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Die Initiatoren der Kulturwoche, Yasar Honneth und Nadine Tannreuther, wollen die Menschen im Quartier vernetzen.

Gutleut entdecken

Gutleutviertel: „Dem Viertel eine Identität geben“

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Nadine Tannreuther und Yasar Honneth führen Besucher der Gutleut Tage in unbekannte Ecken des Quartiers. Hier finden Sie das Programm.

Frankfurt - Im August gibt es zwischen Main und Hauptbahnhof wieder viel zu entdecken. Zum sechsten Mal organisiert die Stadtteilinitiative Gutleutviertel ein Sommerfest, Spaziergänge, Führungen und Konzerte. Vor drei Jahren haben Nadine Tannreuther und Yasar Honneth die Initiative gegründet. Was als Semesterprojekt mit einem interaktiven Spaziergang begann, setzten sie im Master fort. Seitdem führen sie die Kulturwoche ehrenamtlich weiter.

Wo schauen Sie am liebsten den Sonnenuntergang im Gutleutviertel?
Honneth: An der Mole am Westhafen ganz hinten mit Blick auf den Fluss und die Main-Neckar-Brücke.

Tannreuther: Ja, oder vom Sommerhoffpark aus.

Was ist für Sie das Besondere am Quartier?
Tannreuther: Dass es so vielseitig und multikulturell ist. Hier leben Obdachlose, Superreiche und die Mittelschicht.

Honneth: Auf dieser kleinen Fläche kommen außerdem die unterschiedlichsten Transportwege zusammen. Schiffe auf dem Main, Züge, Straßen-, Kohle- und Autobahn. Noch dazu wird Frankfurt von hier mit Energie versorgt – vom Heizkraftwerk.

Braucht es überhaupt noch eine Veranstaltung wie die Gutleut-Tage oder haben Sie Ihr Ziel erreicht?
Honneth: Unsere Ursprungsidee ist immer noch aktuell. Wir wollen die Anwohner weiter untereinander vernetzen und Informationen besser verteilen. Es könnte auch mehr Angebote, Plätze und Treffpunkte geben. Und viele wissen immer noch nicht, wer hier wohnt und was eigentlich zum Viertel gehört. Manche ordnen es dem Bahnhofsviertel zu, andere dem Gallus oder zählen den Westhafen nicht dazu.

Dem Viertel eine Identität geben

Tannreuther: Hier passiert ganz viel, aber oft schlecht kommuniziert. Mit den Gutleut-Tagen wollen wir dem Viertel eine Identität geben und diese zeigen.

Programmtipps
Die Gutleut Tage werden von Samstag, 10., bis zum 17. August im Quartier gefeiert. Eine Woche lang gibt es die unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Mit dem eigenen Smartphone geht es am Sonntag, 11. August, um 11 Uhr, auf einen Interaktiven Spaziergang samt Audioguide, Vor dem Eingang Hauptbahnhof, Spende 13 Euro.

Eine geführte Tour durch die Kreativ-Agenturen gibt es am Montag, 12. August, ab 17 Uhr, Treffpunkt: Agentur Unterschied & Macher, Stuttgarter Straße 25.

Wer die Damenboutique  für den Herren kennenlernen will, kann am Mittwoch, 14. August, ab 18 Uhr zum Baseler Platz 8 kommen. Teilnehmer können spenden oder etwas Prickelndes mitbringen.

Kreative Malspiele gibt es am Freitag, 16. August, für Erwachsene (19 Uhr) sowie am Samstag, 17. August, für Kinder (15 Uhr). Eigene Malkleidung mitbringen. Ort: Gutleutstraße 294, Künstlerhaus, 2. Stock, Spende 18 Euro.

Die Foto-Tour am Sonntag, 11. August, ist ausgebucht, Ersatztermin: Sonntag, 18. August, 20 Uhr, Kamera, Handy oder Tablet mitbringen. Treffpunkt: Westhafenplatz 1, Spende 13 Euro.

Eine Anmeldung für Führungen an dasgutleutviertel@gmail.com, für die Malwerkstatt ute@utehausotte.com.

kulturwochegutleuttage.business.site

Hat das Projekt auch etwas im Viertel angestoßen?
Honneth: Auf jeden Fall. Mittlerweile gibt es das Nachbarschaftsbüro. Die eine Quartiersmanagerin hat sich dabei von uns inspiriert gefühlt und sich für die Stelle beworben, nachdem sie unsere Videos gesehen hat. Der Verein Gude Leut’ zum Beispiel wird nun jedes Jahr zum Rottweiler Platz-Fest finanziell unterstützt. Es tut sich insgesamt etwas.

Tannreuther: Viele haben nach der ersten Veranstaltung gesagt, bitte macht weiter, das hat Mehrwert, was ihr gestartet habt. So haben wir auch nach dem Studium nicht aufgehört.

Was ist bei der Kulturwoche neu dieses Jahr?
Honneth: Zunächst mal konnten wir Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als Schirmherren für unsere Veranstaltung gewinnen.

Tannreuther: Neu ist ein kreativer Rundgang durch die Agenturen im Viertel. Die wenigsten wissen, dass es hier so viele, teils sehr bekannte Medienagenturen gibt. Zum ersten Mal können nun auch die Besucher für den interaktiven Spaziergang eine App verwenden, mit der sie Sound abspielen können. Das Sommerfest in der Kulturfabrik am 10. August ist dieses Jahr größer. Und wie jedes Mal sind andere Live-Bands mit dabei.

Sie organisieren die Veranstaltung nun zum sechsten Mal, wird es immer leichter?
Tannreuther: Ja schon, es ist immer noch viel Arbeit, aber wir kennen mehr Leute, die wir anrufen oder fragen können. Viele Unternehmen und Menschen im Viertel unterstützen uns jedes Mal aufs Neue. Und je länger wir es machen, desto mehr Menschen erreichen wir damit.

Auf was blicken Sie besonders gerne zurück?
Honneth: Wir haben tolle Persönlichkeiten und Geschichten kennengelernt sowie Freundschaften geschlossen. Mit Manuela von der Damenboutique für Herren, Erna von der AWO oder Fred, einem blinden Musikpädagogen, der uns durchs Viertel geführt hat. Mit vielen Obdachlosen haben wir ebenfalls geredet und emotionale Geschichten gehört.

Interview: Judith Köneke


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