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Die Fotobörse im Gewerkschaftshaus bietet viele interessante Fundstücke. Bild: Monika Müller

Gutleut

Alles analog

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Schätze von damals: Ein Markt im Gewerkschaftshaus bietet alte Kameras und das passende Zubehör.

Fotografen sind scheue Wesen und lassen sich nicht so gerne selbst ablichten. Diese Erfahrung muss am Sonntag die FR-Kollegin machen, die zum Fotografieren zur 39. „Rhein-Main-Kamerabörse“ im Wilhelm-Leuschner-Saal des Gewerkschaftshauses gekommen ist. Für die Zeitung fotografiert zu werden? Nein danke, da winken viele ab.

Sie sind ja auch nicht zum Posieren gekommen, sondern um Seltenes rund ums Thema Fotografie zu ergattern. So wie Harald Stolz aus Bad Homburg. Der 53-Jährige hat für seine Kamera, eine „Hasselblad“ aus dem Jahr 1972 mit noch älterem Magazin, einen Belichtungsmesser erstanden. „Ich arbeite noch analog“, sagt Stolz und weiter: „Da entsteht das Foto im Kopf.“

Belichtungszeit, Filter, Blende, all das müsse man sich vor Drücken des Auslösers gut überlegen und könne nicht hunderte Aufnahmen wie bei digitaler Fotografie machen. Der gebrauchte Belichtungsmesser helfe beim analogen Fotografieren, genauso wie zwei passende Filter, ebenfalls aus zweiter Hand. „Es waren die einzigen, die es gab, da hatte ich Glück“, berichtet er. Er habe sich den Markt „ein bisschen größer vorgestellt“. Etwa ein Dutzend Verkäufer haben ihre Ware ausgebreitet. Unzählige Objektive, Fotoapparate und Zubehör warten auf neue Besitzer.

Einen Deckel für sein altes Schmuckstück hat sich Harald Stolz auch noch geleistet. Und vorher ausprobiert, ob er passt: Ein klarer Vorteil für ihn im Vergleich zu Internet-Käufen. „Da weiß man nie, wie der Zustand ist“, sagt er. Ähnlich sieht das Moritz Kievel. Bei Online-Bestellungen müsse er sich darauf verlassen, dass die Artikel richtig beschrieben seien, sagt der 21-jährige Hanauer. „Hier kann ich die Produkte in die Hand nehmen und schauen, ob sie passen.“ Der Mediengestalter möchte mit einem Freund einen Kurzfilm drehen. Dafür sucht er drei Objektive mit „komplett analoger Optik“. Kievel sagt: „So kann ich manuell alles einstellen und intuitiv arbeiten.“

Als schon am frühen Nachmittag die meisten der Händler beginnen, ihre Waren in Transport-Boxen zu verstauen, weil kaum noch Kundschaft kommt, bleibt Jörg Schmitt sitzen. Vor ihm liegt nur eine einzige Kamera, die jedoch mit einem riesigen Objektiv ausgestattet ist. Ein „500er-Objektiv“ sei das, berichtet der ehemalige Fotojournalist. Damit hatte der 73-Jährige zu Beginn seines Ruhestands Kraniche in Mecklenburg fotografiert. Das Digitale sei nicht so sein Ding. „Es ist schon alles fotografiert“, sagt der einstige Berufs-Bildermacher, der von der Olympiade über Promis wie Sean Connery bis zum Erdbeben so ziemlich alles abgelichtet habe. „Ich male jetzt“, sagt der Hofheimer. Die Gemälde seien Unikate.

Für 5000 Euro will er sein Objektiv mit Kamera verkaufen. „Das wird schwierig“, sagt er selbst. Auf der Börse seien weniger Profis als vielmehr Schnäppchenjäger unterwegs.

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