst Fotos gemacht, um das zu dokumentieren. Auch immer mehr Lastwagen stünden hier. Viele ließen die Motoren laufen, da zittere das ganze Haus.

Rechterhand beginnt die Wurzelsiedlung, kleine Mehrfamilienhäuser, erbaut 1921, mit Fensterläden und roten Türen. Die Straßen sind so eng, dass hier niemand stehen darf, weil sonst die Feuerwehr nicht durchkomme, erzählt Anwohner Wolfgang Pirner. Darum benötigen die Bewohner auch die Parkplätze auf der Gutleutstraße. Aber da stehen die Busse. Viele mehrere Tage, mitunter länger als eine Woche, berichtet er. Auch in der Anwohnerzone und im Halteverbot.

„Strafzettel interessieren die Busfahrer, die meist in ihren Wagen übernachteten, nicht.“ Sie schmissen außerdem ihren Abfall auf den Bürgersteig, manchmal blieben ganze Müllberge zurück, sagt Ehefrau Martina Pirner. Einige leerten ihre Toilettentanks auf der Straße. Oder verrichteten ihre Notdurft gleich dort.

Außerdem laufe oft stundenlang der Motor, für die Heizung im Winter und die Klimaanlage im Sommer, sagt Martina Pirner. Manchmal sei das im Garten kaum auszuhalten, dabei seien es auch die kleinen Gärten, die die Siedlung so idyllisch machten.

Im vergangenen Jahr reichten Wolfgang Pirner, der seit mehr als zehn Jahren in der Siedlung wohnt, die Zustände. „Ich dachte, ich muss etwas tun.“ Er besprach sich mit den anderen Bewohnern, wandte sich an den Ortsbeirat, das Verkehrsdezernent und schrieb einen Brief an den Oberbürgermeister.

Anwohner Wolfgang Pirner (rechts) und seinen Nachbarn reicht es.

Nun will die Stadt handeln. In Höhe der Wurzelsiedlung bis zur Erntestraße soll auf beiden Seiten ein Parkverbot für Busse gelten, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) der FR. Man wolle Poller so setzen, dass Autos einen Platz finden, Busse und Lastwagen aber nicht in die Lücken passen. Das soll in den nächsten Wochen erfolgen, auf jeden Fall vor der Sommerpause, so Oesterling. So müssten die Probleme gelöst sein. Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen hatte den Antrag auf Parkverbot gestellt. Sie verwies auch auf erhebliche Gefahren für Radfahrer und Fußgänger. Gepäckklappen ragten ungesichert auf den Radweg und die Fahrzeuge versperrten die Sicht.

Eine Bewohnerin der Siedlung ist mit ihren Töchtern auf dem Weg nach Hause. Könnte man nicht wenigstens temporär dort einen Busparkplatz einrichten, sagt sie und zeigt auf die andere Straßenseite, wo sich seit Jahren eine riesige Brache befindet. Bekannt geworden, weil dort Rumänen unter menschenunwürdigen Bedingungen hausten. Doch das sei nicht möglich, sagt Oesterling. Das Areal ist schon verkauft, von privat an privat.

Dass an der Gutleutstraße dringend etwas getan werden muss, fordert auch Vorstandsmitglied Mikael Horstmann vom Verein Frankfurter Stadt- und Gästeführer. Aber er fragt sich, wohin die Busfahrer, die dort lange stehen, ausweichen sollen. „Ein idealer Standort für einen Bushof wäre am Gutleuthafen“, findet er. Dort sei viel Platz und einige der Flächen in Besitz der Stadt. Natürlich müsste man dann dort zumindest Toiletten anbieten.

Vielleicht ließen sich die Kosten für die Stadt durch eine Gebühr der Busunternehmen, die ihre Fahrzeuge reinigen, Tanks entleeren und betanken müssen, wieder einspielen. Oesterling sieht jedoch dort keine Chance für einen Bushof. Einerseits gebe es für das Gebiet Planungen für Wohnungen, andererseits werde der Bereich von Unternehmen wie Sehring-Beton genutzt.

Die meisten Fahrzeuge, die an der Gutleutstraße stehen, kommen den Nummernschildern nach zu urteilen aus Polen. Oesterling vermutet, dass sie Arbeiter aus Osteuropa bringen, die auf den Baustellen hier beschäftigt sind. Die meisten Fahrzeuge sind dunkel, in einem putzt Fahrer Kaspar, seinen Nachnamen will er nicht nennen. Acht Tage fuhr der Pole eine koreanische Reisegruppe durch Europa, erzählt er. Frankfurt werde oft als Start- und Endpunkt gewählt, wahrscheinlich wegen des Flughafens, vermutet der 26-Jährige. Nun wartet er auf einen Kollegen, der ihn ablöst. In seinem Bus übernachten würde er nicht, aber er könne nicht ausschließen, dass es andere Firmen gebe, die keine Hotels bezahlten. Der Platz hier sei perfekt zum Parken, der Hauptbahnhof nah, die Autobahn und auch der Flughafen nicht weit. Wenn er nicht hier stehen dürfte, würde es problematisch werden, einen Platz in Frankfurt zu finden.

Der zuständige Ortsbeirat 1 kennt das Reisebus-Chaos und hatte schon mehrere Anträge formuliert, nachdem sich die Anwohner beschwert hatten. Gerne möchte sich Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) in einem Ortstermin die Situation noch einmal anschauen.

Doch die Busse stören nicht nur dort. Sie stehen auch am südlichen Mainufer, an der Alten Brücke, am Eisernen Steg und an der Paulskirche. Auch wenn es sich hier eher um Ausflugsbusse handele, die nur einige Stunden dort parkten, sagt Oesterling. „Frankfurt ist nicht richtig ausgerüstet für das hohe Aufkommen der Busse“, sagt Oliver Strank. Wenn man die Parkplätze an der Gutleutstraße verlege, löse man nicht das Problem. Es wird eine Herausforderung, einen Ort zu finden, wo Busse wenig bis gar nicht stören. Da müsse die Stadt vielleicht neue Wege gehen.

Auch Klaus Oesterling findet, dass Frankfurt ein Buskonzept benötige. Am Hauptgüterbahnhof, wo heute das Europaviertel ist, am Ost- oder Westbahnhof habe es einst freie Flächen gegeben. Man habe es versäumt eine Brache dafür zur Verfügung zu stellen.

Die Anwohner im Gutleutviertel können aber nicht auf einen Busbahnhof warten. Sie fordern Ergebnisse, so bald wie möglich. „Wir hoffen, dass das Parkverbot nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern Taten folgen“, sagt Wolfgang Pirner.

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